Auto : Der Luft eins auf die Mütze

Zugfreier, leiser, wärmer – das verspricht Mercedes allen, die das kommende E-Klasse-Cabrio offen und mit „Aircap“ fahren

Eric Metzler

Die müssen übergeschnappt sein. Ein neues Cabrio. Jetzt, eine Woche vor Weihnachten! Auf den ersten Blick stellt Mercedes die Dinge auf den Kopf. Auf den zweiten sieht man klarer: Die offene E-Klasse wird explizit als Ganzjahresauto positioniert. Deshalb sieht man auf den ersten Fotos des fahrenden Teils auch viel Schnee – und Passagiere, die lachend ihren Kopf in die frische Luft halten.

Das Bild soll vermitteln, was wir in der vergangenen Woche in Daimlers Windkanal am eigenen Leib erlebt haben: Gegen das neue E-Klasse-Cabrio hat der Wind schlechte Karten. Jedenfalls schlechtere als in allen anderen Viersitzern, die ohne Dach überm Kopf unterwegs sind. Dass es im Mercedes vor allem auf den hinteren Plätzen weniger zieht und dass es freiherzig auch winters geht, liegt an einer neuen Idee, Turbulenzen und Kälte auszusperren – dem System „Aircap“. Die Technologie setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: Einer dunkel eingefärbten Lamelle am oberen Ende der Winschutzscheibe und einem kurzen Windschott zwischen den hinteren Sitzen.

Beides sieht so unspektakulär aus, wie es klingt – und beides tritt erst dann in Erscheinung, wenn der Fahrer danach verlangt. Tut er das, weil ihm bei Tempo 80 bang um die Frisur ist oder weil er sich auch bei 120 noch zivilisiert unterhalten will, dann drückt er einen Knopf in der Mittelkonsole. Unter leisem Surren wird die Lamelle um sechs Zentimeter ausgefahren. Der Windabweiser stellt sich schräg; spannt zugleich einen handbreiten Netzstreifen aus Stoff. Der Effekt: Die Luft, die aufs Auto (und üblicherweise auf die Insassen) trifft, wird nach oben umgelenkt und entscheidend beruhigt. Der Strömungsbogen wird erweitert, das Druckniveau im Innenraum angehoben. Der Wind trifft Mitfahrende nicht ins Gesicht, sondern geht über die Köpfe hinweg. Anders als bei offenen Viersitzern herkömmlicher Bauart fällt die kalte Luft von außen hinter den Vordersitzen nicht nach unten. Im Inneren bleibt es deutlich wärmer – was die Cabrio-Fotos im Schnee erklärt.

Zeitgleich mit dem Windabweiser vorn fährt hinten ein kleines Schott zwischen den Sitzen aus. Wie hoch, entscheidet ein Sensor. Schnallt sich auf der Rückbank jemand an, fährt die Erfindung in Maximalposition aus. Das Schott dämpft den Zug von hinten, hat zudem praktische Vorteile: Die Rückbank bleibt frei, die Montage entfällt – und das Schott purzelt nicht rum, wenn es nicht mehr gebraucht wird.

Im Windkanal hat uns der neue Dreh im E überzeugt – der Vergleich mit und ohne Aircap bis zu einer simulierten Geschwindigkeit von 140 km/h war verblüffend. Wie sich das im wahren Leben anfühlt, können wir nach ersten Fahrten im Frühjahr sagen. Dass die Hardliner unter den Cabrioten schon jetzt ihrer Häme Lauf lassen, versteht sich: Das Leben wäre nur halb so sonnig, könnte man andere nicht als Warmduscher schmähen.

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