• Die Augen sagen alles – auch den Weg In einem Forschungsauto wird mit Blicken gelenkt

Auto : Die Augen sagen alles – auch den Weg In einem Forschungsauto wird mit Blicken gelenkt

Als hätte er eine Pistole im Rücken, hält der Fahrer des Mini-Vans der Marke Dodge die Hände in die Höhe. Dabei rollt sein Wagen am Freitag schnurrend im Kreis über den einstigen Flugplatz des Flughafens Tempelhof in Berlin. Die Pose soll beweisen, dass nicht die Hände des Fahrers den Dodge lenken, sondern seine Augen. Eine technische Sensation mit begrenztem Nutzwert. „Bisher sind diese Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen verboten“, sagt Raúl Rojas, Informatiker und Leiter der Arbeitsgruppe an der Freien Universität (FU) Berlin, die den Wagen entwickelt hat.

Sein junger Kollege, der im Auto sitzt, trägt einen Fahrradhelm, auf dem eine Kamera angebracht ist. Sie zeichnet die Augenbewegungen des Fahrers auf und sendet sie an einen Computer. Der wandelt die Informationen in Steuersignale für das Fahrzeug um. Für den gesamten Prozess sind zahlreiche Rechner, Kabel und Sensoren notwendig, die am und im Auto montiert sind. Rund 150 000 Euro kostet das Fahrzeug, das die Wissenschaftler liebevoll „Spirit of Berlin“ nennen.

Was aber, wenn der Fahrer durch Werbung am Straßenrand abgelenkt wird? „Kein Problem“, sagt Rojas. Die Sensoren melden, ob hier eine Straße abzweigt, oder nicht und verwerfen das Abbiegen, falls es keine gibt. Überquert allerdings ein hübsches Mädchen die Straße an einer Kreuzung, an der der Fahrer eigentlich geradeaus fahren möchte, hat er Pech. Blickt er ihr nach, dreht der Dodge ab. Allerdings ist das Augen-gesteuerte Fahrzeug nicht für die Massenproduktion entwickelt. „Es ist ein technischer Schritt auf dem Weg zum fahrerlosen Auto“, sagt Rojas. Die Arbeitsgruppe „Künstliche Intelligenz“ an der FU ist eines von vielen Teams, die weltweit an fahrerlosen Autos arbeiten. Führend sind US-Universitäten wie die Universität Stanford oder die Carnegie Mellon Universität, doch Rojas sieht die FU durchaus in der ersten Liga. „Wir mischen vorne mit.“

Im November 2007 war es in Kalifornien zu einem ersten Wettrennen fahrerloser Autos gekommen. Die Berliner waren dabei. Seitdem, sagt Rojas, der aus Mexiko stammt und vor 27 Jahren nach Deutschland kam, wurden die Steuerung der Fahrzeuge und das Erkennen von Hindernissen verbessert. Zur Demonstration wirft Rojas einen schwarzen Schaumstoffwürfel in die Fahrspur des Mini-Vans. Prompt reagiert das Auto und stoppt. Als Rojas sich selbst dem Wagen als Hindernis in den Weg stellt, kommt der Dodge allerdings bedenklich nah, bevor er hält.

Noch 20 bis 30 Jahre wird es nach Einschätzung des Wissenschaftlers dauern, bis die Technik ausgereift ist und der Gesetzgeber fahrerlose Autos zulässt. Rojas ist überzeugt, dass Computer besser fahren als Menschen: „Die Sicherheit des Systems kann auf ein Niveau gebracht werden, das sicherer ist, als von Menschen gesteuerte Autos“, sagt er. In hundert Jahren, so glaubt er, gibt es nur noch Autos, die von Computern gelenkt werden. afp

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