Die automobile Raritäten-Sammlung von Bruce Meyer : Leidenschaft made in Zuffenhausen

Am prominenten Rodeo Drive versteckt sich ein sehr sehenswertes Automobil-Museum mit vielen Raritäten. Die Sammlung von Bruce Meyer gehört weltweit zu den wertvollsten ihrer Art. Man munkelt, der Sportwagen-Enthusiast nennt rund 700 Liebhaberstücke sein eigen.

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Die Raritäten-Sammlung von Bruce Meyer hat nicht nur für Automobil-Fans ausgesprochene Leckerbissen zu bieten. Auch Boote und seltene Motorräder besitzt der Kalifornier.
Die Raritäten-Sammlung von Bruce Meyer hat nicht nur für Automobil-Fans ausgesprochene Leckerbissen zu bieten. Auch Boote und...Foto: Sabine Beikler

Der Rodeo Drive in Beverly Hills ist mit Dollarnoten gepflastert. Auf der zwei Meilen langen Flaniermeile zwischen Luxusboutiquen und den teuersten Einkaufstempeln der Welt zeigen Passanten gern, was sie sich leisten können. Wer rund um den Rodeo Drive eine Immobilie besitzt, kann sich mit den Mieteinnahmen ein sorgloses Leben machen. Oder er ist einer der unprätentiösesten Sammler von Autos, Oldtimern, Motorrädern und Booten. Die Sammlung von Bruce Meyer gehört weltweit zu den wertvollsten Automobil-Ausstellungen. Sie ist untergebracht in einem unscheinbaren Bürogebäude im Herzen von Beverly Hills. Zwischen Coffee-Shops und Parkhäusern hat Meyer seine „Garage“. Er steht zwischen Corvettes, Dragsters, Duesenbergs, einem Ferrari 250 SWB und einem Porsche 935, Gesamtsieger in Le Mans 1979, und sagt bescheiden: „Ich bin kein Sammler, ich bin Enthusiast.“

Wie viele Autos, Classic-Boote oder Motorräder er besitzt, kann oder besser: will der 74-jährige Geschäftsmann nicht sagen. Man munkelt, es seien rund 700 Liebhaberstücke, die Meyer in seinem Anwesen oder in seiner „Garage“ hegt und pflegt. Er stammt nicht aus einer PS-begeisterten Familie, sondern aus bescheidenen Verhältnissen. Als er Student im ersten Semester in Berkeley war, versteckte er sein Motorrad vor den Eltern und fuhr heimlich Motorradrennen. „Mein Vater hasste Motorräder“, sagt er. Heute hat der Sohn ein riesiges Wandregal voller Classic Bikes: Indians, Harleys, Norton-Modelle, Eigenanfertigungen.

Viele der Sportwagen haben eine prominente Vergangenheit

Der Showroom ist minimalistisch gehalten mit einem leuchtenden Schriftzug „used Cars“ an der Wand, Büchern, Auszeichnungen und Sitzgelegenheiten. Der Blick schweift automatisch auf die Autos. Er selbst fuhr neben Motorrad- auch Autorennen. Er wurde mit Hot Rods groß, also modifizierte, meist US-amerikanisches Automodelle aus den 1920er bis 1940er Jahren, deren Originalmotor durch leistungsstarke V8-Aggregate ersetzt wurde. In einer Ecke der Halle steht auch ein Rennwagen, mit dem Bruce Meyer erst vor ein paar Jahren mit 205 Meilen pro Stunde über den Bonneville-Salzsee in Utah raste. Seitdem gehört er lebenslang zum exklusiven Bonneville-200-mph-Club.

Sammler aus Leidenschaft: Ursprünglich stammt Bruce Meyer aus bescheidenen Verhältnissen. Ein echter Self-Made-Man, aber trotz allem bescheiden.
Sammler aus Leidenschaft: Ursprünglich stammt Bruce Meyer aus bescheidenen Verhältnissen. Ein echter Self-Made-Man, aber trotz...Foto: Sabine Beikler

Meyer startete seine berufliche Karriere mit einem Kerzenhandel und baute einen Handel mit Luxusgütern auf. Seinen ersten Porsche kaufte er 1960 für 2700 Dollar. Seitdem habe er Porsche „geliebt“, sagt er. Fünf Jahre später war er in Los Angeles der erste Besitzer eine Porsche 911. Seitdem hat er wohl ein gutes Dutzend Fahrzeuge besessen, die er zum Großteil selbst in Zuffenhausen abholte.

Aber er liebt auch andere Marken. „Ich lebe meine Kindheit jetzt aus“, sagt er – mit dem dafür nötigen Kleingeld. In seiner Garage stehen seltene Sammlerstücke wie ein 1929er US-amerikanischer Duesenberg, ein englischer Bentley aus dem gleichen Baujahr, die erste serienmäßig produzierte Shelby Cobra, ein 1957er Ferrari Testarossa im früheren Besitz von John von Neumann, Ferrari-Distributor in Kalifornien und Rennfahrer, oder das 300 Sc Mercedes-Benz Cabriolet Baujahr 1957, das er von Clark Gables Witwe kaufte. Ein Lieblingsstück hat Bruce Meyer in seiner Sammlung nicht. Aber es gibt einen Porsche 935 mit bewegter Geschichte, Gesamtsieger in Le Mans 1979, mit Klaus Ludwig und den Whittington-Brüdern Bill und Don, zwei später verurteile Drogendealer.

Mittlerweile sind es 13 Porsche - und in jedem steckt Leidenschaft

Don legte für seinen eigenen Start bereits 200.000 Dollar auf den Tisch. Doch Teamchef Manfred Kremer wollte dessen Bruder Bill nicht fahren lassen. Daraufhin fragte Don: „Und was wäre, wenn es mein Auto wäre?“ Kremer: „Dann kannst Du machen was Du willst.“ Kremer beriet sich mit seinem Fahrer Ludwig, der sagte: „Verlang einfach nochmal 200.000 Euro.“ Das tat er, und Don legte das Geld kurzerhand auf den Tisch. Als die Brüder später im Gefängnis saßen, überließen sie das Auto einem Museum. 30 Jahre später nun gehört dieser Porsche Bruce Meyer.

Der Auto-Enthusiast will seine Autos so oft wie möglich auf der Straße zu bewegen wie den besagten 935er bei der Porsche-Rennsport-Reunion auf dem Laguna Seca Raceway nahe Monterey. In diesem Jahr fand auf Einladung von Porsche zum fünften Mal das weltweit größte Porsche-Treffen statt. An diesem Wochenende sind 57.000 Fans nach Laguna Seca gekommen. Die Fans stehen schon lange vor dem Beginn der Autogrammstunde an, um sich die Unterschriften der Rennfahrerlegende abzuholen.

„Rennsport“ - dieses deutsche Wort benutzen auch die Amerikaner, die die Marke Porsche verehren. „Das hat eben Tradition“, sagt Gerald McCormick. Der ehemalige Jurist aus Jackson, Mississippi, sammelt Porsches seit 1976. In Laguna Seca zeigt er einen seltenen 356 Speedster, den er jahrelang restauriert hat. Auf die Frage, wie viele Porsche er hat, fängt er an zu zählen. „Eins, zwei. Nein, neun.“ Am Ende kommt er auf 13 Exemplare. Und in jedem steckt Leidenschaft.

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