Auto : Das gewisse Etwas

Jaguar E-Type: Vor einem halben Jahrhundert gab der britische Sportwagen in Genf seinen Einstand

Prototyp. So sah der E-Type 1960 in einem Entwicklungsstadium kurz vor dem Produktionsstart aus.
Prototyp. So sah der E-Type 1960 in einem Entwicklungsstadium kurz vor dem Produktionsstart aus.Foto: dpa-tmn

Es war ein PR-Coup erster Güte: Mit quietschenden Reifen und heißem Motor kam Norman Dewis am 15. März 1961 gerade noch rechtzeitig in Genf an. Wichtiger als der britische Testfahrer war allerdings sein Auto. Denn der Wagen, mit dem der Jaguar-Werkspilot aus Coventry durch die Nacht in die Schweiz gejagt war, wurde – frisch aufpoliert und hübsch im Scheinwerferlicht inszeniert – zum Star des Autosalons. Und danach für viele Jahrzehnte zu einer Ikone unter den Sportwagen. Vor genau 50 Jahren debütierte der Jaguar E-Type in Genf.

Was aussah wie eine Premiere auf den letzten Drücker, war allerdings von langer Hand geplant. Denn schon im Dezember 1956 gab Firmenchef Sir William Lyons seinem Designer Malcolm Sayer den Auftrag für einen Nachfolger des alternden XK. Im Jahr darauf begannen die Testfahrten, und bereits 1958 kristallisierte sich die endgültige Form heraus. Um sicher zu sein, dass sie tatsächlich die geplanten 1000 Autos verkaufen konnten, wurde die Neugier schon im Sommer vor der Premiere mit gezielten Indiskretionen angestachelt. Der Plan der Briten ging auf: Die Reaktionen auf den 4,46 Meter langen, aber nur 1,22 Meter flachen Sportwagen mit der schier endlos langen Motorhaube, den breit ausgestellten Kotflügeln und der knackigen Kehrseite waren so überwältigend, dass 1000 Exemplare bei Weitem nicht reichten. Selbst Konkurrenten wie Enzo Ferrari lobten die Ikone von der Insel öffentlich als „schönstes Auto der Welt“.

Bis der E-Type 14 Jahre nach seinem Einstand der Ölkrise zum Opfer fiel, liefen insgesamt 72 529 Fahrzeuge vom Band. Seitdem steht der Klassiker nicht nur in vielen privaten Sammlungen, ist Stammgast bei Klassik-Rennen und Traum vieler Sonntagsfahrer. Als eines von ganz wenigen Fahrzeugen hat er sogar einen Platz im Museum of Modern Art in New York.

Der Erfolg des E-Type fußt nicht allein auf dem verführerischen Design, sondern auch auf seinem Preis. Das Coupé kostete in Deutschland anfangs 26 000 Mark, der Roadster war 1000 Mark günstiger. Damals viel Geld für einen knappen Zweisitzer, aber gemessen an Konkurrenten wie dem Ferrari 250 GT oder dem Aston Martin DB4, ein Schnäppchen. Da nahmen die Kunden gerne auch ein paar Mängel bei Verarbeitung und Zuverlässigkeit in Kauf. Zumal ein Lamborghini oder ein De Tomaso zu dieser Zeit kaum besser waren und der Porsche 911 oder Mercedes SL noch nicht so recht zu den Supersportwagen gezählt wurden.

Der E-Type startete laut Jaguar in England mit einem 3,8 Liter großen Sechszylinder, der 198 kW/269 PS leistete und den Wagen auf bis zu 240 km/h beschleunigte. Der Motor, mit dem Jaguar fünf Siege in Le Mans errang, machte das Coupé damit zum schnellsten Serienauto der Welt. Bei dem über die Jahre ständig größer und stärker gewordenen Sechszylinder ist es nicht geblieben: Seit 1971 gab es den E-Type sogar als V12-Modell mit 5,3 Litern Hubraum und bis zu 232 kW/315 PS. In den Augen vieler Fans hat ihm dieser Wandel vom scharfen Sportwagen zum potenten Cruiser für den Boulevard allerdings nicht gutgetan. Trotzdem steht der E-Type, der vor allem mit Blick auf die US-Kundschaft sogar als 23 Zentimeter längeres Familien-Coupé mit zweiter Sitzbank aufgelegt wurde, bei Liebhabern der Marke hoch im Kurs. „Er ist eine Ikone und vielleicht der berühmteste Jaguar aller Zeiten“, sagt Helga Neuhäuser aus Reichersbeuern. Sie pflegt das E-Type-Register der deutschen Jaguar Association und führt allein in ihrer Kartei rund 400 Fahrzeuge heimischer Sammler. Und ständig werden es mehr.

Denn für seinen guten Ruf ist der eilige Engländer ein vergleichsweise günstiger Klassiker, sagt die Expertin: „Wer auch mit weniger beliebten Jahrgängen vorliebnimmt und ein paar Schönheitsmakel akzeptiert, findet schon für 20 000 bis 30 000 Euro ein passendes Auto.“ Sehr gut erhaltene Exemplare aus der ersten Serie werden für rund 50 000 Euro gehandelt. Selbst die bei Sammlern begehrten ersten und letzten produzierten E-Types wechseln nur selten für deutlich mehr als 60 000 Euro den Besitzer, sagt Neuhäuser. Gemessen an einem alten Flügeltürer von Mercedes oder den Ferraris jener Zeit, ist das ein echtes Schnäppchen. tmn

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben