Auto : Der Sonne nach und dann einfach weiter

… und noch einem Renault, dem kleinen „Wind“ UNTERWEGS IM ALLTAG – mit dem Mégane CC …

Auf den ersten Blick …

fragen wir uns, ob das wirklich ein Cabrio ist. Schön, elegant, einladend? Nein, dieser Zweisitzer hat wenig davon, nicht im geschlossenen Zustand. Da fehlt was, denken wir mit Blick auf das Heck; die Fahrerkabine endet abrupt hinter den Vordersitzen, fällt steil ab und verliert sich auf einem Plateau, das als Picknicktisch taugte, wäre da nicht ein Spoiler am Ende des Deckels. Von vorn ahnt man die Verwandtschaft des Däumlings: Die Scheinwerfer verraten den Twingo im Wind.

Pluspunkte gibt es vor allem für …

das Lächeln. Nicht das des Autos. Gemeint ist das der Freundin, die angesichts der Ankündigung „offener Twingo“ mit dem Schlimmsten gerechnet hatte. Jetzt steht sie davor und schaut, als habe der Wind sie schon vor dem Einsteigen rumgekriegt. Auch an der Ampel bandelt der Kleine so schnell mit staunenden Fußgängern an, wie es nicht mal Sportwagen dreifachen Wertes vermögen. Denn inzwischen haben wir das Dach weggeklappt und damit den Charme des Autos freigelegt: Oben ohne sieht man einen französischen Kleinwagen nicht alle Tage. Unser Einsatz beim Luftholen beschränkt sich auf zwei Handgriffe: Ein Drehhebel im Dach löst die Verriegelung und per Kippschalter in der Mittelkonsole hebt sich die einteilige Stahlhaube in den Himmel, um im Kofferraum zu versinken. Zwar ist so eine Show längst nichts Besonderes mehr. Aber Renaults Winz hat den anderen etwas voraus: Die Auf-hoch-weg-Prozedur geht rasend schnell. Zwölf Sekunden – und es war Sommer. Der fühlt sich unterwegs allerdings ziemlich stürmisch an: Der Wind meldet sich selbst bei mittlerem Tempo und hochgefahrenen Fensterscheiben ungestüm zu Wort. Spaß machen Spritztouren trotzdem. Das Auto fährt sich wendig und leicht; der Motor geht mit seinen 100 PS ausgesprochen frohgemut zu Werke; das Fahrwerk schluckt nicht zu viel von der Straße. Kurven machen Freude, solange man es beim Hindrehen nicht übertreibt und die mauen Bremsen unter Zugzwang geraten. Toll sind das griffig-dicke Lenkrad und die wohlgeformten Sitze, wie man sie sonst bestenfalls in veredelten Sportversionen findet.

Weniger Charme haben …

Kleinigkeiten, die der Wind aber durch sein gewinnendes Ganzes locker wett macht: Der sechste Gang fehlt. Die Türen lassen sich Twingo-like nur mit einem Hebelchen öffnen, die Kofferraumklappe hat überhaupt keinen Griff. Ablagen im Innenraum sind Fehlanzeige, ein paar Quadratzentimeter Luxus gibt es nur dort, wo sonst die Rückbank platziert ist. Die Fensterheber sitzen tief – was nervt, weil die Scheiben nach dem Schließen des Daches nicht automatisch hochfahren. Auf unebener Fahrbahn und bei schnellen Lastwechseln gerät der Renault ganz schön ins Zittern. Doch gemach: Wäre der Wind so verwindungssteif, wir wir es von den Großen gewohnt sind, würde man ihn wohl kaum für 16 900 Euro bekommen.

Das spannendste Detail …

ist die Dachkonstruktion. Das Blech faltet sich nicht im Kofferraum weg, wenn es geschlossen wird. Vielmehr wird es von der Heckklappe geschluckt. Außen führt das zu einer gewöhnungsbedürftigen Hochebene. Innen hat es einen entscheidenden Vorteil: Der Platz im Kofferraum ist im offenen wie im geschlossenen Zustand derselbe, weil für das Dach nichts vorgehalten werden muss. Den Nachteil, dass die Kofferraumklappe mit integriertem Dach entsprechend schwer und unhandlich ist, nimmt man billigend in Kauf.

Unterm Strich das richtige Auto für …

alle, die schon immer auf Überraschungseier stehen. Was Renault aus seinem langweiligen Twingo II herausgemendelt hat, ist aller Ehre wert: Uns jedenfalls hat der Wind mindestens doppelt so viel Spaß gemacht wie Cabrios, die das Doppelte kosten. eric

Auf den ersten Blick ...

kommt es gleich aufs Tapet, das leidige Thema: Coupé-Cabrios aus Frankreich haben einen dicken Hintern, genauer: Sie haben ein kräftiges Heck, das sich weit in die Höhe reckt. Zwar hat Renault die Sache verträglicher hinbekommen als bei den Vorgängern des Mégane. So richtig stimmige Proportionen ergeben sich aber immer noch nicht. Auch die Seitenlinie irritiert – vermutlich, weil ein großer Überhang vorne unseren Sehgewohnheiten auf klassische Karosserien widerspricht.

Pluspunkte gibt es vor allem für …

das extrem ausgewogene Fahrverhalten. War es früher noch leicht, bei Renault den Finger in die ein oder andere Wunde zu legen, hat man bei den Mégane neuester Generation Mühe, überhaupt eine zu finden. Alles wirkt ausgereift: gut ausbalanciertes Fahrwerk, hinreichend direkte Lenkung, sanfte Handschaltung. Zugleich ragt aber auch nichts heraus. Auch nicht der 1,4-Liter-Turbo. Der Benziner ist ein kommoder Allrounder, der seinen Job unaufdringlich erledigt. Ab und an wünscht man sich etwas mehr Dampf beim Beschleunigen; fürs sonntägliche Cruisen indes passt alles perfekt. Bei der Verarbeitungsqualität hat Renault weiter Fortschritte gemacht; selbst die Türverkleidungen sind inzwischen hinterschäumt, was sich genauso wertig anfühlt wie das zweifarbige Leder der guten Sitze. Begeistert hat uns das Glasdach. Das kleine Schwarze sieht nicht nur edel aus. Es vermittelt auch in einem verhangenen Juli wie diesem das gute Gefühl, permanent Open Air zu erleben.

Weniger Charme hat …

der Klappmechanimus des Festdachs. Mit 21 Sekunden dauert es länger als bei anderen Cabrios. Da zwischendrin eine kleine Kunstpause entsteht, ist die Zeit gefühlt noch länger. Niedlich ist die Anzeige im Cockpit, wenn das Dach seinen Bestimmungsort erreicht hat: „Manöver beendet“. Gut zu wissen, denn zum Öffnen und Schließen muss man anhalten, was bei plötzlichen Güssen auf dem Berliner Ring tatsächlich in einem ziemlichen Manöver enden kann. Beim Beladen muss man sich mit bauartbedingten Nachteilen arrangieren: Die Ladekante ist relativ hoch und der wenige Platz ist auch noch schlecht zu erreichen, da die obere Lage entweder vom weggeklappten Dach belegt oder dafür reserviert ist. Als grandios gescheitert darf man den Versuch werten, im Mitteltunnel zwischen den Sitzen eine Art i-drive-Bedienung zu etablieren, wie wir sie von BMW kennen. In Verbindung mit dem feststehenden Tom-Tom oben auf dem Armaturenbrett entsteht ein wenig intuitives Kuddelmuddel. Auch nach hunderten Kilometern war uns nicht klar, wann für eine gewünschte Aktion wo welcher Fingertipp fällig ist. Dass Renaults Radio nachts ebenso wenig beleuchtet ist wie die Tasten im Lenkrad, macht die Sache nicht leichter. Die Grafik des Navis sollten Grafiker dringend überarbeiten – an Autobahnkreuzen schaut es auf dem Display aus, als habe man Grundschüler gebeten, ihre Malergebnisse zu digitalisieren.

Das spannendste Detail …

verhindert Fummelei an der Tankstelle. Der Deckel des Einfüllstutzens ist fest mit der Tankklappe verbunden. Es ist also nichts ab- und wieder draufzudrehen: Klappe auf, Pistole rein, Klappe zu. So simpel, so effektiv – und so selten. In Zeiten, in denen allerlei Unsinn die Serienautos verteuert, fragt man sich schon, warum.

Unterm Strich das richtige Auto für …

Freunde französischer Gelassenheit. Wer den Mégane CC fährt, gewichtet das Sein höher als den Schein. Schon geschlossen fühlt man sich dank des Panorama-Glasdachs unter freiem Himmel – und ohne Haube genießt man ihn zumindest bis Tempo 120 ohne ungebührliche Verwirbelung. Renault hat saubere Qualitätsarbeit abgeliefert – der Rest bleibt, wie immer in Frankreich, Geschmackssache. eric

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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