Auto : Das sieht ihm ähnlich

Opels Agila ist ein Zwilling des Suzuki Splash – aber wer genau hinschaut, findet Unterschiede

Wolfgang Gomoll

Berühmte Zwillingspaare gibt es in vielen Kulturen. Nicht immer sind sie derart herzlich zueinander wie Enid Blytons Kinderbuchfiguren Hanni und Nanni. Oft stehen sie in Mythen stellvertretend für Gut und Böse. Dann geht es bisweilen richtig zur Sache. Wie die Geschichte zwischen Romulus und Remus ausging, ist hinreichend bekannt. Dass der Wettstreit um die Käufergunst zwischen dem Suzuki Splash und dem Opel Agila ähnlich erbittert geführt wird, ist nicht anzunehmen. Allerdings verweisen die Deutschen mit fast schon biblischem Eifer auf die Unterschiede zum japanischen Zwilling.

Technisch ist das nur im sehr eingeschränkten Maße möglich, da sind beide identisch. Also hat auch der Agila ein ausgewogenes Fahrwerk, drehzahlhungrige Benzinmotoren, einen kräftig zupackenden Diesel und eine etwas teigige Lenkung. Im Cockpit empfängt den Fahrer ebenso wie im Splash eine Hartplastik-Orgie. Allerdings wirkt die Farbzusammenstellung der Polster und der Armaturen im Agila etwas harmonischer als im Suzuki, dessen Colour-and-Trim-Designer offensichtlich oft im nächtlichen Tokyo mit seinem reizüberflutenden Neon-Lichtermeer unterwegs waren. Auch die Platzverhältnisse mit der angenehm hohen Sitzposition vorne, den beengteren Plätzen im Fond und das praktische Klappsystem der Rückbank, das den Minimalisten-Kofferraum auf maximal 1050 Liter erweitert, sind gleich.

Es gibt aber durchaus Unterschiede zwischen den beiden Protagonisten. Das geht schon beim Auftritt los. Blech lässt sich eben leichter in eine andere Form pressen als die grundlegende Technik. „Der gesamte Vorderwagen von der A-Säule an ist bei uns anders“, erklärt Agila-Chef-Designer Holger Weyer. Das Opel-Gesicht hilft tatsächlich, die eineiigen Zwillinge zu unterscheiden. Die Scheinwerfer sind nicht so groß wie beim Splash und die Form der Augenbrauen ähnelt dem Corsa. Die Motorhaube ziert eine mittige Bügelfalte, die in eine Chromleiste mit dem charakteristischen Blitz übergeht. Auch beim Heck wirkt der Deutsche einen Schuss frischer als der Japaner. Der untere Teil des Heckfensters verläuft V-förmig und nicht gerade wie beim Suzuki. „Die Opel-Formensprache geht weg vom technischen hin zum emotionalen Design. Das wollen die Leute haben“, sagt Weyer. Im Vergleich zum Vorgängermodell, der mit seiner Schuhschachtel-Optik den Charme eines osteuropäischen Vor-Wende-Kleinlasters verströmte, kommt der neue Agila um einiges jugendlicher und frischer daher.

Bei der Technik sehen sich die Rüsselsheimer gerne als Spiritus Rector hinter der teutonisch-japanischen Gemeinschaftsproduktion. „Wir hatten 316 Zielsetzungen. Davon hat Suzuki 309 angenommen“, erzählt Baureihenchef Horst Bach. Die Kompromissfindung war offensichtlich nicht immer ganz einfach: Längere Oberschenkelauflagen der Sitze und einen abschaltbaren Beifahrer-Airbag gibt es angeblich erst auf Betreiben Opels hin. Im Detail existieren noch andere Unterschiede. Dass bei Opel optional Verzurr-Ösen im Kofferraum erhältlich sind, ist für viele Käufer vermutlich marginal. Aber dass ESP (360 Euro) und Kopf-Airbags vorne und hinten (390 Euro) bei den Rüsselsheimern bei allen Ausstattungslinien nur gegen Aufpreis zu haben sind, lässt die Suzuki-ähnlichen Opel-Preise in einem anderen Licht erscheinen. Fazit: Wer bereit ist, für ein dichteres Händlernetz und eine emotionalere Optik mehr zu zahlen, kann beim Opel bedenkenlos zugreifen. Wolfgang Gomoll

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