Der kleine Cityflitzer Honda Jazz : Viel drin fürs Geld

Kleinwagen - in keinem anderen Segment ist es so wichtig, die richtige Mischung aus Ingenieurkunst und Kosteneffizienz zu finden. Dem Honda Jazz ist es gelungen.

Patrick Broich
Selbstbewusst. Der Honda Jazz bewegt sich am oberen Ende seiner Klasse. Foto: Hersteller
Selbstbewusst. Der Honda Jazz bewegt sich am oberen Ende seiner Klasse.Foto: Hersteller

Mit den Kleinwagen ist es wie so oft im Leben: Es kommt darauf an, verschiedene Fertigkeiten wie Ingenieurkunst, Kosteneffizienz und Packaging so geschickt als eben möglich zu bündeln. Dies gilt bei keiner anderen Fahrzeugkategorie so sehr wie bei den preissensiblen Cityflitzern.

Natürlich kann eine S-Klasse jedes erdenkliche Sicherheitsfeature an Bord führen, wenn der Kunde (fast) jeden erdenklichen Preis bezahlt. Wer bei Honda nach Einsteiger-Mobilität sucht, muss 15.900 Euro einplanen, so viel kostet der Jazz. Klingt nach einer hübschen Stange Geld - schließlich rangiert der Japaner noch unterhalb der Kompaktliga. Doch der Reihe nach. Für diesen Kurs leistet sich Hondas Einsteiger bereits eine üppige Ausstattung, zu der neben Klimaanlage und Radio sogar Dinge wie Sitzheizung und Tempomat gehören. Darüber hinaus punktet der Stadtflitzer mit autonomem Bremssystem und Regensensor - das ist mal ein Angebot.

Der Honda Jazz ist wie geschaffen für die Stadt

Doch es ist nicht alleine die Ansammlung von Ausstattung, die ein Auto attraktiv macht. Wohlfühlfaktor muss vorhanden sein, genügend Platz und überhaupt eine gewisse Ausstrahlung. Mit einem Radstand von 2,54 Metern bietet der Jazz einige Zentimeter mehr als so manche Wettbewerber, was vor allem den hinteren Passagieren entgegenkommen dürfte. Ein Platzcheck in der zweiten Reihe offenbart: Hier sitzt man tatsächlich nicht gerade eingezwängt - selbst wenn die Vordersitze weit zurückgeschoben werden, bleibt den Fondpassagieren eine Kontaktaufnahme mit den Lehnen in der Regel erspart. Eine ausgeklügelte Klappsystematik schafft im Bedarfsfalle einen komplett ebenen Laderaum und sorgt für ansehnliche 1314 Liter Stauvolumen.

Optisch erinnert die dritte Generation des Honda Jazz weniger stark an einen Van als der Vorgänger. Foto: dpa
Optisch erinnert die dritte Generation des Honda Jazz weniger stark an einen Van als der Vorgänger.Foto: dpa

Doch der Jazz wird immer ein Kleinwagen bleiben, auch wenn Hondas Marketing den Raum im Fond mit dem einer Mercedes S-Klasse vergleicht. Klar kann man mit und in ihm lange Strecken abspulen, doch man darf vom Antriebsstrang und dem Fahrwerk keine Wunder erwarten. Harte Bodenwellen bleiben natürlich präsent, und die elektrische Servolenkung werkelt ein wenig rückmeldungsarm, so dass es den Fahrer dieses Fronttrieblers nicht zwingend auf die kurvige Landstraße zieht. Dafür ist der Jazz auch nicht gemacht, er ist in erster Linie ein funktionales Auto und wie geschaffen für die Stadt.

Als Antrieb gibt es nur ein Aggregat - mit vier Zylindern, 1,3 Liter groß und 102 PS stark. Und da es sich bei dem Benziner noch um einen klassischen Sauger handelt, liegen die 123 Nm Drehmoment erst bei 5000 Umdrehungen an. Um die volle Leistung auszunutzen, muss man den Otto-Motor schön hochjubeln.

Nicht gerade futuristisch, aber solide verarbeitet

Gegen 1300 Euro Aufpreis gibt es ein automatisches Getriebe, das nach dem CVT-Prinzip arbeitet. Mit einem etwas geschickten Gasfuß kann man damit recht komfortabel unterwegs sein - die Schaltwippen wirken allerdings deplatziert. Erfreulich dagegen, dass Honda seinen Interessenten einiges an Infotainment bietet. Gegen vergleichsweise moderate 600 Euro gibt es ein integriertes Navigationssystem (Garmin), über dessen sauber eingepassten 7-Zoll-Monitor auch ein Internetradio und zahlreiche Apps laufen. Selbst das Surfen im Netz ist möglich. Der Elektroniklotse hat sich bei den ersten Testrunden als intuitiv bedienbar erweisen, bei den anderen Funktionen dauert das doch etwas länger.

Sehr schnell indes gewöhnt man sich an den solide verarbeiteten Jazz-Innenraum. Nur die von Honda selbst angepriesene futuristische Architektur lässt sich irgendwie nicht erkennen. Das Interieur ist vielmehr sachlich gehalten mit seinen Rundinstrumenten und vielleicht etwas überladen. Doch wo viele Features verbaut sind, muss eben auch viel gesteuert werden.

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