Der neue MINI Cooper : Das XXL-Gokart

Das war ein schwieriges Projekt: Der Mini wurde generalüberholt. Auftrag: Auf keinen Fall den Mini-Charakter verlieren! Das ist gelungen, auch wenn das Aussehen dennoch gewöhnungsbedürftig ist.

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Knuddelig: Der neue Mini hat seinen Charakter nicht verloren, ist aber irgendwie lieblicher im Aussehen geworden.
Knuddelig: Der neue Mini hat seinen Charakter nicht verloren, ist aber irgendwie lieblicher im Aussehen geworden.Foto: Hersteller

Wir schreiben das Jahr 1959. In Deutschland finden die ersten Radarkontrollen mit mobilen Geräten statt. An bundesdeutschen Tankstellen kann nun bargeldlos mit Tankschecks bezahlt werden. Die Sowjets landen mit der Sonde Lunik 2 erstmals auf dem Mond. Und in Großbritannien stellt BMC ein Auto vor, das vom geborenen Griechen und später geadelten Alec Issigonis erdacht worden ist. Ein Auto, das, wie sich erst viel später herausstellt, seiner Zeit weit voraus ist: Es ist der Morris Mini Minor. Er wurde auch auch, in Details verändert, noch als Austin Seven angeboten. Ganze 3,05 Meter lang, aber vier Sitzplätze, 34 PS aus 850 Kubikzentimeter Hubraum, nur wenig mehr als 600 Kilogramm schwer. Das Auto passte in die Zeit der Beatles und des Minirocks. Wendig in der Stadt, enterte der Kleine Parklücken, die "normalen" Autos zu groß waren.

Bald fanden sich kleinere Firmen, die das kultig gewordene Wägelchen aufmotzten und mit Leder und Holz noch individueller machten. Der Mini avancierte zum klassenlosen Spaßmobil auch für Leute, die sich eigentlich ein größeres Auto leisten konnten. Zu den bekanntesten Mini-Fahrern gehörten Enzo Ferrari, Cliff Richard und Günter Netzer. Und natürlich besaß jeder der Beatles einen Mini. Sogar die Queen ließ sich ab und an im Mini chauffieren! Ab 1961 lieh Rennfahrer John Cooper dem Mini seinen Namen für leistungsstärkere Sportversionen. Statt 34 nun 55, dann 70 und später 73 PS. In der 95 PS starken Rennversion siegte der Mini dreimal bei der Rallye Monte Carlo gegen teils doppelt so starke Autos. Erst nach 41 Jahren, im Jahr 2000, endete die Produktion des Ur-Mini. Ein Jahr später brachte der neue Eigentümer BMW den neuen MINI als Neuauflage des kultigen Klassikers. Man achte auf die Großschreibung; BMW hatte Großes mit dem Kleinen vor.

Neuauflage des Mini: Eine ebenso reizvolle wie schwierige Aufgabe

Die bislang zwei Generationen des neuen Mini verkauften sich sehr gut. Die nunmehr dritte soll ab Mitte März den Erfolg fortsetzen. Und so war die Aufgabe für die Mini-Entwickler und Designer ebenso schwierig wie reizvoll: Passte den Mini Cooper an die neue Zeit an. Optimiert ihn, aber verwässert nicht seinen Kult-Status. Denn ein Mini muss optisch ein Mini, ein Mini, ein Mini sein. Egal was unterm Blech steckt. Und so ist auch die nunmehr vierte Generation, die Mitte März zu kaufen sein wird, kein Stilbruch. Eben ein Mini.

Gegenüber dem Vorgänger ist der neue Mini noch mal um mehr als neun Zentimeter gewachsen.
Gegenüber dem Vorgänger ist der neue Mini noch mal um mehr als neun Zentimeter gewachsen.Foto: Hersteller

Und doch anders. Die wie aufgequollen wirkende Frontpartie ist den Anforderungen des aktuellen schärferen Fußgängerschutzes geschuldet. Die bei dieser Generation einmal mehr gewachsenen Außenmaße haben ihre Ursache in der neuen konzerneigenen Frontantriebsplattform, die in zwei Jahren auch die aktuelle BMW Einser Baureihe übernehmen wird. Im Einzelnen: 2,8 Zentimeter mehr Radstand, 4,4 Zentimeter breiter, vorn 4,2 Zentimeter größere Spurbreite, hinten 3,4 Zentimeter. Das Kofferraumvolumen wurde um 51 Liter auf 211 Liter Volumen erweitert. Der neue MINI ist Maxi geworden. Mit seinen nunmehr 3,82 Metern Länge ist er 77 Zentimeter länger als der Ur-Mini und noch immer 9,8 Zentimeter gegenüber dem Vorgänger gewachsen.

Einstieg nach hinten bleibt umständlich

Ein Raumwunder ist er dennoch nicht geworden; eher ein Sportler mit eng anliegendem Dress. Auch der Neue ist eher ein 2+2-Sitzer. Zwei 1,80-Meter-Leute können noch immer nicht hintereinander sitzen; ganz abgesehen vom umständlichen Einstieg in die zweite Reihe. Die 63 Zentimeter niedrige Ladekante ist gut; die tiefe Stufe innen eher nicht. Gut, wer einen Mini kauft, will kein Transporteur werden. Der will ein heutiges Kultauto, das anders ist als die automobile Kleinwagenmasse. Und er will Spaß haben. Deshalb ist auch dieser Maxi-MINI innen nicht grundlegend verändert worden. Offenbar konnte sich die Fraktion durchsetzen, die den neuen MINI im Innenraum zwar viel hochwertiger erscheinen lassen wollte, ihn aber nach wie vor als fahrende Spielekonsole mit Spielereien und Gimmicks präsentieren wollte.

Immer noch ganz schön rund: Das Interieur des Mini hat sich seinen Charakter ebenfalls bewahrt.
Immer noch ganz schön rund: Das Interieur des Mini hat sich seinen Charakter ebenfalls bewahrt.Foto: Hersteller

So ziert das Pizza-große Rundinstrument in der Mitte – ein Muss für jeden MINI der Neuzeit. Mittlerweile Kult bei den meisten. Gehasst von nur wenigen – nun ein LED-Ring. Der leuchtet, Aufmerksamkeit heischend, intensiv in verschiedenen Farben: blau, wenn über die Bluetooth-Verbindung ein Anruf gemeldet wird. Rot, wenn die Drehzahlgrenze erreicht ist. Grün, wenn die serienmäßige Start-Stopp-Automatik aktiviert ist. Oder einfach nur bunt, so als netter Showeffekt.

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