Auto : Das Rennen bleibt offen

Welche Antriebsart wird sich durchsetzen? Die Frage spielt auch beim nahenden Genfer Autosalon wieder eine Hauptrolle: Eine Vorschau

Flaggschiff mit Doppelherz: Porsche zeigt in Genf den Panamera S Hybrid – das zweite Auto aus Zuffenhausen mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor. Foto: dpa/tmn
Flaggschiff mit Doppelherz: Porsche zeigt in Genf den Panamera S Hybrid – das zweite Auto aus Zuffenhausen mit der Kombination aus...Foto: dpa-tmn

Grün bleibt auch in diesem Jahr die Trumpffarbe beim Genfer Automobilsalon. So lautet die einhellige Meinung vieler Analysten. Sie erwarten für den Branchengipfel in der Schweiz (3. bis 13. März) zahlreiche neue Fahrzeuge mit alternativen und umweltschonenden Antrieben. „Allerdings wird die überbordende Begeisterung vor allem für das Elektroauto ein wenig abkühlen und die Diskussion sachlicher und technischer werden“, schätzt August Joas, Autoexperte der Managementberatung Oliver Wyman.

Die Zeit der überzogenen Wünsche und Erwartungen sei vorbei, sagt auch Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg: „Es geht nicht mehr um aberwitzige Konzeptfahrzeuge mit faszinierenden, aber fiktiven Leistungswerten, sondern um Autos, die man heute oder spätestens morgen kaufen kann.“ Selbst das VW-Sparwunder XL1 mit einem Verbrauch von nur 0,9 Litern soll schließlich bis 2012 in eine Kleinserie gehen, hatte der Hersteller angekündigt.

Die Frage nach dem Königsweg in die grüne Zukunft des Autos wird aber auch in Genf nicht entschieden: „Das Rennen um den Antrieb von morgen bleibt offen“, glaubt Joas. „Die Hersteller werden deshalb auf dem Salon gleichermaßen Elektro-, Brennstoffzellen- und Hybridautos zeigen.“ Zumindest könnten sich die kommenden Kunden davon diesmal einen konkreten Eindruck machen: „Im ,Pavillon Vert’ dürfen sie die Zukunft schon einmal Probe fahren.“    

Joas geht davon aus, dass auf dem Autosalon neben technischen Fragen vor allem innovative Mobilitätslösungen eine wichtige Rolle spielen werden. Viele neue Konzepte im Stil des erweiterten Carsharing-Programms „Car2Go“ von Smart sind zu erwarten – etwa bei BMW: Der bayerische Hersteller plant im Zusammenhang mit dem elektrischen Kleinwagen „Projekt i“ eine neue Submarke, die in Genf erstmals öffentlich vorgestellt werden dürfte.

Nachdem die Grundstimmung auf dem Salon in den vergangenen beiden Jahren eher verhalten war, rechnet der Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen diesmal mit einer deutlich besser gelaunten Branche. Margetts schätzt die Lage im Vorfeld der Messe ähnlich ein: „Das Wirtschaftsunwetter ist über die meisten hinweggefegt, ohne die Autowelt als Scherbenhaufen zu hinterlassen.“    

Dennoch müssen sich die Messebesucher mit Nachwirkungen der Krise arrangieren: Mit rund 100 angekündigten Serienneuheiten und Designstudien, die die Hersteller angekündigt haben, falle das Premierenfeuerwerk lange nicht so bunt und schillernd aus wie in der Vergangenheit. „Daran sieht man, dass viele Hersteller ihre Investitionen in die Entwicklung neuer Modelle während der Flaute gekürzt haben“, erklärt der Experte.

Im Neuheiten-Reigen von Genf dürfte trotzdem für jeden Besucher etwas dabei sein: So feiert VW pünktlich zum Frühlingsanfang das Comeback des Golf Cabrios. Mercedes schickt die nächste Generation des Stahldach-Roadsters SLK der Sonne entgegen. Ford zeigt den neuen Hoffnungsträger Focus – auch als reines Elektrofahrzeug. Und Opel will Familienväter mit einem Ausblick auf die dritte Generation des Kompaktvans Zafira locken. Aus Asien kommen mit dem Hyundai i40 ein neuer Kombi für die Mittelklasse, mit dem Kia Rio ein Kleinwagen im Format des VW Polo und mit dem Mazda Minagi der Vorbote für einen kompakten Geländewagen. Außerdem sind zwei weitere Familienkutschen und Vertreterautos angekündigt: Den Saab 9-5 gibt es bald auch als Kombi, und der Dodge Journey feiert sein Comeback als Fiat Freemont.

„Aber Genf steht nicht nur für grüne Technik oder Brot- und Butter-Autos, sondern bietet auch Raum für protzige PS-Fantasien“, sagt Jato-Manager Margetts. Ohne den Druck eines heimischen Volumenherstellers und gerne besucht vom internationalen Jetset mit Koffern voller Bargeld, setze der Automobilsalon immer auch einen Schwerpunkt mit Luxusmodellen, Kleinserien und Supersportwagen, erklärt er.

In dieser Tradition stehen zum Beispiel die Premieren für das neue Ferrari-Flaggschiff FF mit Platz für vier Passagiere und für den Nachfolger des Lamborghini Murcielago. Das italienische Unternehmen Pagani hat nach zehn Jahren erstmals wieder einen neuen Supersportwagen angekündigt. Und sein zweites Modell überhaupt will die deutsche Supersportwagen-Manufaktur Gumpert vorstellen. tg

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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