Auto : Das Gute als des Besseren Feind

Warum GM zwei baugleiche Modelle bringt

Mit einem Luxusproblem sieht sich Opel-Mutter GM kurz vor der Auslieferung ihrer beiden Elektroautos mit Range Extender in Deutschland konfrontiert. Technisch gesehen gleichen sich die Konzernzwillinge Opel Ampera und Chevrolet Volt wie ein Ei dem anderen. Der Rüsselsheimer Stromer soll Ende des Jahres das Licht der deutschen Autowelt erblicken. Zeitgleich folgt Geschwistermodell Chevrolet Volt.

Abgesehen von der äußeren Hülle, die das jeweilige Markengesicht widerspiegelt, gleichen sich die zwei Autos aufs Haar. Als Antrieb werfen die Markengeschwister elektrisch erzeugte 111 kW/150 PS Leistung in die Waagschale. Bei Bedarf greift ihnen ein 1,4-Liter-Benzinmotor bei der Stromerzeugung unter die Arme. Preislich dagegen liegen beide Autos zwar dicht beieinander, aber nicht auf einer Linie: 42 900 Euro kostet der Opel Ampera. Sein Chevrolet-Pendant, dessen Preis eben erst auf dem Genfer Salon „enthüllt“ worden ist, wird hierzulande für 41 950 Euro zu haben sein.

Somit haben deutsche Käufer künftig die Qual der Wahl: Ihr Geld eher für ein in den USA bereits mehrfach preisgekröntes Fahrzeug ausgeben? Oder doch lieber in ein Fahrzeug investieren, dem zumindest beim flüchtigen Hinsehen das Etikett „Made in Germany“ anhaftet und das damit auch einen besseren Wiederverkaufswert haben dürfte. Letztlich wird die Entscheidung vor allem eine Frage der persönlichen Präferenzen sein.

Rein betriebswirtschaftlich betrachtet erscheint der GM-Plan mutig, um nicht zu sagen: verwegen. Wie um alles in der Autowelt, fragen sich nicht nur Marketing-Fachleute, will der Mutterkonzern den Doppelmarktstart hinkriegen, ohne sich selbst Konkurrenz zu machen? Zumal die Basisausstattung des nominell knapp 1 000 Euro billigeren Chevy angeblich sogar einen Tick hochwertiger ausfallen soll als die des Rüsselsheimer Modells.

Der Volt soll auch in Deutschland neue Käuferschichten außerhalb der klassischen Opel-Klientel erschließen. Gerechtfertigt werden soll Opels höherer Verkaufspreis über zusätzlich im Kaufbetrag inbegriffene Serviceleistungen wie einen noch zu definierenden „Concierge“-Service, der dem Kunden beim Werkstattaufenthalt Wege und Wartezeiten abnimmt. Leistungen, die ausschließlich Opel-Käufern vorbehalten sein werden. Zudem soll ausgeschlossen sein, dass beide Autos Seite an Seite bei den Händlern stehen.

In Amerika läuft der seit 2010 lieferbare Volt, der zwischenzeitlich von einem Verbrennungsmotor zur Stromerzeugung befeuert wird, offenbar recht gut: GM rechnet inzwischen mit 60 000 produzierten Einheiten für das Jahr 2012. mi

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