Auto : Der Passat der Herzen

Nie wieder langweilig: Mit dem CC will VW Autokäufer auch emotional packen

Kai Kolwitz

Eine Sache gibt es, die scheint nicht zu stimmen, wenn man den Passat CC zum ersten Mal umkreist. Da, das Runde im Kühlergrill. Das VW-Logo. Man hätte es an diesem Wagen nicht erwartet. Irgendwie sieht er dafür, naja, zu edel aus.

Denn natürlich hat die aktuelle Modellpalette der Wolfsburger eine Menge Qualitäten: gute Fahrwerke, moderne Motoren, gute Verarbeitung. Nur das Design – allen voran Golf und Passat tun sich in den Augen vieler schwer damit, Käufer nicht nur über den Kopf, sondern auch übers Herz zu begeistern. Doch das hat man auch bei VW erkannt: Ab Herbst soll der Scirocco die Marke emotional aufladen, schon ab dem heutigen Samstag steht der Passat CC bei den Händlern.

Und wie er da steht: Gegenüber dem Normal-Passat ist er in Länge und Breite ein paar Zentimeter gewachsen, dafür deutlich niedriger geworden. Vor allem hat er aber um Welten mehr Präsenz als der Bruder im Alltagsanzug. Dafür sorgen Designelemente wie die Haube mit dem angedeuteten Powerdome, die in die Kotflügel gezogenen Scheinwerfer, die markante Kante an der Seite und natürlich vor allem das flach-gestreckte Dach mit dem schrägen Abschluss. CC soll schließlich nach VW-Lesart für „Comfort Coupé“ stehen.

Die Viertürer mit der Coupé-Silhouette kommen gerade in Mode: Mercedes hat den Trick mit dem CLS vorgemacht, erste Infos zu einem Flachdach-Ford auf Mondeo-Basis sind ebenfalls schon durchgesickert. Vorteil: Im Unterschied zu den Zeiten, in denen Coupés noch eng geschnittene Zweitürer waren, auf deren Rückbank es sich oft nur in Notfällen aushalten ließ, bietet die neue Generation nur marginal weniger Alltagstauglichkeit als klassische Limos. Gilt so etwas dann überhaupt als Coupé? Egal.

Was die Definition angeht, geht der Passat mit gutem Beispiel voran: Der Kofferraum liegt mit 532 Litern Volumen nur wenig unter dem der Limousine, dafür sogar über dem des größeren CLS. Wer noch mehr braucht, kann außerdem eine geteilt umklappbare Rückbank ordern, mit der der Ikea-Trip endgültig kein Problem mehr sein sollte. Und was den Innenraum angeht: Auf der Rückbank haben auch Größergewachsene keine Probleme mit der Kopffreiheit, für die Knie gibt es dank Passat-Randstand sowieso Platz im Überfluss. Wären nicht wie in unserem Testwagen Einzelsitze hinten verbaut – man könnte den Passat CC locker als Taxi laufen lassen.

Nun dürfte dieser Einsatzzweck allerdings nicht exakt das sein, was VW im Auge hatte. Neben der Sache mit der Emotionalität soll der Neue auch seinen Teil dazu tun, die riesige Lücke zu schließen, die bisher in der Modellpalette zwischen Passat und Phaeton klaffte. Preislich ist er deshalb in der 30 000-Euro-Klasse eingeordnet, in der Käufer auch schon Mercedes-C-Klasse oder BMW 3er in Reichweite haben. Und das bedeutet: Edles Ambiente im Innenraum ist Pflicht. Kein Problem für den Passat CC: Zwar wurden Passat-Elemente übernommen, doch viel Leder, Holz und Alu lassen das „Comfort Coupé“ deutlich wertiger wirken – die Verarbeitung war ja auch schon beim Normalo über alle Zweifel erhaben. Und, sehr positiv: Für den CC hat VW die blaue Instrumentenbeleuchtung in Rente geschickt. Jetzt dominiert hier Weiß, wie auch beim Phaeton schon.

Für eine Testrunde haben wir uns den Passat CC mit dem 140-PS-Basisdiesel ausgeborgt, der zusammen mit dem 1,8-Liter-TSi-Benziner (160 PS) den Einstieg in die CC-Welt bedeutet. Mit ihm zieht der Neue angesichts der Leistung überraschend gut aus dem Drehzahlkeller, die Lenkung ist exakt, der ganze Wagen liegt auf eine unspektakuläre Weise sehr gut auf der Straße – wohl auch ein Verdienst des adaptiven DCC-Fahrwerks, das beim Diesel allerdings als Extra zu bezahlen ist. Dafür bietet es aber auch kontinuierlich sich auf die Straße einstellende Dämpfer und insgesamt drei Fahrwerksprogramme – keine Welten liegen zwischen „Sport“ und „Komfort“, aber doch nette Nuancen für das Feintuning. Auch sehr schön: Auf der Tour ließ sich der Schnitt trotz schneller Autobahnabschnitte bei unter sechs Litern Diesel halten und damit bei dem, was auch VW den Käufern verspricht (CO2: 153 g/km). Erst jenseits der 180 km/h geht dem Diesel ein bisschen die Luft aus, und, einziges wirkliches Ärgernis: Die Sicht nach hinten ist durch die hochgezogene Gürtellinie ziemlich mau – das Problem teilt sich der CC allerdings mit fast allen modernen Entwürfen.

Alternativ könnte man den CC für gut 40 000 Euro auch mit einem 300-PS-V6 bekommen, bei dem Allrad und DCC serienmäßig an Bord wären. Aber der Großteil der Käufer dürfte wohl eine der kleineren Varianten wählen. Bleibt die Frage: Was nun mit dem VW-Logo? Bis es den Betrachter bei einem Fahrzeug dieser Klasse nicht mehr wundert, wird es wohl noch eine Weile dauern. Aber VW-Chef Martin Winterkorn kommt ja von Audi. Und dort weiß man sehr gut, dass so ein Imagewandel nicht übers Knie gebrochen werden kann.

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