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Designschmiede wird 100 : Das ist doch… Bertone

08.05.2012 08:00 Uhr
Seit gut 100 Jahren ist Bertone ein Begriff für extravagantes, aber auch für massentaugliches Automobildesign. Ein Spagat, der nur wenige Designschmieden über die Zeit geschafft haben. Bertone hat den Weg von der Stellmacherei, also der Werkstatt für Pferdekutschen, zu einem innovativen Designzentrum des 21. Jahrhunderts gemeistert. Und das Turiner Unternehmen wusste dabei immer wieder zu überraschen mit Entwürfen, die Autoliebhaber in Verzückung versetzen.Bilder
Seit gut 100 Jahren ist Bertone ein Begriff für extravagantes, aber auch für massentaugliches Automobildesign. Ein Spagat, der nur wenige Designschmieden über die Zeit geschafft...

Faszinierende Einzelstücke und stilbildende Serienautos: Die italienische Designschmiede Bertone wird 100 Jahre alt. Sie hat Automobildesign salonfähig gemacht und zahlreiche unvergessliche Modelle geschaffen.

Scharfe Kanten und harte Konturen – das sind die Stilelemente, mit denen Nuccio Bertone das Automobildesign in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts revolutionierte. Der Italiener machte den Supersportwagen zum Keil und das Allerweltsauto zur Haute Couture.

Stilgeschichte schrieb Nuccio Bertone stets mit fremden Federn, die jedoch immer von ihm geformt wurden. Ob Franco Scaglione, Giorgetto Giugiaro oder Marcello Gandini, viele der bedeutendsten Designgrößen des 20. Jahrhunderts wurden von ihm entdeckt und engagiert. Mit diesen großen Namen gelang es dem Unternehmer und erfolgreichen Netzwerker Bertone seine Turiner Carrozzeria sicher durch stürmische Zeiten zu steuern.

Eines der ersten Designstudios

Gegründet wurde das Unternehmen im November 1912 von Giovanni Bertone, zunächst als Stellmacherei und Reparaturwerkstatt für Kutschen. Mit Einzelanfertigungen und der Erfüllung von Sonderwünschen für wohlhabende Kunden machte es sich schnell einen Namen. 1920 etablierte Bertone seine Carrozzeria als eines der ersten Designateliers der Automobilindustrie.

Nachdem 1933 der 19-jährige Nuccio Bertone eine leitende Position im väterlichen Unternehmen übernommen hatte, begann in einem neuen Werk die Serienproduktion von Karosserien, vor allem für sportliche Fiat und Lancia. Nach dem zweiten Weltkrieg stürzte das Unternehmen jedoch wie fast alle Karosseriebauer in eine existenzielle Krise. In dieser Situation zeigte sich zum ersten Mal das Talent des Nuccio Bertone, der zu einem Netzwerker mit Kontakten zu allen wichtigen Automobilherstellern und aufstrebenden Couturiers geworden war. Beste Basis für einen Start in die Wirtschaftswunderjahre mit aufregend gezeichneten und für viele erschwinglichen Sportwagen.

Über Nacht zum Großserienhersteller

Den dafür notwendigen Designer fand er in Franco Scaglione. Der schneiderte kurz darauf für Alfa Romeo aus der viertürigen Giulietta ein betörend schönes Coupé, das bei Bertone in einer eigens gebauten Fabrik vom Band lief. Aus ursprünglich avisierten 1.000 Giulietta Sprint wurden 40.000 Einheiten und die Grundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Alfa und Bertone.

Bertone für Jedermann. Der Audi 50 – gebaut ab 1974.Bild vergrößern
Bertone für Jedermann. Der Audi 50 – gebaut ab 1974. - Foto: Promo

Über Nacht war Bertone ein Großserienhersteller geworden, der nun Neuheiten wie am Fließband produzierte. Meist waren es stilbildende Pretiosen wie die stromlinienförmigen Abarth und Alfa Romeo BAT-Coupés oder Einzelstücke für Bentley, Jaguar oder Maserati, aber auch immer mehr Volumenfahrzeuge von Alfa Romeo, NSU und BMW.

Nach einem kurzen, obschon erfolgreichen Zwischenspiel von Giorgetto Giugiaro, begann 1965 einen neue Ära unter dem neuen Designdirektor Marcello Gandini. Der machte den Keil zum Kult und Lamborghini zum härtesten Rivalen von Ferrari. Zunächst mit dem Miura als erstem Mittelmotor-V12-Racer (ab 1966), dann mit den viersitzigen V12-Ikonen Marzal (1967) und Espada (1968) und schließlich mit dem Jahrhundert-Donnerkeil Countach (1971). Sogar den Lamborghini Diablo von 1990 brachte Gandini noch in Form, jetzt schon als Freelancer mit eigenem Studio für Bertone.

Für die Auslastung der Produktionskapazitäten bei Bertone sorgten gegen Ende des 20. Jahrhunderts neue Kooperationen mit Volvo (Coupés 262 und 780) und Opel (Kadett E Cabrio sowie Astra Cabrio und Coupé). Spätestens Mitte der 1990er Jahre spürte Nuccio Bertone allerdings, dass sich die Ära der unabhängigen Karossiers ihrem Ende näherte. Die großen Automobilkonzerne bauten Coupés und Cabriolets immer öfter in eigenen Werken und eine Carrozzeria konnte nur überleben als Ideenfabrik und Designstudio. Eine Transformation, die Bertones Unternehmen im Unterschied zu vielen Konkurrenten tatsächlich gelingen sollte. (sppr)

Bildergalerien: "Opel Rekord D - Der Schönling aus Rüsselheim"...

...und "Neues von der Tokio Motorshow - Designer unter Strom"

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