Auto : Der Ton macht den Motor

Beispiel Ford Focus: Designer feilen am Sound

Alles eine Frage des Klangs: Soundoptimierung gehört inzwischen ebenso zur Modellpflege wie das Update in Sachen Design oder die Aktualisierung der Assistenzsysteme. Dabei haben die Akustikspezialisten der Hersteller nicht nur die Modelle der eigenen Marke, sondern immer auch die Konkurrenz im Ohr.

Schon deshalb konnte man bei Ford mit der akustischen Performance des aktuellen Focus nicht zufrieden sein. Der Gesamteindruck sei zwar ganz passabel. „Doch bei starken Beschleunigungsmanövern mangelt es an akustischem Charakter“, bringt es Martin Hildebrandt auf den Punkt. Hildebrandt gehört zu den Experten der Fachabteilung NVH (Noise, Vibration und Harshness) am Ford-Entwicklungsstandort in Köln. Hier wird der Sound für den neuen Focus kreiert, für das neue „Weltauto“ des Konzerns, das Anfang kommenden Jahres in drei Kontinenten auf die Straßen kommen soll. Computergrafiken, die Klangentfaltung in Form von farbigen Feldern in Achsendiagrammen sichtbar machen, zeigen das Resultat schon einmal, bevor der Hersteller sein grunderneuertes Kompaktmodelle offiziell auf die Straße lässt. Über Computer und Kopfhörer geben die Entwickler erste akustische Kostproben. Wenn der Benzinmotor, der das Kompaktmodell künftig mit bis zu 245 PS auf Trab bringen wird, seine volle Leistung entfaltet, liefert das Aggregat standesgemäße Begleitmusik. Anders als beim aktuellen Focus, bei dem die Ohren lediglich kleine Unterschiede zwischen moderater Beschleunigung und Vollgas wahrnehmen können, werden beim Nachfolgemodell Vollgaspassagen mit entsprechender akustischer Power quittiert.

Zwecks Verbrauchsoptimierung werden bei Herstellern landauf landab Hubräume verkleinert und das Leistungsvermögen der Aggregate durch Turboladung gesteigert. Gerade die Turbolader aber zerstören den typischen Motorensound und stellen die Klang-Designer damit vor besondere Herausforderungen, erläutern Fords Sound-Experten. Moderne Motoren werden deshalb mit sogenannten Sound-Symposern ausgerüstet. Ein Symposer erzeugt Schwingungen mit einer Membran und verstärkt durch präzise ausgetüftelte Technik genau die Klangfrequenzen, die von Autofahrern gemeinhin als besonders angenehm und anregend empfunden werden. Mit künstlichem Sound habe das gar nichts zu tun, wehren sich Fords Klangbastler gegen kritische Vorbehalte. Der Motor allein sei die Quelle der Geräusche.

Dem Zweiliter-Dieselaggregat, das im neuen Focus ebenfalls zum Einsatz kommen wird, haben die Kölner Spezialisten zudem das dieseltypische Klopfen abgewöhnt. Weitestgehend zumindest. Selbst bei ambitionierten Überholmanövern hört sich der Dieselmotor kaum anders an als ein Benziner. Das gilt allerdings nur für den Innenraum des Autos, auf den bei der Soundentwicklung das Hauptaugenmerk gerichtet wurde. kili

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