Der neue Mercedes SL fährt vor : Unterwegs im Ballkleid

Nicht jeder Luxus hat so viel Geschichte wie der Mercedes SL. Vor bald sechzig Jahren wurde der erste SL zu einer Ikon des Automobilbaus und heute ist er der "Sportwagen des Jahrhunderts": Eine erste Begegnung mit der Neuauflage eines Klassikers.

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Mercedes bringt einen neuen SL auf den Markt. Das ist in der schnelllebigen Autowelt durchaus immer noch ein außergewöhnliches Ereignis. Denn einen neuen SL gibt es nur alle zehn Jahre, höchstens. Und immer wenn dieses Ereignis stattfindet gibt es einen Blick zurück auf eine lange Historie. Nur wenige Automobile auf der Welt können auf eine solch wunderbare Geschichte zurückblicken. Deshlab wollen auch wir die Gelegenheit beim Schopf packen und auf fast 60 Jahre Mercedes SL zurück blicken.Weitere Bilder anzeigen
30.01.2014 12:54Mercedes bringt einen neuen SL auf den Markt. Das ist in der schnelllebigen Autowelt durchaus immer noch ein außergewöhnliches...

Ihr Nachbar wird Sie ab morgen nicht mehr grüßen. Da müssen Sie durch. Aber der Wagen ist das wert, auch den Neid der Nachbarn. Vergessen. Spätestens dann, wenn sie hinter dem Steuer sitzen, die lange Motorhaube mit den zwei Lufteinlässen und den Chromfinnen vor ihnen, und das dezente Grummeln des Achtzylinders unter dem Blech. Der neue Mercedes SL entschädigt für alle Unbilden. So muss man das sehen. Schließlich fährt man eine Legende auf vier Rädern, fast sechzig Jahre nach dem ersten Mercedes SL, der mit seinen Flügeltüren immer noch die automobil-affinen Sinne betört und zur Recht zum Sportwagen des Jahrhunderts gewählt wurde.

Die Neuauflage des SL zeigt, dass es auch im 21. Jahrhundert weiter geht. Und wie. Die Gene des Urahnen, und dazu das Beste von heute, das macht in der Summe eine ziemlich heiße Kiste. Auch wenn die Mercedes-Techniker so niemals reden würden. Die sprechen lieber vom „Gentlemansportler“, den sie da hinterm fetten Stern am breiten Grill entwickelt haben. Erstmalig besteht das Fahrzeug komplett aus Aluminium und Magnesium, was gegenüber dem Vorgänger rund 125 Kilo Gewicht einspart – bei deutlich höherer Stabilität. Kompromisse? Nicht beim SL. Luxuriös und alltagstauglich zugleich soll der SL sein, sagen die Entwickler. Nun ja, etwa so alltagstauglich wie ein Ballkleid im morgendlichen Berufsverkehr in der U-Bahn. Fahrspaß und Aerodynamik, dafür ist der SL gemacht. Maßstäbe will er setzen als Klassenbester mit dem niedrigsten Windwiderstandswert und dem zugleich höchsten Sicherheitsstandard.

Eingeschränkter Nutzwert

Es muss gewarnt werden. Das Auto macht süchtig. Nicht weiterlesen sollten jetzt alle, die auch mal einen Kinderwagen oder eine Kiste Wasser transportieren wollen. Dafür ist das nicht ganz das richtige Fahrzeug. Zwar hat Mercedes auch einen Kindersitz für die Beifahrerseite im Angebot, doch die dazugehörige Mama oder Papa muss dann mit der U-Bahn fahren. Ansonsten ist im Kofferraum, der sich mit einer Fußbewegung unterm Heck automatisch öffnet, gerade mal Platz für zwei Gepäckstücke, die als Handgepäck mit ins Flugzeug dürfen. Und natürlich für eine Aktentasche, die hinterm Fahrersitz Platz findet.

Die Kiemen seitlich und auf der Haube sollen an den Ur-Ahnen, den 300 SL erinnern. Das kompakte Design hat er vom kleineren SLK übernommen. Allerdings hat er in Länge und Breite zugelegt.
Die Kiemen seitlich und auf der Haube sollen an den Ur-Ahnen, den 300 SL erinnern. Das kompakte Design hat er vom kleineren SLK...Foto: Hersteller

Aber geht es hier nicht sowieso mehr um die inneren Werte? Und davon hat der Mercedes SL 500 jede Menge. Etwa der Fünf-Liter-Motor mit 435 PS. Der Acht-Zylinder mit einem gigantischen Drehmoment macht den Wagen zu einem wahren Beschleunigungsmonster. Sogar bergauf wird man noch in die perfekt ausgeformten Sitze gedrückt. In 4,6 Sekunden ist der nur 1800 Kilo leichte Wagen auf Tempo 100. Bei 250 Stundenkilometern wird elektronisch abgeregelt – was einige Mercedes-Techniker bedauern, die von Tempo 330 als wahrer Spitze raunen. Das serienmäßige Siebengang-Automatikgetriebe schaltet so butterweich, dass es fast einem Frevel gleichkommt, stattdessen mit den manuellen Schaltpaddeln am griffigen Lenkrad die Gänge hochzuziehen. Außer, um beim schnellen Runterschalten einen brutal-machtvollen Sound hören zu lassen. Aber so ist ein SL-Fahrer nicht. Die Power soll hörbar sein, aber es soll zivilisiert zugehen – nicht so prollig wie beim Maserati, wo man den Motor aufbrüllen lassen kann per Drosselklappe.

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