Das neue Mini Cabrio : Sonne auf Knopfdruck

Den Mini der dritten Generation unter der BMW-Ägide gibt es nun auch als Cabrio. An der Ur-Version fand schon der alte Hippie Neil Young Gefallen.

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Dem neuen Mini Cabrio wurde sogar eine weitere Farbe spendiert: "Caribbean Aqua Metallic".
Dem neuen Mini Cabrio wurde sogar eine weitere Farbe spendiert: "Caribbean Aqua Metallic".Foto: Promo

Was würde wohl Neil Young, der alte Hippie, zu unserem Wagen sagen? Fuhr doch selber mal einen Mini Cooper S, in den späten Sechzigern, als er noch bei Buffalo Springfield war. Na gut, als Cabrio gab’s den damals noch nicht, aber egal, Mini ist Mini. Und genau hier muss er damit rumgekurvt sein: Laurel Canyon, im Nordwesten von Los Angeles, früher eine bei Rockstars beliebte Ecke. Schlängelten sich in ihren Autos den Laurel Canyon Boulevard hoch wie Young in seinem Cooper S, der dann wie wir jetzt links in den steilen, engen und kurvigen Kirkwood Drive abgebogen sein muss und rein in den Ridpath Drive, da stand sein Haus. Vielleicht ist es sogar genau das, vor dem jetzt ein uralter Jeepster parkt. So einen fuhr Young auch.

Der Mini, schreibt er in seiner „Auto-Biographie“, war „schnell, beliebt und schick“, hatte „keine Probleme mit dem Anstieg“ – und dabei verfügte er nur über 70 PS. Uns dagegen schieben in dem nagelneuen Cooper S Cabrio, Mitglied der dritten Mini-Generation unter der BMW-Ägide, 192 PS nach oben. Das Gaspedal voll durchgetreten, würde der Wagen einen ziemlichen Satz nach vorne machen, von null auf 100 km/h in etwas über sieben Sekunden, bis auf 230 km/h Spitze – nicht ratsam in dieser hohlen Gasse, und wir wollen ja auch in Ruhe was sehen.

Das Verdeck jetzt auch mit Union Jack

Das geht jetzt viel besser als damals bei Neil: 18 Sekunden, möglich noch bei 30 km/h, dann ist das Verdeck unten, komplett elektrisch betrieben, ohne das geräuschvoll-hydraulische Gepumpe des Vorgängermodells. Im Rückspiegel ist es freilich weiterhin gut zu sehen, stört den Blick zurück, da ist man für die zwei voluminösen Außenspiegel schon dankbar. Und nicht jeder Käufer dürfte sich für die Ausstattungsvariante „Mini Yours“ mit eingewebtem Union Jack entscheiden, dessen Streifen anglophile Besitzer selbst noch zusammengefaltet erfreuen. Für die es neben einem guten Dutzend weiterer Farben immer noch auch „British Racing Green“ gibt, zusätzlicher Verweis auf die alten Inselgene, obwohl das Cabrio in den Niederlanden zusammengeschraubt wird.

Im Ridpath Drive, Los Angeles, wo Mini-Fahrer Neil Young einst wohnte, macht sich ein neuer Mini gerade auch in Gesellschaft eines uralten Jeepster gut. So einen besaß der Rocksänger ebenfalls mal.
Im Ridpath Drive, Los Angeles, wo Mini-Fahrer Neil Young einst wohnte, macht sich ein neuer Mini gerade auch in Gesellschaft eines...Foto: Andreas Conrad

Den klassischen Käufer stellen sich die Mini-Macher wohl als mitunter recht vorsichtigen, nicht unbedingt wetterfesten Menschen vor. Selbst einen übers Internet gefütterten „Regenwarner“ haben sie ihm als Option entwickelt, der 20 Minuten vor den ersten Tropfen rät, jetzt das Verdeck zu schließen. Dabei dauert das doch nicht mal eine Drittelminute – aus der Position „Schiebedach“ noch weniger. Aber gehört nicht gerade der kleine Nervenkitzel dunkler Regenwolken zum Oben-ohne-Genuss? Und ein voreilig geschlossenes Verdeck läuft ohnehin dem „Always Open Timer“ zuwider, der die Stunden ohne Dach zählt.

Auch für die existentielleren Unwägbarkeiten des Cabrio-Fahrens wurden neue Lösungen gefunden, und zugleich hat man etwas für die Optik getan. Ein Unfall mit Salto-Einlage? Schafft man dank der vielen fahrtechnischen Helferlein, über die auch der neue Mini verfügt, nicht mehr so leicht wie zu Youngs Zeiten, aber ein Überrollschutz muss schon sein. Der war beim Mini bislang ein ästhetisches Problem. Das von 2004 bis 2009 gebaute Modell stellte noch protzig zwei feststehende Chrombügel zur Schau, in der zweiten Generation waren sie schon Teil eines halb versenkten, bei Bedarf aktivierten Überrollschutzes. Diesmal schnellen zwei Säulen hoch, seitlich hinter den Rücksitzen unter schwarzen Kappen verborgen, ein optisches Detail, das hinter den Türen durch die Abdeckung der Gurtführung wiederholt wird. Noch immer nicht die ansprechendste Lösung, aber schon raffinierter.

Neil Young fühlte sich im Mini cool

"Ziemlich cool“ hat Neil Young sich in seinem alten Mini gefühlt. Ob das neue, ab 5. März erhältliche Cabrio solche Gefühle erzeugt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Konstrukteure haben jedenfalls alles Mögliche getan, um das von den Mini-Werbern vielgepriesene „Gokart-Feeling“ zu optimieren. Bei unserem Cooper S beispielsweise durch optionales Sportfahrwerk samt Sechs-Gang-Steptronic-Sportgetriebe, wie ein traditionelles Automatikgetriebe mit bequemer D-Position, das sich aber mit dem Ganghebel auch manuell oder, als ginge es auf den Nürburgring, durch Wippen am Lenkrad schalten lässt. Der Knopf für die „Driving Modes“ wurde ebenfalls nicht vergessen, der neben zwei betulicheren und umweltfreundlicheren Fahrweisen den Modus „Sport“ bietet, woraufhin es am Display nicht grün oder gelb, sondern feuerrot aufleuchtet. Nun scheint selbst eine Fahrweise möglich, als hätte man wie die Mini-Fahrer Michael Caine und Mark Wahlberg einen „Italian Job“ zu erledigen oder werde von der Polizei durch Paris gehetzt wie Matt Damon als Jason Bourne.

Das muss nicht sein, aber man säße jedenfalls dabei viel komfortabler, in wohlgeformten Sitzen sowieso und dank leicht vergrößerter Wagenmaße sogar mit mehr Bewegungsfreiheit. Ein Maxi ist der Mini noch immer nicht, und sollen möglichen Passagieren im Fond nicht die Beine abgequetscht werden, müssen Fahrer und Beifahrer ihre Sitze schon recht weit vorschieben.

Der Sonne entgegen
Mit 192 PS in die Kurve. Das neue Mini Cooper S Cabrio in der Farbe "Melting Silver".Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Promo
20.02.2016 13:23Mit 192 PS in die Kurve. Das neue Mini Cooper S Cabrio in der Farbe "Melting Silver".

Dafür wird ihnen eine durchweg veredelte Optik geboten, Typ „sportlich-elegant“, etwa beim Armaturenbrett mit seinen kreisrunden Instrumenten und Bedienknöpfen. Der Tacho, zuvor mittig angeordnet und von etwas großspurigem Format, ist auf dezentere Größe geschrumpft und an die übliche Stelle hinters Lenkrad gerutscht, seinen Platz nimmt jetzt allerlei optional verfügbares Zubehör für Entertainment, Navigation etc. ein. Auch ist der schmückende Chromanteil gestiegen, an nicht immer zwingender Stelle. Extradicker silberner Tankdeckel? Zeugt nicht unbedingt von britischem Understatement.

Mehr Alltagstauglichkeit wurde auch im acht Zentimeter höher gelegten Kofferraum erreicht. Das Stauvolumen wurde mit 215 Litern bei geschlossenem und 160 Litern bei offenem Verdeck um 25 Prozent größer, und es gibt sogar die neue Easy-Load-Funktion: Zum Beladen wird das Verdeck hinten etwas angehoben und danach wieder arretiert.

Darüber hätte sich auch Susan Acevedo gefreut, die westlich von Los Angeles im Topanga Canyon ein Café betrieb. Young war dorthin umgezogen, wurde Stammgast, man kam sich näher, heiratete – Pech für den Mini. Susan nutzte den Wagen gern fürs Catering, hatte ihn eines Tages zum Beladen an der abschüssigen Straße vor dem Haus abgestellt. Der Gang sprang heraus, der Mini rollte talwärts: „Er krachte direkt auf einen der Stützpfosten des Hauses meines Nachbarn und brachte die Garage zum Einstürzen, die den Mini unter sich begrub.“ 

FÜNFMAL OBEN OHNE

Das neue Mini-Cabrio gibt es in fünf Motorvarianten, die Grundpreise reichen von 21 900 Euro für den Mini One bis zu 31 600 Euro für den Mini Cooper SD. Für besonders eilige Fahrer wurde zusätzlich die Neuauflage des Mini John Cooper Works entwickelt, dessen 231 PS für 33 500 Euro zu haben sind. Das beim Test gefahrene Mini Cooper S Cabrio mit seinen 192-PS-Motor (Drehmoment 280 Nm, mit Overboost 300) kostet im Grundpreis 27 950 Euro.

Neil Youngs Mini-Erfahrungen findet man in seinem Buch „Special Deluxe – Eine Auto-Biographie“ (Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, 416 Seiten, 26,99 Euro).

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