Auto : Das Gesicht in der Menge

Dieser Mazda sieht nicht nur gut aus, er ist auch noch recht günstig.

Mit dem Mazda 3 erwächst dem VW Golf ein weiterer Konkurrent in der Kompaktklasse. Die Japaner gehen dazu nicht nur beim Design ihren eigenen Weg. Auch die Philosophie bei den Motoren kann überzeugen.Foto: promo
Mit dem Mazda 3 erwächst dem VW Golf ein weiterer Konkurrent in der Kompaktklasse. Die Japaner gehen dazu nicht nur beim Design...

Ohne Prophet zu sein: Der neue 3er wird der Hingucker in der vom optisch immer nahezu gleich ausschauenden VW Golf beherrschten Kompaktklasse. Denn die Japaner haben - anders als die Franzosen es beim neuen 308 taten - dem neuen 3er mit Mut die Originalität ins Blech gepresst, die aus dem Dreier das Gesicht in der uniformen Menge werden lässt. Mit zahlreichen Studien - schon 2012 erregte das Konzeptfahrzeug Shinari im sogenannten Kodo-Design Aufsehen - hat es Mazda bereits gezeigt und der aktuelle 6er trägt es auch als Serienfahrzeug auf der Straße zur Schau: Aus dem einst ziemlich spröden Importeur wird mit jedem neuen Modell ein Stück mehr eine Design-Marke.

Der neue 3er ist so ein stimmiger 6er geworden; nur eine Klasse tiefer. Obwohl sich die Maße gegenüber dem Vorgänger nur wenig geändert haben (gleiche Länge, minus 1,5 Zentimeter Höhe, vier Zentimeter mehr Breite), kommt der Neue nun viel selbstbewusster daher. Breit und satt steht er auf der Straße; mit kurzen Überhängen. Bei ihm müssen sich Schönheit und Funktion nicht ausschließen. Trotz der sportiven Form ist der Mazda 3 übersichtlicher als ein Kia Ceed oder ein Huyndai i30 mit deren schräg gestellten A-Säulen, welche die Sicht behindern. Mazda hat dort etwas verändert, wo es wichtig ist: Die Achsen stehen nun sechs Zentimeter weiter auseinander; mit 2,70 Meter besitzt der neue 3er den längsten Radstand der Kompaktklasse (VW Golf 2,64 Meter). Und das nehmen die Passagiere im Mazda mit Wohlgefallen zur Kenntnis. Vorn ist das Platzangebot sehr gut, im Fond die überdurchschnittliche Beinfreiheit besser als im Golf. Die Kopffreiheit ist trotz der abfallenden Dachlinie immer noch gut. Und auch beim Gepäcktransport fällt der Neue nicht ab: 350 Liter Volumen (zehn mehr als zuvor) sind nur 30 Liter weniger als beim VW Golf. Dafür bietet der Mazda nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen einen nahezu ebenen Ladeboden. Ganz im Trend liegt der Mazda 3 auch beim Gewicht: Über 60 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Doch, anders als beim ebenfalls abgespeckten neuen Peugeot 308 mit dessen viel zu geringen möglichen Zuladung müssen beim Japaner keine Hungerharken einsteigen: 600 Kilogramm mögliches Mehrgewicht sollten reichen.

Schön, dass das attraktive Äußere im Innenraum seine Fortsetzung findet. Auch da gehen die Japaner, anders als die Entwickler bei VW, andere Wege als die ausgetretenen. Ab mittlerer Ausstattung Center-Line (unser Favorit!) besitzt der 3er ein sieben Zoll großes Display, mit dem so ziemlich alles gesteuert werden kann. Entweder direkt über den berührungsempfindlichen Bildschirm, per Sprachbefehl oder - wie bei BMW - über einen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole. Das funktioniert auf Anhieb; und auch besser als beim neuen Peugeot 308. Das serienmäßige Mazda Connect System bindet Smartphones ein, verfügt über eine Vorlesefunktion für E-Mails und bietet über den Cloud basierten Service Aha mehr als 40 000 Radiosender, Hörbücher oder Zugang zu sozialen Medien. Damit dürfte hinterm Steuer kaum Langeweile aufkommen. Kleiner Lapsus im Cockpit: Die Instrumente, ein Mix aus analogen und digitalen Anzeigen, sind zwar gut abzulesen, doch Drehzahlmesser und Tankanzeige sind viel zu klein geraten.

Die größte Überraschung bietet der neue 3er beim Fahren. Auch ohne solch ein teures elektronisch geregeltes Fahrwerk wie das des VW Golf federt der Mazda 3 ebenso souverän und geschmeidig wie der Wolfsburger. Dazu kommen geringe Abrollgeräusche. Dieser feine Federungskomfort wird jedoch nicht durch ungebührliche Wankbewegungen der Karosserie in schnellen Kurven erkauft. In sportlich-fescher Manier wuselt der 3er ums Eck, unterstützt von einer präzisen Lenkung. Das kann ein teurerer Golf nicht besser! Und auch die Sitze tragen zum Wohlbefinden bei.

Anders machen es die Japaner selbst beim Antrieb. Statt auf Turbomotoren mit kleinem Hubraum setzen sie bei den Benzinern auf Sauger mit ordentlichem Hubraum. Die Benziner sind mit 14:1 extrem hoch; der Diesel mit 14:1 extrem niedrig verdichtet. Das soll, verbunden mit innermotorischen Maßnahmen, für geringe Verbrauchswerte sorgen. 5,1 Liter pro 100 Kilometer beim Benziner, 3,9 Liter beim Diesel. Dieser andere Weg vor allem beim Benziner hat mehrere Vorteile. Wo kein Turbo drin ist, kann auch keiner kaputt gehen, dann eine schön gleichmäßige, wenn auch eher betuliche Kraftentfaltung, und schließlich driften die Verbrauchswerte beim unrealistischen Norm- und dem realen Verbrauch nicht so weit auseinander wie bei den kleinen Turbos, die zu saufen beginnen, wenn sie gefordert werden. Statt 5,1 brauchten wir beim 100-PS-Benziner laut Bordcomputer 5,9 Liter bei der Testfahrt. Und beim 120-PS-Benziner mit der weich und ruckfrei schaltenden Sechsstufenautomatik (1800 Euro extra) waren es statt der versprochenen 5,6 dann 6,9 Liter. Kein Grund zum Meckern. Über alle Zweifel erhaben ist der tolle Diesel mit 150 PS, der - anders als der Selbstzünder des neuen Peugeot 308 - ohne Harnstoffeinspritzung bereits jetzt die Euro-6-Norm erfüllt. Nur er ist sehr teuer (erst ab 24 390 Euro).

Mit diesem neuen Mazda 3 ist dem Platzhirsch aus Wolfsburg ein ernst zunehmender Konkurrent erwachsen, der mit frischerem Auftritt und günstigerem Preisleistungsverhältnis (stets ein paar Tausend Euro!) bei den Käufern punkten kann. Ab dem 18. Oktober können Sie sich selbst ein genaues Bild machen. rr

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