Auto : Das Architekten-Auto

Beim CLS Shooting Brake ging es Mercedes vor allem um die Form – was nicht heißt, dass er im Alltag nur unpraktisch wäre.

Von allem was. Der CLS Shooting Brake ist die vielleicht schönste Art, einen Kombi zu fahren. Oder die praktischste Möglichkeit, ein Coupé zu bewegen. Foto: promo/sppr
Von allem was. Der CLS Shooting Brake ist die vielleicht schönste Art, einen Kombi zu fahren. Oder die praktischste Möglichkeit,...

Vielleicht sollten wir ja mal nicht mit dem Design anfangen, obwohl es zugegeben außergewöhnlich ist. Nehmen wir zunächst mal die praktischen Eigenschaften des Mercedes CLS Shooting Brake unter die Lupe, denn der Schwabe ist zwar auf neudeutsch so etwas wie ein „Crossover“, doch tut man ihm sicher kein Unrecht, wenn man ihn ihm vor allem einen Kombi sieht. Als solcher hat er mit bei umgelegten Rücksitzen maximal 1550 Litern Laderaum deutlich weniger Platz als etwa ein Skoda Octavia (1740 Liter) und erst recht als die T-Version der E-Klasse aus eigenem Hause, die allerdings mit bis zu 1950 Liter sowieso in einer eigenen Liga spielt.

Aber wer außer hartgesottenen Handwerkern oder Großfamilienvorständen braucht ständig so viel Platz? 590 Liter passen im Normalfall in den Kofferraum, das reicht für 99 Prozent aller Alltage aus und die Erweiterung auf 1550 Liter deckt sicher die meisten Sonderfälle ab, von den berühmten Baumarkttransporten mal abgesehen. Für einen Kombi der oberen Mittelklasse ist das natürlich alles nicht viel, für ein Coupé aus der gleichen Liga allerdings gewaltig. Womit wir dann doch schon beim Design angekommen wären.

Denn der CLS will in der Version Shooting Brake – der Name stammt ursprünglich von Fahrzeugen, die für die Jagd umgerüstet wurden und in den 60er und 70er Jahren für zweitürige britische Sportwagen mit großer Heckklappe – eigentlich nichts anderes sein, als ein Coupé mit viel Raum. Wobei trotz des annehmbaren Platzgewinns ohne Zweifel „function follows form“ galt: die Funktion muss sich dem Design unterordnen. Beim Shooting Brake gibt es nicht nur die aus dem CLS bekannte lange Motorhaube, hier fällt auch die Dachlinie auf Kosten des Raums spektakulär nach hinten ab, werden die Glasflächen gleichzeitig immer schmaler. Kein Zweifel, dieser Mercedes signalisiert schon optisch den Anspruch, ein sportliches Coupé mit Platz und kein coupéhafter Kombi sein zu wollen, wie sie heute fast jeder Hersteller baut. Immerhin spendiert Mercedes dem Shooting Brake eine elektrisch zu öffnende und schließende Heckklappe, eine herausnehmbare Laderaumabdeckung, eine Durchlademöglichkeit in den Fond, Taschenhaken, Gepäcknetze und dergleichen mehr. So viel Kombi muss bei den Schwaben dann doch schon sein.

Abgesehen von seiner Karosserieform und den sich daraus ergebenden zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten ist der CLS Shooting Brake vor allem ein CLS. Das gilt nicht nur für den Innenraum und das Cockpit mit seinen überraschend schlecht ablesbaren Instrumenten, sondern auch für die Motorisierungen, die allesamt auch aus der viertürigen Version bekannt sind. Unter diesen ist der V6-Diesel mit 3,0 Litern Hubraum, bei Mercedes leicht irreführend als 350 CDI bezeichnet, das Sahnestück. Und dies vor allem durch sein sattes Drehmoment; bis zu 620 Newtonmeter werden auf die Kurbelwelle übertragen und zwar in dem für einen Diesel wichtigen Bereich von 1600 bis 2400 U/min. So ist man wahrhaft souverän unterwegs und kann jederzeit gelassen gleiten. Zumal die serienmäßige Siebengang-Automatik fast immer richtig agiert. Im Vergleich zu ähnlichen Aggregaten des Wettbewerbs – etwa der Achtgang-Automatik von BMW – ist sie allerdings etwas in die Jahre gekommen und reagiert manchmal zu träge oder dann wieder auch übereifrig.

Der CLS Shooting Brake überraschte uns auch in anderer Hinsicht. So agiert der tolle Motor keineswegs so leise, wie man es von einem Superdiesel erwarten dürfte; liegt es am Aggregat selbst oder an der Dämmung? Und auch die Fahrwerksabstimmung tendiert deutlich Richtung „sportlich“. Oder anders gesagt: Trotz serienmäßiger Luftfederung gab der Mercedes die nach diesem Winter reichlich vorhandenen Straßenschäden ziemlich ungeniert an seine Insassen weiter. Immerhin hielten die hochwertigen Sitze das Schlimmste ab.

Weniger überrascht hat uns dagegen die Preisgestaltung – ein Mercedes ist halt immer teuer. Allerdings muss auch gesagt werden, dass sich der Aufpreis für das Shooting-Brake-Modell im Vergleich zum Coupé in Grenzen hält: Je nach Motorisierung beträgt er zwischen 1300 und 1900 Euro. Bei einem Grundpreis von 65 630 Euro ist das leicht zu verkraften, zumal man mit dem Shooting Brake nicht nur das praktischere, sondern auch das spektakulärere Auto erhält. sppr

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