Auto : Des Guten zuviel

Eigentlich ist der A3 mit Quattro-Antrieb eine gute Sache – doch er ist teuer und im alltäglichen Leben unbequem.

Preis und Leistung.
Preis und Leistung.Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Dort hätte er mit unserem Testwagen jede Menge Spaß, garantiert doch der Quattro-Antrieb in Tateinheit mit 180 durchtrainierten PS das, was noch weiter südlich als Freude am Fahren bekannt wurde. Die Rede ist vom Audi A3 in seiner zivilen Top-Version. Den Pferdetrainer mimt ein Turbolader, der dem 1,8-Liter Vierzylinder ordentlich Leistung zupustet. Der Esel kommt ins Spiel, wenn es um die Ausstattung des Kompaktwagens geht.

Unter winterlichen Bedingungen ist ein Allradantrieb etwas besonders Feines. Das weiß man bei Audi schon lange und hat die Kunst der Kraftverteilung auf vier Räder in den vergangenen dreißig Jahren ständig optimiert. Leichtfüßig bewegt sich der A3 auf festgefahrenen Schneedecken, reagiert exakt auf Gasstöße und kommt unbeeindruckt vom rutschigen Untergrund sicher ums Eck. Das ändert sich auf schneefreier und trockener Piste nicht. Der A3 ist ein fahraktives Exemplar der Gattung Kompaktwagen. Unser Testauto war zudem mit dem sportlichen S-Line-Paket ausgestattet, was dem Eindruck, hier eigentlich einen Sportwagen zu fahren, weiter Nahrung gab.

Zur Kraftverteilung verfügt der Quattro zudem über das sechsgängige Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic, dessen Fahrstufen man mittels Schaltpaddeln am unten sportlich abgeflachten Lenkrad blitzschnell wechseln kann. Sportsitze mit ausgeprägten Seitenwangen runden das Paket ab. Alles sehr fein verarbeitet, wie man es von Audi nicht anders erwartet. Man steigt ein, sucht und findet den Startknopf und dann den kürzesten Weg zu kurvigen Landstraßen oder vielleicht einer kleinen Rennstrecke. Dieser A3 will gefordert werden und das macht durchaus Vergnügen, auch wenn der Verbrauch dann knapp das Doppelte der EU-konform gemessenen 6,6 Liter beträgt (CO2-Ausstoß: 152 g/km).

Leider führt nicht jede Tour über einsame Landstraßen oder leere Autobahnen, auf denen man die Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h locker erreicht und, glaubt man dem Tacho, auch übertrifft. Leider gibt es so etwas wie Autoalltag und da macht der sportliche A3 keine ganz so gute Figur. Dann fangen die engen Sportsitze an zu drücken, wenn man etwas längere Beine und ein paar überflüssige Pfunde hat, und die Klagen aus dem Fond über unbequeme Sitze waren ungewöhnlich heftig. Außerdem melden sich Schlaglöcher nachdrücklich und überhaupt: Die gesamte sportive Haltung des Wagens kann störend wirken, wenn man einfach nur müde nach der Arbeit nach Hause rollen möchte. Fährt man entsprechend gelassen, liegt der Verbrauch übrigens um 7,5 Liter, was für ein Auto dieser Leistungsklasse in Ordnung geht.

Weniger in Ordnung scheint uns für ein Kompaktklassemodell – auch wenn es „Premium“ darstellen soll – die Aufpreispolitik. Zum Einstiegspreis von immerhin 33 550 Euro gesellten sich im Falle unseres Testexemplars insgesamt 34 Extras zum Preis zwischen 30 Euro für den vorderen Aschenbecher bis 2724 Euro für das Navigationssystem. In Summe kommen so 49 960 Euro zusammen und es gibt weitere Möglichkeiten, den Kaufpreis zu erhöhen. Vieles davon ist sinnvoll, manches gewöhnungsbedürftig, wie die MMI-Touch-Funktion, die wir ein ums andere Mal versehentlich betätigten. Manches scheint aber auch einfach albern. Wieso benötigt ein Fahrzeug mit Automatik einen Anfahrassistenten für 80 Euro? Zugegeben, auf diesen Betrag kommt es dann auch nicht mehr an.

Fazit: Ein schöner Sport-Wagen, aber die meisten Menschen werden mit einem etwas weniger dynamische daherkommenden A3 besser zurecht kommen. Beim Ankreuzen der Extras sollte man sich vor Eseleien hüten. sppr

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