Das neue Cadillac ATS Coupé : Operation klare Kante

Geradlinig, kantig und herrlich exotisch präsentiert sich das ATS Coupé. Vor allem aber: Mit diesem Cadillac kommt man ausgesprochen zügig um die Ecken.

Kai Kolwitz
Zeigt klare Kante. Der Cadillac ATS hebt sich als Coupé noch mehr aus der grauen Massen hervor als die Limousine. Und das Auto ist relativ günstig in der Anschaffung. Nur beim Sprit ist er ganz Cowboy und trinkt gerne den ein oder anderen Liter mehr.
Zeigt klare Kante. Der Cadillac ATS hebt sich als Coupé noch mehr aus der grauen Massen hervor als die Limousine. Und das Auto ist...Foto: Hersteller

Es ist schon eine Sisyphosarbeit, die sich Cadillac antut, zumindest hier in Deutschland: Da bringt man Modell um Modell, präsentiert sie, müht sich, es den Leuten schmackhaft zu machen - doch die Verkaufszahlen stagnieren auf Exotenniveau. Die Konkurrenz heißt BMW, Mercedes oder Audi, in diesem Segment sind Käufer konservativ, sie schauen auf Status und auf Wiederverkaufswert. Wer wenig verkauft, der bleibt in der Nische. Vor allem besagter Wiederverkaufswert bleibt erst mal ungewiss. Das schreckt viele Kunden ab. Ein ziemlich gemeiner Mechanismus des Marktes.

Die Zeiten, in den US-Cars schaukelten wie Ozeandampfer, sind vorbei

Aber wäre denn ein Amerikaner eine Alternative zu Premium à la BMW 4er Coupé oder Audi A5? Die Antwort sollten ein paar Tage Alltagsverkehr in einem Cadillac ATS Coupé klären. Das Modell ist zu Preisen ab knapp 40.000 Euro zu haben, dafür gibt es den ATS mit Heckantrieb (gegen Aufpreis wäre Allrad möglich) und mit einem Zwei-Liter-Vierzylinder-Triebwerk, dem Turboaufladung zu 276 PS verhilft. Das ist einiges an Holz. Und zwar von der Sorte, die eine Menge Spaß machen kann. Denn der Turbo kommt ohne Loch, dafür mit einer Menge Drehmoment von unten heraus, in Verbindung mit dem automatischen Getriebe macht der Bumms jedes Losfahren an der Ampel zu einer spaßigen Sache: Man muss gar nicht rasen, aber man spürt die Kraft.

Allerdings gilt das nur dann, wenn man die Automatik im richtigen Modus betreibt. In Stellung „Tour“ gönnt sie sich nämlich ziemlich lange Denkpausen, der Wagen wirkt träge. Auf „Sport“ schaltet die Technik deutlich spontaner, dreht die Gänge höher aus, ist schneller mit dem Wechsel in den kleineren Gang – auf einer Runde über die kleinen Straßen im Spreewald kann einem das ziemlich gut gefallen. Zumal auch das Fahrwerk dem Spaß keine Grenzen setzt: Die Zeiten, in den US-Cars schaukelten wie Ozeandampfer, sind zum Glück schon eine ganze Weile vorbei. Der ATS geht ausgesprochen dynamisch und knackig stramm um die Ecken, er lenkt präzise und in Verbindung mit dem schon erwähnten Drehmoment, siehe oben…

Was bekommt man, wenn man einem Cadillac den Vorzug vor BMW oder Audi gibt?

Allerdings ist der Cadillac, wenn man ihn so bewegt, nicht direkt ein Sparwunder. 8,8 Liter beträgt der Normverbrauch des ATS, auf den – zugegebenermaßen doch ziemlich dynamischen - Testrunden durch das Berliner Umland waren es eher zwölf. Allerdings ist man dann auf der Autobahn auch manchmal jenseits der 200 unterwegs, rein zu Recherchezwecken natürlich. Mit 240 km/h Spitze ist der ATS übrigens angegeben. Das haben wir dann doch nicht ausprobiert.

Und sonst so? Was bekommt man, wenn man einem Cadillac den Vorzug vor BMW oder Audi gibt? Auf jeden Fall einen eigenständigen Look: Die Designer haben bei dem Coupé auf Kante gearbeitet, ob Kotflügel, Heckabschluss oder Scheinwerfer, die Bügelfalten sind so scharf, dass man fast Angst hat, sich daran zu schneiden. In Zeiten der allseitigen Blechsickomanie - die meisten Autos bekommen ja einfache irgendwelche Kanten ins Rund gebügelt - war das dem Schreiber dieser Zeilen sehr sympathisch, ist aber letztendlich natürlich Geschmackssache.

Der Cadillac ist ein Wagen, den man ungern wieder hergibt.

Der Innenraum ist eine tiefe dunkle Höhle, mit sehr gut konturierten Sportsitzen und einer Rückbank, die man bitte nur im Notfall nutzt, weil sie dank Vordersitzstellung und Gurten ausgesprochen mühsam erreichbar ist. An Assistenten ist alles erhältlich, was man bei einem Wagen dieser Klasse so erwartet, der Parkassistent kommuniziert durch Vibrationen in der Sitzlehne – im ersten Moment erschrickt man, dann findet man die Idee ziemlich originell. Außerdem gibt es ein extrem angenehmes Head-Up-Display und einen Kofferraum, der mit knapp 300 Litern zwar nicht besonders groß ist, sich aber immerhin per Rückbank-Klapp erweitern lässt.

Auch die Verarbeitung ist aller Ehren wert: Zwar ist die Kofferraumverkleidung ein bisschen labberig und wer wirklich mit der Lupe sucht, wird ein zwei Stiche in den Ledernähten finden, die ein bisschen aus der Reihe tanzen. Aber das ist Mäkeln auf sehr hohem Niveau, der Cadillac ist ein Wagen, den man nach dem Test nur ungern wieder hergibt.

Bleibt die Frage, wie das mit Finanzen und Wertverlust so ist – wer den minimieren will, versucht günstige Leasingkonditionen herauszuschlagen oder lauert auf Vorführwagen oder junge Gebrauchte. Das macht den Hersteller zwar nicht glücklich. Aber so wäre man jenseits der Massenware unterwegs – und das ausgesprochen zügig, wenn man will.

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