Auto : Das zweite Gesicht

Bei aller Globalisierung – auch deutsche Hersteller bauen für den Export Spezialausgaben ihrer Modelle

Thomas Geiger
Ami aus Rüsselsheim. Dieser „Buick Regal“ ist ein optisch stark modifizierter Opel Insignia – für den chinesischen Markt. Foto: dpa
Ami aus Rüsselsheim. Dieser „Buick Regal“ ist ein optisch stark modifizierter Opel Insignia – für den chinesischen Markt. Foto:...Foto: dpa-tmn

Andere Länder, andere Autos: Diese Devise kennt man vor allem von den japanischen und amerikanischen Fahrzeugherstellern. Denn sie haben mit großen Geländewagen, Pick-ups und Limousinen in den USA sowie Micro-Vans oder Kleinstwagen in Asien oft ein ganz anderes Modellprogramm als bei uns. Doch auch die deutschen Hersteller haben ihre Export-Exoten und kommen dem Geschmack der Kunden auf anderen Kontinenten mit speziellen Modellen entgegen.

Nirgendwo wird das so deutlich wie in China. Das Reich der Mitte gilt Branchenexperten wie Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen als größter Wachstumsmarkt. Die gehobene Mittelklasse ist dort besonders gefragt. „Allerdings ist es in China schick, gefahren zu werden. Nur der einfache Chinese greift selbst ins Steuer“, sagt Dudenhöffer. Weil die Besitzer deshalb lieber hinten sitzen, legen sie Wert auf mehr Beinfreiheit und kaufen ihre Limousinen zu 90 Prozent in der Langversion.

Darum bietet Audi exklusiv für den chinesischen Markt den A4 und den A6 mit mehr Radstand an. Auf der Messe Auto China in Peking feierten Ende April noch zwei weitere Langversionen ihre Premiere: Nur wenige Wochen nach dem Debüt der neuen Limousine gibt es in China nun auch einen verlängerten 5er BMW – und Mercedes spendiert der E-Klasse nun 14 Zentimeter mehr Abstand zwischen den Achsen.  

„Für die deutschen Autobauer ist es wichtig, solche ungewöhnlichen Kundenwünsche zu erfüllen“, sagt Dudenhöffer. „Sonst liefert die Konkurrenz.“ Mit moderner Fertigungstechnik sei es kein Problem, am normalen Produktions-Band immer mal wieder eine Langversion dazwischenzuschieben.

Zwar sind all diese Stretchlimousinen dem chinesischen Markt vorbehalten, doch haben sie noch immer sehr große Ähnlichkeit mit den bei uns bekannten Modellen. Dass das nicht immer so sein muss, zeigen andere VW-Modelle in China wie der Magotan im Format des Passat oder der Lavida, der sich am ehesten mit dem Jetta vergleichen lässt. Aber VW ist mit dieser Praxis nicht allein: Aus Opel Insignia und Astra werden in China die optisch stark modifizierten Export-Modelle Buick Regal und Excelle. Und der Ford Fiesta bekommt für das Gepäck der chinesischen Kleinfamilie eigens ein Stufenheck.

Nicht nur für China haben die Hersteller eine teilweise eigenständige Modellpalette entwickelt. Auch in den USA gehen sie mit speziellen Modellen an den Start. Während das bei BMW, Mercedes und Audi zumeist nur für Motor- und Ausstattungsvarianten gilt, plant VW sogar gerade zwei eigene Baureihen: Ein New Compact Sedan im Format des Jetta soll Anfang 2011 und ein New Midsize Sedan als preiswerter Passat Ende des kommenden Jahres den Absatz in Amerika ankurbeln, sagt US-Chef Stefan Jacoby. Dafür wird sogar eigens ein neues Werk in Chattanooga gebaut. Außerdem bietet Volkswagen in Amerika als ebenso großen wie günstigen Van den Routan an, den man bei uns nur als Chrysler Voyager kennt.

In anderen Teilen der Welt sind ebenfalls solche Export-Exoten zu finden. Wieder ist VW die Marke, die unter den deutschen Herstellern das bunteste Programm zu bieten hat. Während Mercedes, BMW und Audi selbst in Argentinien oder Angola ihre nur leicht modifizierten Standardmodelle verkaufen, hat Volkswagen etwa in Südamerika eine ganze Handvoll eigener Fahrzeuge am Start: Vom kleinen Pick-up Saveiro über den Minivan Suran im Format des Opel Meriva bis zum Gol, dem zu unserem Golf ein „f“ und etwa 30 Zentimeter fehlen. „Dafür ist das Auto aus lokaler Produktion unschlagbar billig“, sagt der VW-Händler Ernesto Baldassare in Buenos Aires und erklärt damit, weshalb im Straßenbild auf einen echten mindestens 20 „falsche“ Golfs kommen.

Andere europäische Hersteller haben ebenfalls ein spezielles Programm für Südamerika: Fiat zum Beispiel setzt vor allem auf den kostengünstigen Kleinwagen Palio. Den Renault Clio sieht man in Rio und Buenos Aires ebenso mit Stufenheck wie den Peugeot 207. Und während man dieses Modell bei uns gerne als Cabrio-Coupé kauft, gibt es ihn dort sogar als Pick-up.

   In der Regel bleiben diese Export-Exoten am anderen Ende der Welt.

Denn weder das chinesische oder amerikanische Stufenheck des Ford Fiesta noch die Langversion der Mercedes E-Klasse oder der VW Suran sind für den Re-Import nach Europa vorgesehen. Dass es auch anders kommen kann, zeigt der VW Fox: Der wurde in Südamerika schon lange verkauft, bevor VW ihn als billiges Einstiegsmodell nach Deutschland geholt hat. Allerdings sind seine Tage mittlerweile gezählt – spätestens wenn 2011 der Up! in Serie geht, ist für den Brasilianer in Europa Schluss. dpa

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