Der neue Audi RS3 Sportback : Mit fünf Assen auf der Rennstrecke

Der Fünfzylinder bleibt eine feste Größe bei Audi. Damit soll der RS3 Legende werden wie einst der Sport Quattro. Ob das neue, 367 PS starke Kraftpaket das Zeug dazu hat, zeigt unsere Testfahrt in Italien.

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Nur optisch grau. Mit seinem Motorkonzept sticht der Audi RS3 aus der Masse der Kompaktsportler heraus. Das gilt auch für Handling und die Akustik.
Nur optisch grau. Mit seinem Motorkonzept sticht der Audi RS3 aus der Masse der Kompaktsportler heraus. Das gilt auch für Handling...Foto: Audi

Mit den Legenden in der Automobilwelt ist es so eine Sache. Hersteller küren gerne mal das ein oder andere Modell zur Ikone und künftigen Legende. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es in Zeiten der Gleichteilepolitik und Massenproduktion überhaupt noch Platz für Legenden gibt. So etwas lässt sich ohnehin schwer planen, und heute scheint der Kostendruck jede Extravaganz außerhalb der Oberklasse im Keim zu ersticken. Zwar weiten die Hersteller ihre Angebotspaletten immer weiter aus. Jede Nische wird besetzt, in jede sich bietende Lücke wird ein Ableger platziert. Aber alles natürlich mit Material aus den Baukästen. Soll ja schließlich Gewinn bringen.

Strategie zum Abheben

So ein RS3 sticht da schon aus der Masse heraus. Nicht etwa, weil ein Kompaktsportler etwas Besonderes wäre oder er gar keinen Gewinn bringen würde. Im Gegenteil, diese lukrative Nische ist überaus üppig besetzt. Als Beispiel seien nur Volkswagen Golf R, Opel Astra OPC, BMW mit dem M-Ableger des Einser oder Mercedes mit der AMG A-Klasse genannt. In keinem Segment drängeln sich in der Hochleistungsecke so viele Wettbewerber wie in der Kompaktklasse. Nein, Audi zelebriert hier seinen Fünfzylinder-Motor und will damit einen legitimen Nachfolger für den Sport Quattro schaffen. Und der darf durchaus zu Recht zu den automobilen Legenden gezählt werden. Das Auto steht für großen Rallyesport mit Walter Röhrl oder der begnadeten Michèle Mouton und eben einem außergewöhnlichen Motorkonzept.

Antriebe wie der Fünfzylinder sind in Zeiten der Baukästen, der Gleichteilestrategie und des Skalierungszwangs andernorts schon lange wegrationalisiert. Beispiel Volvo: Da fährt vom kompakten C30 bis zum riesigen XC90 künftig alles mit vier Zylindern. Warum also bleibt der Fünfzylinder bei Audi im Sortiment? "In dieser Klasse heben wir uns ab mit dem Anspruch, einen eigenen Motor anzubieten", sagt Heinz Hollerweger, der Geschäftsführer der bei Audi für Sportwagen zuständigen Quattro GmbH. Hollerweger ist erst seit knapp einem Jahr im Amt und hat so gesehen erst mal wenig mit dem Fünfender zu tun. Die Entscheidung, ihn weiterzubauen, fiel vor seinem Amtsantritt und ohnehin in Ingolstadt. Aber der Mann, der nun in Neckarsulm das Sagen hat, ist schon lange bei Audi. Er hat das Entstehen des Sport Quattro damals selbst miterlebt und weiß um die Bedeutung des Antriebs für die Marke.

Motor der Jahres - mit Topwerten

So gerne man den Audi RS3 in das Regal der Autolegenden stellen würde, das aktuelle Modell muss sich seine Meriten erst neu verdienen. Der 2009 präsentierte Fünfzylinder-Motor selbst hat das bereits geschafft. Gerade wurde er zum fünften Mal in Folge zum Motor des Jahres, zur "Engine of the year", in seiner Klasse gewählt. Eine Premiere beim traditionsreichen Award, den das englische Fachmagazin "Engine Technology International Magazine" vergibt.

Sportlich durch und durch: Das Interieur ist in Schwarz gehalten und mit RS-Logos akzentuiert. Die Sportsitze tragen Bezüge aus Feinnappa mit grauen Kontrastnähten.
Sportlich durch und durch: Das Interieur ist in Schwarz gehalten und mit RS-Logos akzentuiert. Die Sportsitze tragen Bezüge aus...Foto: Audi

Aber: Der Motor ist das eine, entscheidend bleibt allerdings das Gesamtpaket. Die Grunddaten stimmen: 367 PS, 27 mehr als bisher, hat Audi dem RS3 nun mit auf den Weg gegeben. Das Drehmoment von 465 Newtonmeter liegt bereits bei 1625 Umdrehungen pro Minute an, in 4,3 Sekunden erreicht der RS3 die Marke von 100 Stundenkilometern. Auf der Leistungsseite stimmen die Daten.

Optisch bleibt der Audi RS3 allerdings erst mal ein Tiefstapler. Im Vergleich zum S3, dem man das Plus an Leistung fast gar nicht ansieht, geht der sportlichste Kompakte aus Ingolstadt zwar klarer in die Offensive. Aber RS-typischer Waben-Kühlergrill mit Quattro-Schriftzug unterm Nummernschild, chromfarbene Umrandungen der Endtöpfe und eine Spoilerlippe an der Oberkante der Heckscheibe müssen erst mal genügen, um zu zeigen, dass hier der dynamischste aller A3 anrollt. Der Auftritt lässt sich freilich noch weiter verfeinern, wie zum Beispiel innen mit neuen Schalensitzen oder Applikationen in Wagenfarbe. Wem das nicht genügt, dem steht natürlich das ganze Sortiment der hauseigenen Individualisierung zur Verfügung. Das entsprechende Budget vorausgesetzt.

Neue Bestmarke in der Kompaktklasse: Audi legt mit dem RS3 die Leistungslatte in der Golf-Klasse ein Stück höher - auf 270 kW/367 PS.
Neue Bestmarke in der Kompaktklasse: Audi legt mit dem RS3 die Leistungslatte in der Golf-Klasse ein Stück höher - auf 270 kW/367...Foto: Audi

Souveräne Bodenhaftung

Für die ersten Testfahrten hat Audi auf die Rennstrecke nach Vallelunga nahe Rom eingeladen. Der Kurs kennzeichnet sich durch schnelle Passagen und enge Schikanen. Hier sollte eine angehende Legende zeigen, was sie kann. Auf der ersten Runde ist Kennenlernen angesagt. Das Fahrdynamiksystem "drive select" ist auf "comfort" eingestellt, die Dämpfer sind zwar straff, aber noch moderat abgestimmt. Der Audi RS3 sitzt vorne auf klassischen McPherson-Aufhängungen und hinten auf einer Vierlenker-Konstruktion, bei denen Längs- und Seitenkräfte getrennt aufgenommen werden. Die Spur ist vorne 45 Millimeter breiter als hinten, was der Stabilität zugute kommt. Vorne fährt der RS3 auf 255/30er Reifen und hinten auf 235/35er Gummis, beide im 19-Zoll-Format. Unaufgeregt zieht der Kompaktsportler so seine Kreise. Selbst die enge Tornantino erregt, moderat angefahren, keine Schwindelgefühle.

Starke Fünfzylinder haben unter den Vier Ringen eine große Tradition. In den 80er Jahren trieben sie die Rallyeautos, Tourenwagen und Serienmodelle von Audi an die Spitze des Wettbewerbs.
Starke Fünfzylinder haben unter den Vier Ringen eine große Tradition. In den 80er Jahren trieben sie die Rallyeautos, Tourenwagen...Foto: Audi

Bei der zweiten Runde wollen wir es genauer wissen. In der "Curva grande" hat Audi eine Schikane eingebaut, damit die Tester zur langen Cimini-Kurve hin nicht zu viel Geschwindigkeit aufbauen. Hier wird kräftig angebremst. Die optionalen Keramikbremsen verzögern beinhart, in der langen Kurve kann progressiv herausbeschleunigt werden. Eine neu entwickelte Lamellenkupplung verteilt das Antriebsmoment variabel zwischen Vorder- und Hinterachse. Im Dynamic-Modus wird so bis zu 100 Prozent der Antriebskraft auf die Hinterachse gelenkt.

Die lange Gerade führt auf die Campagnano zu. Hier erreicht der RS3 fast die Grenze von 200 km/h. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,3 Sekunden reicht dieser Audi an die Werte von ausgewachsenen Sportwagen heran. Auch die Elastizität zwischen 80 und 120 km/h ist mit einer Beschleunigung in 5,3 Sekunden beachtlich. Beachtlich auch das sehr gute Handling in der nachfolgenden Semaforo und Tornantino. Selbst im Grenzbereich wird der RS3 nicht nervös, bringt seine Kraft immer noch souverän auf die Strecke.

Understatement: Nur ein hochglänzender Diffusoreinsatz sowie zwei große, ovale Abgas-Endrohre sorgen für einen starken Abgang des neuen Sportback.
Understatement: Nur ein hochglänzender Diffusoreinsatz sowie zwei große, ovale Abgas-Endrohre sorgen für einen starken Abgang des...Foto: Audi

Die elektromechanische Lenkung steuert das Auto direkt in die Ecke. Eine radselektive Momentenverteilung hält den RS3 in der Kurve stabil auf der Strecke. Das elektronische System bremst die kurveninneren Räder kurzzeitig leicht ein und sorgt so für mehr Traktion auf der Innenkante des Fahrzeugs. Fast narrensicher zieht sich der Kompaktsportler so aus dem engen Eck wieder heraus. Hier kommt die Lamellenkupplung wieder zum Tragen, die am Kurvenausgang mehr Kraft auf die Vorderachse lenkt und den RS3 so sauber auf die anschließende schnelle "Esse"-Kombination trägt, bevor die flotte Runde in der Boxengasse ihr Ende findet.

Motorsportfeeling in Serie

Fazit des Ausflugs auf die Rennstrecke: Vom Handling her bietet der Audi RS3 ein Paket, das sicherlich Maßstäbe in dieser Klasse setzt. Die Kombination von Allradantrieb mit fein austarierter Antriebstechnik und dem starken Fünfzylinder unter der Haube gehört sicherlich zum Besten, was in diesem Segment serienmäßig zu haben ist.

Legende? Das Potenzial dazu hat der RS3 sicherlich schon. Alleine der über eigene Klappen stimulierte Sound des Fünfzylinders, im Sportmodus eigens mit Gaszwischenstößen garniert, ist fast schon das Geld wert. Vielleicht reicht es nicht für den Kult, den der Sport Quattro einst erzeugen konnte. Dazu fehlt ihm auch der Hintergrund aus dem Rallyesport, den es so heute nicht mehr gibt. Aber der RS3 bringt alles mit, um auf den Rennstrecken dieser Welt viel Spaß zu haben und abseits davon, gemäß den Verkehrsregeln, flott voranzukommen. Einen Sport Quattro gibt es kein zweites Mal, aber wer eine Ahnung davon haben will, wie gut sich Motorsport in ein Serienfahrzeug bringen lässt, der sollte sich den RS3 ansehen. Und wer die beachtlichen 52 700 Euro aufbringen kann, bekommt ein Auto mit sehr gutem Handling, einem Unikat an Motor und dem Nutzwert eines A3.


Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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