Auto : Das Sparzeug

Nur gut fünf Liter Diesel verbraucht der Passat Blue Motion auf 100 Kilometer. Trotzdem ist er alles andere als lahm

Ingo von Dahlern
VW Passat Blue Motion Foto: Volkswagen
Foto: Volkswagen

„Blue Motion“? Also „Blaue Bewegung“? Klingt schön. Aber was ist das? Eine Künstlergruppe aus den Zwanzigern? „Die Bezeichnung Blue Motion bezieht sich nicht allein auf Automobile“, erklären die freundlichen Marketingmenschen bei VW, wo man sich den Begriff ausgedacht hat, „sondern ganzheitlich auf die Marke. ,Blue’, die Volkswagen-Farbe, steht für die zu schützenden Elemente Wasser und Luft. ,Motion’ verkörpert den Aspekt einer nach vorn, in die Zukunft gerichteten Mobilität.“ Demnach würde der neue Passat Blue Motion also noch ganz woanders hinfahren als nur zur Arbeit und nach Hause.

Aber vor allem bedeutet „Blue Motion“: „Autos, die mit ganz wenig Diesel ganz weit fahren können.“ Denn die Worthülse ist das, was VW dem Hybrid-Hype entgegensetzt. Schließlich ist die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor nicht die einzige Möglichkeit, sparsam und klimaschonend unterwegs zu sein, auch wenn Toyota und Honda das Konzept mit geschicktem Marketing nach vorn gebracht haben. Das Beispiel dafür hat Volkswagen seit 2006 auf dem Markt: Gegen Honda Civic Hybrid mit 4,6 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer und 109 Gramm CO2 pro Kilometer sowie Toyota Prius mit 4,3 Litern und 104 Gramm steht der VW Polo Blue Motion mit 3,9 Liter Diesel und 102 Gramm – und das ohne aufwendigen Hybrid.

Der Passat Blue Motion, der im kommenden Monat zu den Händlern rollt, steht zwei Klassen über dem Polo. Trotzdem reichen dem Familienauto mit seinem 105 PS leistenden Turbodiesel als Limousine nach Werksangaben gerade einmal 5,1 und als Variant 5,2 Liter Diesel, um 100 Kilometer Strecke zu bewältigen. Verbräuche, die CO2-Emissionen von 136 und 137 Gramm pro Kilometer entsprechen. Die Werte des ebenfalls mit dem 1,9-Liter-Diesel motorisierten „normalen“ Passat unterbietet der Blue Motion damit um einen guten halben Liter Verbrauch sowie um 15 bis 20 Gramm CO2 je Kilometer. Dem Blue Motion reicht damit eine Füllung des 70-Liter-Tanks für gut 1350 Kilometer.

Umso schöner ist das, weil VW den Passat zwar sparsamer, aber trotzdem nicht lahm gemacht hat. Auf den Probefahrten in und um Berlin erwies sich der Blue Motion mit 12,1 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 zwar nicht gerade als Rennwagen, aber doch als überraschend anzugsstark und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 193 Stundenkilometern als Limousine und immer noch 190 als Variant sogar noch als rund fünf Kilometer flotter als die nicht so konsequent auf niedrigen Verbrauch getrimmten Varianten mit gleichem Grundmotor.

Übrigens könnte die leicht ätherische „Blue Motion“-Begriffsschöpfung auch damit zusammenhängen, dass VW schon einmal ein sehr umweltfreundliches Auto auf dem Markt hatte und damit grandios scheiterte. Ende der Neunziger hatte man in Wolfsburg den Drei-Liter-Lupo erdacht. Der setzte mit namensgebenden drei Litern Verbrauch je hundert Kilometer und CO2-Emissionen von 81 Gramm pro Kilometer zwar Maßstäbe bis in die Gegenwart, konnte sich aber am Markt nicht durchsetzen – vor allem wegen des deftigen Preises von 26 900 Mark (13 754 Euro), ein bisschen aber auch wegen der fehlenden emotionalen Aufladung bei all der Umweltvernunft. Beim Blue-Motion-Konzept scheint der Erfolg größer zu werden: So musste die Produktionskapazität für den Polo Blue Motion bereits verdreifacht werden: Rund acht Prozent aller Polo-Käufer entscheiden sich für das Modell. Und auch der neue Passat Blue Motion hat das Potenzial, ein Erfolgsmodell zu werden.

Denn die zusätzliche Technik im ab 26 300 Euro angebotenen Dieselsparer kostet den Kunden nur rund 500 Euro mehr als die Trendline-Version, auf der der Passat Blue Motion basiert. Berücksichtigt man, dass der Sauber-Diesel zusätzlich serienmäßig über eine Multifunktionsanzeige und einen Geschwindigkeitsregler verfügt, so relativiert sich der Mehrpreis weiter – zumal er sich ja an der Tankstelle wieder hereinholen lässt. Und: Ja, trotz all der nach vorne gerichteten Mobilität hat der Passat Blue Motion auch einen Rückwärtsgang.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben