Der neue Mazda 6 : Ganz schön sechsistisch

Dem neuen Mazda 6 dürften Komplimente für das anziehende Äußere sicher sein. Die Studie Shinari haben die Japaner fast original umgesetzt. Das sieht schon richtig gut aus. Aber wie steht es um die inneren Werte? Eine erst Probefahrt.

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Ganz schön sexy, dieser Mazda 6. Mit der Neuauflage bringen die Japaner das Coupé in die Mittelklasse. Und zwar ohne Aufpreis.
Ganz schön sexy, dieser Mazda 6. Mit der Neuauflage bringen die Japaner das Coupé in die Mittelklasse. Und zwar ohne Aufpreis.Foto: Hersteller

Mercedes erfand es vor acht Jahren, Audi hat es kopiert und BMW hat jetzt auch eins – die Rede ist vom Coupé mit vier Türen. Viel teurer als die praktischere Limousine, aber schick und begehrt. Selbst VW sprang vor vier Jahren mit dem CC (Comfort Coupé) auf diesen Modezug auf, seither gibt es den umgestrickten Passat zum höheren Preis. An diesem Sonnabend folgt nun Mazda mit der dritten Generation des Sechsers – und geht einen eigenen Weg. Bei den Japanern gibt's die Eleganz nämlich ohne Aufpreis.

Wir nähern uns einem Auto, das die vergleichsweise wenig begeisternden Modelle der Vergangenheit schnell vergessen lässt. Das haben die Asiaten clever hinbekommen: Die 2010 erstmals gezeigte Studie Shinari wurde fast eins zu eins in die Serie übernommen. Sowas kommt selten vor – und fördert hier nicht mal funktionelle Mängel zu Tage. Die 4,87 Meter lange Stufenhecklimousine (die Schrägheckversion entfällt) verfügt mit 2,83 Metern über einen der längsten Radstände dieser Klasse, immerhin zwölf Zentimeter mehr als beim nur drei Zentimeter längeren Volkswagen CC.

Überraschend leichter Einstieg

Die eleganten Linien setzen sich im Innern des Mazda 6 fort.
Die eleganten Linien setzen sich im Innern des Mazda 6 fort.Foto: Hersteller

Das Beeindruckendste, was uns dieser Mazda 6 am Ende des Testtages ins Gedächtnis einbrennt, ist so einfach wie schwierig: Er schafft es geradezu spielerisch, die Leichtigkeit der attraktiven Karosserielinie ins Innere und auf die Straße zu bringen. Das beginnt bereits beim Einstieg, der wegen der zehn Zentimeter nach hinten versetzten A-Säulen sowie der um fünf Zentimeter in der Höhe und 26 Zentimeter in der Länge überraschend leicht gelingt. Die Sitzfläche könnte zwar noch etwas länger sein, aber die Polster sind straff und gut geformt. Schnell finden Große wie Kleine hinterm Steuer ihre optimale Arbeitsposition, schauen auf ein sauber verarbeitetes Cockpit. Es ähnelt dem des CX-5. Das geht schon mal gut los. Dreht sich der Fahrer um, schaut er in einen Fond mit Oberklasseambitionen: Platz da im Mazda! Dafür könnte die Sicht nach schräg hinten besser sein – allerdings ein Makel fast aller neuen Automodelle.

Wir fahren bewusst das „nackte“ Mazda-6-Basismodell für 24 990 Euro: 145 PS, Start-Stopp-Automatik, Spitze 206 km/h, Null bis Tempo 100 in 9,6 Sekunden, komplettes Sicherheitspaket, Klima, Radio, 17-Zoll-Aluräder, schlüsselloses Startsystem, elektrische Außenspiegel. Zum Vergleich: Ein entsprechender VW Golf mit 140 PS ist viel kleiner, aber tatsächlich 160 Euro teurer.

Keine Spur von Lethargie

Praktisch ist auch die Limousine, die eigentlich Coupé ist. Ein Stufenheck gibt es nicht mehr.
Praktisch ist auch die Limousine, die eigentlich Coupé ist. Ein Stufenheck gibt es nicht mehr.Foto: Hersteller

Und wie fährt sich der Basis-Mazda? Lustvoll. Ja, denn der Zweiliter-Benziner gibt sich in der kleinsten Ausbaustufe wie ein Großer. Zumal er wenig zu schleppen hat: Mit 1375 Kilogramm wiegt der große Mazda gerade mal 87 Kilo mehr als der 61 Zentimeter kürzere VW Golf. Schon im unteren Drehzahlbereich zeigt der japanische Sauger keine Spur von Lethargie, dreht sauber hoch. Das neue Sechsganggetriebe erinnert an das des Roadster MX-5. Spielerisch aus dem Handgelenk lassen sich die Gänge reinschnipsen. Das macht echt Spaß, gerade in einer Limousine. Und das Fahrwerk spielt ebenfalls mit: die Handlichkeit des Sechser schmilzt die 4,87 Meter auf Kompaktklasseniveau zusammen, Kurven werden zu Freudenspendern, und das ESP hat alles im Griff. Einfach sexy, dieser Sechser.

Und dann der Blick auf den serienmäßigen Bordcomputer: 6,1 Liter Durchschnitt zeigt er an. (Werksangabe 5,5 Liter). Dieser 145-PSer ist derzeit wohl der effizienteste Benziner seiner Klasse. Ein echter Geheimtipp. Und so der Mazda 6 für alle, denen die Basis reicht. Denn leider gibt für diese Version fast keine Extras. Wer mehr wünscht, zahlt richtig drauf. So bietet Mazda die sehr gute, ruckfrei schaltende und recht sparsame Sechsstufenautomatik erst für den 165-PS-Benziner in der Center-Line-Ausstattung an – und die kostet schon ohne die Automatik (Aufpreis 1800 Euro) 3000 Euro mehr. Weiteres Beispiel: Das sicherheitsfördernde Paket Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht, LED-Tagfahrlicht und Spurhalteassistent (1200 Euro) gibt es auch erst in der nächst höheren, 2000 Euro teureren Ausstattungsstufe und dann nur in Verbindung mit dem 900 Euro teuren Touring-Paket.

Ausgesprochen sparsamer Diesel

Den VW Passat kann der Mazda 6 locker aufs Korn nehmen. Preislich kann er sich sogar mit dem Golf messen.
Den VW Passat kann der Mazda 6 locker aufs Korn nehmen. Preislich kann er sich sogar mit dem Golf messen.Foto: Hersteller

Gefahren sind wir auch das Topmodell mit dem neuen 192 PS starken 2,5-Liter-Benziner. Durchschnitts-Verbrauch 7,8 Liter; serienmäßig mit Sechsstufenautomatik, Ledersitzen und Radartempomat. Ein souveräner Reisewagen für fast 40 000 Euro. Aber eigentlich kein Volks-Mazda mehr. Dann lieber den tollen 2,2-Liter-Diesel mit 150 PS in der mittleren Center-Line-Ausstattung für 30 490 Euro wählen, der nur 3,9 Liter Diesel verbrauchen soll. Und alle Sechser-Diesel erfüllen die Euro-6-Abgasnorm ohne aufwendige Nachbehandlungen. Wer statt der Design-Limousine lieber den rassigen Kombi zum gleichen Preis (siehe Info-Kasten) haben möchte, muss nur noch bis Mai warten und zahlt keinen Cent drauf.

Ein Tipp für all jene, denen der Sechser zwar gefällt, aber zu groß geworden ist: Im Herbst startet der neue Dreier im Designstil des Sechsers und mit dessen Spar-Technik. Der dürfte frischen Wind auch in die Golf-Klasse bringen.

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