Auto : Das erste Grün – das erwartet uns 2008

Die Neuheiten des kommenden Jahres: Den Schwerpunkt bilden bei den meisten Herstellern weniger belastende Modelle

Stefan Woltereck

Verbrauch, Partikel, CO2: Die IAA, man erinnert sich, veranstalteten die Autohersteller als grüne Woche. Sie überboten sich im Ankündigen neuer „Eco“-Modelle – eins sparsamer, sauberer, umweltfreundlicher als das andere. Mit dem Umsetzen indes taten sie sich schwer – von einigen löblichen Ausnahmen wie der Start-Stopp-Automatik bei BMW und Citroën oder den Blue-Motion-Modellen bei VW abgesehen. In den nächsten Monaten aber ist es so weit: Verbrauchs- und Emissionsminderung werden im kommenden Jahr ein ganz großes Thema.

EINFACH SPARSAM

Die naheliegendste Sparidee besteht darin, die Drehzahlen zu senken. Verwirklicht als „Blue-Motion“ bei Volkswagen, „e“ bei Audi, demnächst als „Green Line“ bei Skoda, „Ecomotive“ bei Seat, aber in Sichtweite auch zum Beispiel bei Ford („Econetic'“), Opel („Ecoflex“), Volvo und weiteren. Der Leerlauf wird langsamer, während der Fahrt reduzieren längere Übersetzungen die Drehzahl. Eine tiefergelegte Karosserie senkt den Luft-, ein spezieller Reifen den Rollwiderstand. Sparen lassen sich so gut zehn Prozent – ohne empfindliche neue Technik und ohne Einbußen an Fahrqualität. Der Polo Blue-Motion beispielsweise hat 80 PS, so wie das normale TDI-Modell. Der Wagen liegt im C02-Ausstoß unter 100 g/km und begnügt sich mit 3,8 l/100 km (statt 4,5).

KLEINER GEHT’S BESSER

Weiter zunehmen nicht nur im VW-Konzern werden Direkteinspritzung und Schichtladung, werden Downsizing mit kleinerem Hubraum und Aufladung – mit dem Verbrauch des kleinen und der Leistung eines viel größeren Triebwerks. Mehr und mehr lösen DSG-Getriebe mit ihrem höheren Wirkungsgrad die konventionelle Getriebeautomatik ab – unter anderem auch bei Ford, BMW, Volvo und Porsche. Bei VW wird im Herbst die inzwischen sechste Auflage des Golf erwartet, vorher gibt es noch zwei Coupés – ein luxuriöses viertüriges auf Basis des Passat und ein sportliches auf Golf-Basis mit dem neuen alten Namen Scirocco. Bei Audi erscheinen A3 und A5 als Cabrio, dazu der kleine Geländewagen Q5 und diverse Sportmodelle. Skoda führt in diesen Tagen den Fabia als pfiffigen kleinen Kombi ein, im März erscheint dazu der Superb in zweiter Auflage. Seat bringt den Ibiza neu, auf derselben Basis (sie steckt auch im Fabia) erscheint 2009 ein neuer Polo.

AUSSCHALTER

Sparen mit Start-Stopp: Wer den Motor im Stillstand ausschaltet, der spart noch mehr Benzin. Bereits in Serie sind solche Systeme unter anderem bei BMW, im Mini, bei Citroën (C2, C3) – und demnächst in vielen weiteren Modellen vom Smart über den Fiat 500 bis zu großen Limousinen. Wichtigste Neuheiten bei BMW sind im Frühjahr das 1er-Cabrio und im Herbst ein neuer 7er. Bei Citroën stehen im Frühjahr ein neuer C5 und der Kleinlieferwagen Nemo an, Letzterer mit dem Konzept des Renault Kangoo.

HOCHPROZENTIGES

Bis zu 50 Prozent Spar-Effekt – in den Kosten, beim C02 immerhin 30 Prozent –, das versprechen Motoren, die mit Erd- oder Flüssiggas laufen. Die Auswahl hier nimmt zu, auch die Nachrüstung wird dank der hohen Benzinpreise immer mehr zum Thema. Ebenfalls auf dem Vormarsch sind Motoren, die das sogenannte „E85“ vertragen, eine Mischung aus (bis zu) 85 Prozent Bioalkohol und 15 Prozent Benzin. Solche Wagen haben etwa Saab, Volvo und Ford im Angebot, hierzulande spielen sie mangels Tankstellen aber noch kaum eine Rolle. Und: Kritiker der Technik befürchten, dass ein massiver Anbau von Treibstoffpflanzen die Nahrungsnot der Dritten Welt noch weiter verschärfen könnte. Trotzdem: Bei Ford startet der äußerlich runderneuerte Focus, im Sommer erscheint der kompakte Geländewagen Kuga, im Herbst die Neuauflage von Fiesta und Ka – der erste als Parallele zum Mazda 2, der zweite als Ableitung des Fiat 500.

ZWEI IN EINS

In Sachen Hybrid tut sich bei den europäischen Herstellern noch immer wenig, auch wenn die Entwicklung läuft. Die ersten Serienmodelle mit kombiniertem Elektro- und Verbrennungsantrieb von Porsche, Audi, Volkswagen und Mercedes-Benz werden nicht vor dem übernächsten Jahr erwartet. Die japanischen Vorreiter Toyota und Lexus marschieren derweil im Hybridbereich bereits auf eine Produktionszahl von 1,5 Millionen Fahrzeugen zu – allerdings sind die wenigsten davon in Deutschland verkauft worden. Toyota bringt im Spätjahr einen neuen Avensis, vorher wird ein knapp drei Meter langer Japan-Smart vorgestellt – mit Namen IQ.

ZUKUNFTSMUSIK

Noch einmal deutlich weiter entfernt ist der Elektroantrieb per Brennstoffzelle. Sie beschränkt sich noch immer auf sündhaft teure Kleinstserien. Sollten neue Batterien für genügende Reichweiten vor der Zelle fertig werden, droht die ganze Entwicklung in der Sackgasse zu enden. Die neue Richtung heißt „Plug in“-Hybrid: Der Akku wird an der Steckdose geladen, nur für sehr lange Fahrten wird der Verbrennungsmotor als Notstromversorgung gebraucht.

UND DIE ANDEREN AUTOS?

Alfa Romeo bringt im Herbst einen neuen Kleinen mit dem verpflichtendem Namen: „Furiosa“. Bei Lancia kommt die dringend nötige neue Mittelklasselimousine mit dem alten Namen Delta. Jaguar stellt im Frühjahr mit dem XF ein völlig neues Modell vor – mit ebenso neuer Formensprache.

Mercedes-Benz spendiert dem SLK ein kleines und dem SL ein größeres Facelift, später auch der A- und der B-Klasse, dazu erscheint im Herbst der Kompaktgeländewagen GLK. Bei Opel steht in den nächsten Wochen der Zafira mit neuer Front und neuen Details im Schaufenster, im Frühjahr erscheint der neue Agila, im Herbst der größere Vectra-Nachfolger namens Insignia.

Bei Renault starten in den nächsten Wochen Clio und Laguna Grandtour (siehe Seite 2), der neue Kangoo und der verlängerte Grand Modus, im Herbst werden dazu der Laguna als Coupé und der Mégane in neuer Form erwartet. Mit dem Koleos erscheint im Sommer auch der erste Allradler.

Peugeot überarbeitet vor allem seinen 407, der 308 erscheint auch als Kombi. Außerdem erneuert Honda im Herbst seinen kleinen Jazz, schon vorher den Accord. Mazda startet in diesen Tagen das neue Mittelklassemodell 6, der 5 wird aufgefrischt, der 3 im Spätjahr erneuert. Mitsubishi bringt neue Motoren für den Outlander, später folgen weitere Motor- und Karosserievarianten für den jüngst vorgestellten neuen Lancer.

Nissan führt als wichtigstes Modell im Frühjahr den Tiida in der Golf-Klasse ein, im Herbst startet dazu die große Infiniti-Reihe als Parallele zur Toyota-Luxusmarke Lexus. Subaru bringt den lange erwarteten Diesel, Suzuki im Frühjahr den Splash als Parallele zum Opel Agila und im Herbst neu das Basismodell Alto. Hyundai erneuert fast sein gesamtes Programm: der i10 ersetzt den Atos, der i30 den Getz, der i40 den Accent, der i50 den Sonata. Analog dazu bringt die Schwestermarke Kia einen überarbeiteten Picanto, der Cee’d erscheint auch als Dreitürer, der große Magentis wird parallel dazu aufgefrischt.

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