Delta, der Lancia mit dem großen Namen : Einerseits andererseits

Mit dem Lancia Delta ist das so eine Sache: Er verströmt italienisches Flair – und er leistet sich auffällige Schwächen. Dabei tritt er in der heiß umkämpften Kompaktklasse an, wo jeder Fehler bestraft wird.

Schon ddas Design des Delta ist außergewöhnlich. Er siedelt sich irgendwo zwischen Coupé und Van an.
Schon ddas Design des Delta ist außergewöhnlich. Er siedelt sich irgendwo zwischen Coupé und Van an.Foto: Hersteller

Großer Name, italienischer Designschick und ordentlich Platz: Auf den ersten Blick bringt der Lancia Delta alles mit, um in der gehobenen Kompaktwagenliga Konkurrenten wie dem Audi A3 oder BMWs 1er den ein oder anderen individualistisch veranlagten Kunden abzujagen. Zum Test tritt die 32 640 Euro teure Topversion 1.9 T Platinum mit dem 140 kW/190 PS starken 1,9-Liter-Diesel an.

Der erste Lancia Delta fuhr in den 80er-Jahren im Rallyesport die Konkurrenz in Grund und Boden. Selbst nach der Neupositionierung durch den Mutterkonzern Fiat strahlte der legendäre Name noch auf die mittlerweile deutlich luxuriöser positionierte Modellpalette ab. Käufer der 2008 vorgestellten – dritten Generation – sollten sich davon aber nicht blenden lassen: Der Delta des neuen Jahrtausends ist alles andere als ein Sportler. Vielmehr präsentiert er sich als elegante Reiselimousine, angesiedelt am oberen Ende der Kompaktklasse und stilistisch irgendwo zwischen Van und Kombi platziert. Die extravagante Karosserie in Zweifarb-Lackierung ist es dann auch, die zuerst auffällt am Delta. Vor allem die dreieckige D-Säule, die das Dach scheinbar frei auf ihrem obersten Punkt schweben lässt und die geschwungenen hinteren Kotflügel mit den senkrechten Leuchten setzen klare Akzente in der ansonsten auf optischen Mainstream gebürsteten Mittelklasse. Wie so oft führt aber auch bei dem Italiener die schöne Form zu funktionellen Nachteilen. So nimmt die geschwungene Schulterlinie die Sicht nach hinten, das abfallende Dach schränkt die Kopffreiheit ein, und der Kofferraum ist zwar groß, aufgrund einer überhohen Ladekante aber nur schlecht nutzbar.

Wenig Seitenhalt

Die Passagiere haben es da etwas besser. Der Einstieg durch die großen Türen ist bequem, vor allem vorne, wo die Sessel relativ hoch liegen. Die Rückenfreundlichkeit resultiert allerdings im Gegenzug in einer fast schon Van-artigen Sitzposition, die nicht jedermanns Sache sein dürfte. Gleichzeitig fehlt es auf den kaum ausgeformten Polstern an Seitenhalt. Das Platzangebot jedoch ist ordentlich, dank der längs verschiebbaren Rückbank genießen die Fondinsassen sogar Kniefreiheit auf Oberklasseniveau.

Ganz und gar nicht auf Oberklasseniveau hingegen befindet sich die Innenraumgestaltung. So hat Lancia zwar großflächig Leder der italienischen Edelmanufaktur Poltrona Frau verlegt. Aber wo die seidige Tierhaut nicht hingekommen ist, findet sich schnödes Hartplastik, wie man es eher in einem halb so teuren Kleinwagen vermuten würde. Hinzu kommen einige ergonomische Ärgernisse wie die nicht in einem sinnvollen Winkel arretierbare Sonnenblende oder die Becherhalter, in die maximal ein Tässchen Espresso passt. Navigationssystem und Audioanlage merkt man mittlerweile das fortgeschrittene Alter des Modells an.

Ein paar Schwächen zuviel

Passend zum eleganten Äußeren gibt sich der Delta auch auf der Straße eher gediegen. Ausreichend bequem gefedert und etwas behäbig in der Kurve, ist für ihn die komfortabel zurückgelegte Langdistanz die Paradedisziplin. Gehobener Fahrspaß oder gar die giftige Sportlichkeit des Vorgängers standen nicht auf dem Plan der Entwickler. Auch die knöchrige Schaltung mit ihren recht langen Wegen lässt in dieser Hinsicht wenig Freude aufkommen. Eine Automatik ist merkwürdigerweise für den Top-Diesel nicht zu haben – auch wenn sie gerade dort gut passen würde. Der also zwangsläufig mit der Hand auf Trab gebrachte 1,9-Liter-Diesel entwickelt 140 kW/190 PS Leistung und ein kräftiges Drehmoment von 320 Newtonmeter, das bei 2000 Touren anliegt. Durch die relativ lange Getriebeübersetzung muss er aber vom Fahrer durch häufige Gangwechsel bei Laune gehalten werden. Der Verbrauch von rund 6,5 Litern geht in Ordnung.

Anders halt: Der Lancia Delta.
Anders halt: Der Lancia Delta.Foto: Hersteller

Angesichts der starken Konkurrenz und des gehobenen Preisniveaus (die günstigste Version des Lancia kostet mit 21 350 Euro bei 120 Benziner-PS nicht viel weniger als der deutlich ausgereiftere Audi A3) leistet sich der Delta in der Summe ein paar Schwächen zu viel. Je nach Veranlagung kann man das nun als Kaufhindernis oder unter italienischem Charme verbuchen. In letzterem Fall kann der Lancia seine Fehler vielleicht durch das gute Platzangebot im Fond und das extrovertierte Design ausgleichen. (sppr)

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