Der neue Ford Focus ST als Kombi Diesel : Jetzt auch für den eiligen Papa

Der Ford Focus ST ist nun erstmals mit einem Dieselmotor ausgestattet - und auch als Kombi zu bekommen. Erste Eindrücke.

Günther Fischer
Ford hat beim Focus ST nicht nur den Kombi eingeführt. Auch die Farbpalette wurde erweitert. Ansonsten sind die Unterschiede zum alten Modell kaum sichtbar.
Ford hat beim Focus ST nicht nur den Kombi eingeführt. Auch die Farbpalette wurde erweitert. Ansonsten sind die Unterschiede zum...Foto: dpa

Er bleibt, was er war, ist und immer sein wird: ein kompaktes Familienauto und ein sogenanntes Weltauto, das vielen Menschen gefallen soll und muss. Eine Prise Biederkeit muss deswegen wohl sein. Die Rechnung ging bislang auf: Ford hat vom Focus ST (das Kürzel steht für „Sport Technologies“) den letzten 12 Jahren 140 000 Stück in 40 Ländern verkauft. Von der noch aktuellen ST-Version wurden in Deutschland rund 4600 Exemplare abgesetzt. Für den Ford-Chefingenieur Tyron Johnson steht das Kürzel ST ohnehin für die perfekt „Kombination aus Sportlichkeit, Leistung und Dynamik.“ Klar, was auch sonst?

Wettbewerb macht erfinderisch

Aber die Konkurrenz schläft nicht: Der Focus ST tritt inzwischen immerhin gegen mehr als ein halbes Dutzend Konkurrenten an, als da wären: VW Golf GTI, VW Golf GTD, Skoda Octavia RS, Seat Leon Cupra, Opel Astra OPC, Renault Sport Mégane und Peugeot 308 GT. Lauter gute Gründe, um dem hauseigenen Kraftpaket ein Facelift zu verpassen. Ford ging vergleichsweise dezent vor: Auch der neue Focus ST ist erst auf den zweiten Blick so richtig als Sportversion zu erkennen. Die Front wurde optisch angeschärft, die Scheinwerfer sind schlanker geschnitten und die in Wagenfarbe lackierten Schweller fallen etwas dicker aus. Am ehesten ist der ST noch von hinten eindeutig zu identifizieren - an den mittig platzierten Doppelauspuffmündungen.

Schnell und farbenfroh. In "Sunset-Gelb"-Metallic wirkt der neue Ford Focus ST zwar schon recht schnittig, die richtige Sportversion kann man aber erst beim RS erwarten.
Schnell und farbenfroh. In "Sunset-Gelb"-Metallic wirkt der neue Ford Focus ST zwar schon recht schnittig, die richtige...Foto: dpa

Wer richtig auffallen will, kann natürlich zu grellen Lackierungen wie „Race-Rot“ oder „Sunset-Gelb“-Metallic greifen. Insgesamt stehen sieben Farben zur Verfügung, wobei eine Farbe namens „Stealth Grey“ den Tester am meisten überzeugte: Wann ist man schon als Tarnkappenbomber auf vier Rädern unterwegs?

Kleine Gewichtsänderung, große Wirkung

Zwei Motoren bietet Ford nun für den ST an: einen Zweiliter-Benziner-EcoBoost mit 184 kW/250 PS (sprintet in 6,5 Sekunden auf Tempo 100) und erstmals einen Zweiliter-Diesel mit 136 kW/185 PS (braucht 8,1 Sekunden von 0 auf 100). Ebenfalls neu: Es gibt den ST auch als Turnier-Variante, das heißt als Kombi. Für den eiligen Familienvater quasi. Ford verspricht ein direktes ausbalanciertes und präzises Fahrverhalten - dank einer optimierten Abstimmung des Fahrwerks und der Lenkung. Bei den ersten Ausfahrten auf katalanischen Bergsträßchen und Holperstrecken zeigen sich schnell deutliche Unterschiede: Der Kombi mit dem Dieselmotor liegt unglaublich satt auf der Straße, lässt sich herrlich schaltfaul fahren, hat aber bei Bedarf jederzeit genug Reserven, um loszurennen. Er ist ganz eindeutig unser Favorit.

Ganz anders die Limousine mit dem Benziner unter der Haube: Sie wirkt fast schon übertrieben straff, gibt die kleinsten Unebenheiten einer Straße als Stoß an die Wirbelsäule weiter und zerrt bei plötzlichen und kräftigen Gasbefehlen sehr am Lenkrad. So mancher Rivale nimmt da etwas dezenter Fahrt auf. Fords Erklärung: Den Unterschied mache bei gleichem Fahrwerk allein das Gewicht aus. Der Diesel sei rund 18 Kilogramm schwerer als der Benziner, bei der Kombivariante kämen sogar rund 100 Kilogramm mehr auf die Waage...

Technisch nachgerüstet

Im Innenraum hat Ford kräftig aufgeräumt und vor allem das Infotainment - firmiert jetzt unter dem Namen Sync2 - endlich auf aktuellen Stand gebracht. Mit simplen Sprachbefehlen ist es jetzt möglich, das Radio, das Navi, das Telefon, die Klimaanlage und das eigene Smartphone zu steuern. Klappt ziemlich prima. Endlich zeit- und standesgemäß ist auch der acht Zoll große Touchscreen-Monitor.

Technisch aufgerüstet: Dank neuer Sprachsteuerung und großem Touchscreen lässt sich der neue Focus ST jetzt einfach und schnell bedienen.
Technisch aufgerüstet: Dank neuer Sprachsteuerung und großem Touchscreen lässt sich der neue Focus ST jetzt einfach und schnell...Foto: dpa

Ford hat natürlich auch bei den Assistenzsystemen nachgelegt. Die Scheinwerfer lenken gegen Aufpreis erstmals mit, wobei Lichtwinkel und Lichtintensivität adaptiv gesteuert werden. Das Längsstabilitätsprogramm ETS (Enhanced Transitional Stability) wurde weiter verbessert, der optionale Active-City-Stop arbeitet jetzt bis Tempo 50 und leitet bei einer drohenden Kollision den Bremsvorgang notfalls selbständig ein. Das auf Wunsch lieferbare „Cross-Traffic Alert“-System informiert über Verkehrsteilnehmer, die sich von links oder rechts dem Fahrzeugheck nähern - etwa beim Zurücksetzen aus einer Parklücke.

Das Fazit

Es gibt Konkurrenten, die in manchen Punkten besser sein mögen, vielleicht schneller oder ein wenig preiswerter. Der neue Ford Focus ST ist vor allem eines: Mainstream pur. Er kann fast alles, und einiges ein bisschen besser als andere. Wer nicht ständig auf die Jagd nach Rundenrekorden geht, der bekommt mit dem facegelifteten ST ein Komplettpaket mit einem gerüttelt Maß an Fahrspaß. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, denen die Leistung nicht reicht: Die müssen dann eben auf den Focus RS mit seinem 300 PS starken Vierzylinder (aus dem Mustang) warten. Aber auch der geht demnächst an den Start.

Zwei Wünsche hätten wir aber schon noch: zum einen kürzere Schaltwege, einen kleineren Wendekreis und vor allem ein kleineres Lenkrad (wie bei Peugeot zum Beispiel). Beides könnte ganz subjektiv dazu beitragen, das Sportwagen-Feeling zu verstärken. Die Preise beginnen bei 28 850 Euro (Benziner) und 29 650 Euro (Diesel). Die Turnier-Varianten (also der Kombi) kosten jeweils 950 Euro mehr. Bestellt werden kann ab sofort.

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