Der Mercedes CLA im Überblick : Ein kompaktes Coupé im großen Stil

Die Aufholjagd hat begonnen: Mit dem Mercedes CLA wollen die Schwaben wettmachen, was über Jahre versäumt wurde. Und zwar so schnell wie möglich, denn Vorstand Zetsches Vertrag geht erst mal nur über drei Jahre. Kann das gelingen? Ein Blick auf den Neuen, der so viel mehr als nur ein kleines Coupé ist.

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Kompakte Designexplosion: Der Mercedes CLA soll eine neue. jüngere Klientel für die Marke ansprechen.
Kompakte Designexplosion: Der Mercedes CLA soll eine neue. jüngere Klientel für die Marke ansprechen.Foto: Hersteller

Der CLA ist ein kleiner CLS – gleichsam mit vier Türen. Der CLS ist das Master-Coupé von Mercedes. Und wegen seiner besonderen Form hat es sowas wie Kultstatus. Jetzt versucht man den Karosserie-Schwung in die kompakte Mittelklasse zu übertragen: Mit einem Ableger der neuen A-Klasse, mit der die Schwaben eine friedliche Revolution ausgelöst haben. Dass die Plattform die selbe ist, sieht man dem athletischen CLA am ehesten am Kühlergrill und dem langen Überhang vorne an.
Im Inneren tendiert die Ähnlichkeit trotz mutigerer Stoffe gegen 100 Prozent – abgesehen davon, dass hinten Sitzende noch weniger Kopffreiheit haben, weil das abfallende Dach seinen Tribut fordert. Der Kofferraum dagegen ist für ein Coupé ausgesprochen großzügig; Liebespaare auf Wochenend-Tour an den Rhein sollten damit locker zurecht kommen. Unterwegs werden die Ausflügler dann auch einen Weltrekord kennen und schätzen lernen. Der einmalige cw-Wert von 0,22 spart nicht nur Sprit. Die gute Aerodynamik hält das Auto selbst bei hohem Tempo sagenhaft leise - unseren Probierfahrten haben belegt, wie sehr sich die Arbeit der Entwickler am Unterboden und an den rahmenlosen Türen auszahlen.

Ob das auch für die Preisgestaltung gilt, wird sich nach dem Händlerstart am 13. April noch erweisen müssen: Das Startgebot knapp unter 30 000 Euro ist zwar einerseits ein Wort, andererseits aber wie bei allen Herstellern ein eher theoretischer Wert. An Möglichkeiten, den „Reiz des Unkonventionellen“ (Projektleiter Axel Andorff) bis ins Unendliche zu steigern, ist beim CLA jedenfalls kein Mangel.

Liebling, wer hat den CLS geschrumpft? Die Anlehnung an den Mercedes CLS sind dem CLA deutlich anzusehen.
Liebling, wer hat den CLS geschrumpft? Die Anlehnung an den Mercedes CLS sind dem CLA deutlich anzusehen.Foto: Hersteller

Assistenzsysteme, wie sie vor kurzem noch der Oberklasse vorbehalten waren, zählen genauso zu den Leg-Drauf-Optionen wie ein Allrad, der bei Mercedes nun zum ersten Mal auch in der kompakten Mittelklasse angeboten wird – womit wir dann am oberen Ende der Fahnenstange angekommen wären. Gut 57000 Euro etwa soll der CLA 45 AMG kosten, der als stärkster Serien-Vierzylinder der Welt avisiert ist. Mit 360 PS Leistung und einem Drehmoment von 450 Newtonmeter soll er vor allem Konkurrenz aus München zeigen, wie ernst man es meint mit dem Aufholen.

Auf der Probefahrt:

Zwei Nachrichten. Die gute: Durch gezieltes Weglassen und bewusstes Verzichten gewinnt der CLA. Die schlechte: Mercedes führt die Pakete-Politik zu neuer Blüte und macht es schwer, einzelne Features geldwert „abzuwählen“. Nehmen wir das Fahrwerk. Wer das Coupé bestellt, muss sich vor der Unterschrift entscheiden. Komfort oder Sport. Unser Rat: Das Komfort-Fahrwerk ist besser, weil exzellent abgestimmt. Das macht sich auf langen Reisen bezahlt, zu unserer Überraschung aber auch in schnellen Kurven. Die machen mehr Spaß, wenn die Federn nicht allzu eng anliegen. Wer von der arg straffen A-Klasse, wie sie seit einigen Monaten unterwegs ist, in den CLA umsteigt, wird vor Neid erblassen.

Auf Wunsch lässt sich der Mercedes CLA mit reichlich Assistenten aufrüsten.
Auf Wunsch lässt sich der Mercedes CLA mit reichlich Assistenten aufrüsten.Foto: Hersteller

Im CLA hat Mercedes das richtige Maß gefunden. Problem nur: Wer statt des Basismodells eine der Ausstattungslinien „Urban“ oder „AMG“ wählt, zahlt das Sportfahrwerk mit – selbst, wenn er innerhalb des Pakets die Option Komfort-Fahrwerk zieht. Besser funktioniert das Sparen bei der Wahl des Motors, jedenfalls bei den Benzinern. Der CLA 200 ist mit 156 PS und 1,6 Litern Hubraum nominal zwar ein Schwächling. Er fühlt sich dank Turbo und Direkteinspritzung aber viel durchzugsstärker an. In Verbindung mit der sauber arbeitenden Sechsgang-Handschaltung liefert der Vierzylinder eine beeindruckende Vorstellung – ab 31 862 Euro. Sicher, mehr geht immer. Der CLA 250 mit seinen 211 PS spielt in einer anderen Liga. Ob einem das in Zwangs-Kombination mit der schnellen DCT-Automatik aber fast 7000 Euro mehr wert ist?

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Wer einen Selbstzünder bevorzugt, kann bei der Entscheidung kurzen Prozess machen: Der 220 CDI als einziger Diesel kostet 37 990 Euro. Zum Schluss noch ein Verzicht-Tipp, der dem CLA gut tut, am Ende aber bestenfalls indirekt Geld spart: Für unseren Geschmack sieht das Coupé ohne das AMG-Styling-Kit viel eleganter, ja sogar knackiger aus: Front- und Heckschürze tragen in Verbindung mit den Seitenschwellern einfach zu dick auf. Zwar ist niemand gezwungen, die „AMG-Line“ zu wählen. Wem der Basis-CLA aber zu wenige Design-Leckerlis im Detail bietet, findet dazu von Rädern abgesehen kaum Einzelpositionen in der Preisliste. Mercedes zwingt zu Paketen.

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