Der neue Hyundai i10 2013 : Der Große unter den Kleinsten

Für Hyundai ist das untere Ende der Modellpalette immer von großer Bedeutung. Deshalb hat man sich mit dem i10 besonders viel Mühe gegeben.

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Runde Sache: Die netten Glubschaugen des Vorgängers hat der Hyundai i10 verloren. Er ist erwachsener geworden.
Runde Sache: Die netten Glubschaugen des Vorgängers hat der Hyundai i10 verloren. Er ist erwachsener geworden.Foto: Hersteller

Unter den Kleinsten im Lande vom Schlage eines VW up, Toyota Aygo, Chevrolet Spark oder Renault Twingo ist der neue Hyundai i10 jetzt der Größte. Quasi eine Automobilhausnummer für sich. Er kommt nun nicht mehr aus Indien zu uns, er läuft im türkischen Werk Izmit, 100 Kilometer von Istanbul entfernt, zusammen mit dem größeren i20 vom Band. Gegenüber dem Vorgänger strotzt der vom ehemaligen BMW-Designer Thomas Bürkle gestaltete i10 in der zweiten Generation nur so von Selbstbewusstsein im Auftritt. Und in der Größe hat er auch mächtig zugelegt, ist nun zehn Zentimeter länger, sechs Zentimeter breiter, aber vier Zentimeter flacher. Die neuen Proportionen lassen ihn gefälliger aussehen. Das Gewicht gefällt weniger: Der Neue hat um 28 Kilogramm zugelegt.

Mit einer Länge von 3,76 Metern übertrifft er den VW Up um 13 Zentimeter. Bei ähnlichem Radstand von 2,39 Metern bieten die Kofferräume der beiden Vergleichbares: i10 mit 252 bis 1046 Liter und VW up mit 251 bis 959 Liter. Wo also ist beim Koreaner die größere Länge geblieben? Bei den Fondpassagieren! Da glänzt der i10 in der Kleinstwagenliga. 1,78 Meter-Mannen (wir haben es ausprobiert) sitzen hinten anständig; bekommen keine Klemmstellen. Und vorn? Wirkt der Kleinstwagen eine halbe Nummer größer. Die Sitze sind groß, straff gepolstert und besitzen eine gute Seitenführung. Leider fehlt dem Beifahrersitz die Höhenverstellung. Beim Armaturenbrett kaschieren eine von VW-Chef Winterkorn auf der IAA höchstselbst bestätigte penible Verarbeitungsqualität geschickt den hohen Hartplastikanteil. Hinzu gesellen sich lustige Farben am Cockpit, den Seitenverkleidungen und den Sitzen (wahlweise, orange-schwarz,  rot-schwarz oder blau-schwarz). Die Armaturen sind gut ablesbar, die Ablagen brauchbar, und in der Topversion ist das Lenkrad sogar beheizbar. Besser gewesen wäre allerdings eine Möglichkeit zur Längsverstellung.

Feldhase war gestern

Nach den ersten Kilometern unserer Testfahrt, wird klar: Die Koreaner lernen ungeheuer schnell; die Techniker im deutschen Entwicklungszentrum Rüsselsheim haben sehr gut gearbeitet. Die Feldhasen-Manie des Vorgängers ist Vergangenheit; der Neue hoppelt nicht mehr über schlechtes Geläuf, sondern bewegt sich für seinen kleinen Radstand erstaunlich souverän. Beim Komfort muss er sich nicht mehr vor dem in dieser Beziehung guten VW up verstecken. Und die neue elektromechanische Lenkung agiert im Koreaner so, wie man sich das eigentlich von einem guten deutschen Auto wünscht. Gegenüber der vor einem Jahr gestarteten zweiten Generation des i30 mit ihrer indifferenten Lenkung ohne ausreichende Rückmeldung ist hier ein großer Qualitätssprung gelungen. Die Abstimmung könnte auch in Wolfsburg erfolgt sein.

Sachlich geht es im Innenraum des Hyundai i10 zu.
Sachlich geht es im Innenraum des Hyundai i10 zu.Foto: Hersteller

Hinzu kommt dank geschickter Dämmung ein Geräuschkomfort, der in dieser Kleinstwagenklasse bemerkenswert ist: So leise fährt kaum ein anderer. Da hört man auch von den Motoren nur wenig. Zwei bietet Hyundai zum Marktstart Mitte November an. Erstmalig einen ein Liter Großen Dreizylinder-Benziner (aus dem fast baugleichen Kia Picanto) mit 67 PS und einen 1,2 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 87 PS. Beide sind keine Direkteinspritzer; sie arbeiten noch mit konventioneller Saugrohreinspritzung. Der Dreizylinder mit dem typischen, aber nicht unsympathischen Schnarren braucht Drehzahlen, weil er im Drehzahlkeller konstruktionsbedingt etwas schwach auf der Brust ist. Doch wer den i10 fast ausschließlich als  Stadtauto benutzt, wird mit diesem Triebwerk leben können. Tempo 145 ist drin; und für den Sprint von Null auf 100 km/h braucht es längere 14,9 Sekunden.

Vierzylinder schlägt ins Kontor

Gut dafür der Verbrauch: Bei uns zeigt der serienmäßige Bordcomputer 5,1 statt der vom Werk versprochenen 4,7 Liter Super an. Nur wenig durstiger, aber viel besser agiert der Vierzylinder, der sich für alle empfiehlt, die öfter über Land fahren. Denn auch für größere Reisen taugt dieser leise komfortable i10, der sich nicht wie ein Kleinstwagen sondern durchaus wie ein Großer fährt. Vier Leute und Gepäck (mit zwei Bordtrolleys ist der Kofferraum allerdings voll) reisen anständig. Am Ende des Tages zeigt der Bordcomputer hier 5,9 Liter an statt der 4,9 Liter Normverbrauch. Schade nur, dass der Vierzylinder heftige 2170 Euro teurer als der Dreizylinder ist, weil es ihn erst ab der dritten Ausstattungsstufe für mindestens 12120 Euro gibt (siehe Kasten). Mit allen Extras erreicht der Kleine große Preisregionen von selbstbewussten 15 000 Euro. Damit rückt er an den Platzhirsch in der Kleinstwagenklasse, den VW up, heran.

Der kann den VW Up schon ärgern. Hyundais i10 setzt eine weitere Duftmarke gegen den Platzhirschen Volkswagen.
Der kann den VW Up schon ärgern. Hyundais i10 setzt eine weitere Duftmarke gegen den Platzhirschen Volkswagen.Foto: Hersteller

Allerdings hat sich der neue i10 mit 87 PS dank seiner neuen Qualitäten zu einem ernsthaften Konkurrenten für den Deutschen gemausert. Und nicht nur das. Der gewachsene und stark verbesserte i10 macht plötzlich auch dem nur wenig größeren i20 hausintern Konkurrenz. Die Unterschiede zwischen beiden Autos sind nicht so groß, als dass der Kleinere am Schluss der Überlegungen nicht als die bessere Wahl dasteht. Ja, wenn Hyundai nicht selbst mit großen Rabatten i10-Interessenten ins Grübeln bringen würde. So wird der Hyundai i20 mit 87 PS bereits ab 8990 Euro angeboten. Und selbst für den viel größeren und stärkeren Kompaktwagen i30 mit 101 PS wird ein Lockpreis von nur 10 990 Euro aufgerufen; gut 4000 Euro unter dem offiziellen Listenpreis. Da kann man schon ganz schön durcheinander geraten.

Der Kleine rückt nahe an den i20

Etwas durcheinander geht es auch bei der Modellpolitik zu. Zwar startet das Basismodell mit 67 PS noch 50 Euro unter der magischen 10 000-Euro-Schwelle, aber bei näherem Hinsehen erweiset es sich Lockangebot, das lediglich auf dem Papier stehen dürfte. Es sind weder Klimaanlage noch Radio oder Extras lieferbar. Das ermöglicht Hyundai erst in der zweiten von insgesamt vier Ausstattungsstufen. Dann sind 1000 Euro mehr fällig; für Klima und Radio. Ein fairer Aufpreis. Doch Extras wie ein altertümliches und durstiges Viergangautomatikgetriebe für 1000 Euro oder ein Plus-Paket mit Rückfahrwarnsystem. LED-Tagfahrlicht für 820 Euro ist erst ab drittem Niveau Trend verfügbar. Erst da gibt es auch eine Gepäckraumabdeckung. Und in der höchsten Stufe Style kostet dann der gut ausgestattete und nur 67 PS starke i10 mit 12480 Euro gleich 2530 Euro mehr als die Basisversion.

Großes Lob verdienen die Koreaner hingegen für ihre vorbildlichen und hierzulande einmaligen Garantieleistungen: Fünf Jahre Fahrzeug- und Lackgarantie ohne Kilometerbegrenzung sowie fünf Jahre Mobilitäts-Garantie mit kostenlosem Pannen- und Abschleppdienst sowie fünf kostenlose Sicherheits-Checks in den ersten fünf Jahren gemäß Hyundai Sicherheits-Check-Heft. Das liest sich wie der Wegweiser ins automobile Schlaraffenland – und zugleich wie eine Mahnung an die deutschen Automobilbauer: Sehr her, das ist möglich! Hyundai verspricht damit nicht mehr und auch nicht weniger als fünf Jahre Sorgenfreiheit, selbst für den absoluten Vielfahrer. Und die Koreaner setzen im Februar 2014 noch einen drauf: Wer sich dann  für die werksseitig eingebaute Autogasanlage (LPG) für den kleinen Dreizylinder-Benziner entscheidet, fährt nicht nur extrem günstig, sondern auch sicher: Die fünfjährige Garantie gilt nämlich auch für die LPG-Anlage. Sonst sind zwei Jahre üblich.

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