Die Kleinwagenoffensive von Opel : Ganz groß im Kleinen

Mit Geschick und Mut mischen die Opelaner das Kleinwagensegment auf: Corsa, Adam und jetzt Karl - die kleinen Opel-Flitzer sind groß im Kommen.

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Frischer Wind im Kleinwagensegment: Nach dem flotten Adam und dem soliden Corsa mischt nun der Opel Karl als kleinster Blitzträger den Markt auf.
Frischer Wind im Kleinwagensegment: Nach dem flotten Adam und dem soliden Corsa mischt nun der Opel Karl als kleinster Blitzträger...Foto: promo

Seit der ehemalige VW-Manager Karl-Thomas Neumann bei Opel das Sagen hat, weht ein frischer Wind durch die Entwicklungsstudios. Er gibt in Rüsselsheim die neue Richtung vor, und die Opelaner haben nun nicht nur ihr Selbstbewusstsein wieder entdeckt, sondern auch gegenüber der mächtigen Mutter General Motors in Amerika neue Freiräume erkämpft. Und plötzlich zeigen die Rüsselsheimer auch den anderen Herstellern, dass man selbst mit vergleichsweise wenig Geld viel erreichen kann, wenn man das Ganze mit einigem Gehirnschmalz und viel Engagement kombiniert – und neuen Mut beweist.

Kleinwagenfamilie mit Kuckuckskind

Marcus Ziegler, Direktor Großkunden bei Opel, spricht bereits von der großen Offensive bei den kleinen Autos mit dem Blitz im Grill. Denn bis zum Jahr 2022 werde das Segment der Kleinstwagen in Deutschland von 195.000 Neuzulassungen vor fünf Jahren auf dann rund 270.000 Neuzulassungen wachsen. Opel möchte da ganz vorn mit dabei sein. "Deshalb bringen wir neben dem Allrounder Corsa und dem Individualisierungschampion Adam jetzt als smartes Einstiegsmodell den Karl an den Start", erklärt Ziegler den Grund für den Start des neuen Kleinstwagens. Das schlaue Kleinst- und Kleinwagen-Trio ist das Paradebeispiel für die neue Opel-Offensive: Corsa, Karl, Adam und der Ableger Adam Rocks sind vier ganz unterschiedliche Autos. Opel spricht zwar von einer Kleinwagenfamilie, tatsächlich jedoch ist der ganz neue Karl ein Kuckuckskind.

Der Klassiker: Seit 1982 ist der Opel Corsa aus dem Kleinwagensegment nicht mehr wegzudenken.
Der Klassiker: Seit 1982 ist der Opel Corsa aus dem Kleinwagensegment nicht mehr wegzudenken.Foto: promo

Während sich Corsa und Adam Plattformkomponenten teilen, nutzt der Karl eine GM-Konzern-Technikarchitektur aus Korea, auf der die Schwestermarke Chevrolet parallel den neuen Spark entwickelt hat. Beide, Karl und Spark, werden in Korea gebaut. Nur tritt die Marke Chevrolet nicht mehr in Europa an. Beim Bestseller Corsa reicht zum Beispiel die Leistungs-Bandbreite vom 11980 teuren dreitürigen Basismodell mit 70 PS bis zum 24395 Euro teuren 207 PS beim OPC.

Adams Drillinge

Aus dem stylischen Adam hat Opel inzwischen eine ganze Familie gemacht, die sich noch in sechs verschiedenen Ausstattungsvarianten so stark nach eigenem Gusto personalisieren lässt, dass sich jeder „seinen“ Adam so individuell zusammenstellen kann, dass dieser kein zweites Mal so unterwegs ist. Das gibt es im Kleinwagen-Segment bei kaum einem anderen Hersteller. Ob als Adam Open Air mit großem Faltschiebedach oder als Adam S mit starkem 150-PS-Turbo oder als rustikaler Adam Rocks im Pseudo-Geländelook. Der schicke Flitzer ist ein bunter Hund in der Kleinwagen-Meute – und fällt auf.

Es gibt von ihm Varianten, die bei anderen in diesem Segment nicht zu finden sind. So eine Autogas-Version vom Adam, mit der man für nur fünf Euro 100 Kilometer weit fahren kann. Das schafft kein Diesel. Oder der Adam mit dem automatisierten Schaltgetriebe Easytronic 3.0, mit dem auch der Corsa nun lieferbar ist. Dieser konstruktiv einfachen Schalthilfe haben die Opel-Techniker die störende Nick-Funktion ausgetrieben. Die nur 600 Euro teure Halbautomatik wechselt die fünf Gänge jetzt überraschend weich, bedarfsgerecht und ohne Nickeffekt. Sehr gut, vor allem im Stadtverkehr. Das Problem: Der Adam ist eben nicht gerade billig und vielen womöglich zu teuer.

Karl startet von unten durch

Doch auch Opel kennt den Trick, wie man Anteile gewinnt: Wer sich als junger Mensch für eine bestimmte Marke entscheidet, der bleibt ihr später häufig auch treu. Und da junge Leute aus finanziellen Erwägungen zumeist „unten“ einsteigen, darf ab 20. Juni nun der Karl Opels Kleinstfamilie verstärken – und möglichst viele Neuzugänge unter den potentiellen Kunden anlocken.

Ganz nach Gusto: Der Adam bildet mit seinen verschiedenen Modellvarianten und vielfältigen Ausstattungsmöglichkeiten fast eine eigene Familie im Kleinwagensegment.
Ganz nach Gusto: Der Adam bildet mit seinen verschiedenen Modellvarianten und vielfältigen Ausstattungsmöglichkeiten fast eine...Foto: promo

Dafür ist er recht gut gerüstet: Mit seinem Preis von 9500 Euro ist der Fünftürer günstiger als die meisten seiner Konkurrenten. So kostet ein dreitüriger VW Up mindestens 9975 Euro und ein Hyundai i10 steht mit 9950 Euro in der Liste. Dabei hat der Basis-Karl bereits ABS, ESP, Traktionskontrolle, Bordcomputer und einen Berg-Anfahr-Assistenten serienmäßig an Bord. Nur ein höhenverstellbares Lenkrad gibt es leider nicht an der Basis. Wer dieses wegen seiner Körpergröße braucht, muss zur mittleren Ausstattungslinie Edition greifen, welche allerdings gleich 1150 Euro mehr kostet. Dafür gibt es dann noch einen höhenverstellbaren Fahrersitz, einen Tempomaten mit Geschwindigkeitswarner, elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung. Für faire 850 Euro bekommt man Klimaanlage und das Infotainment-System Radio R300. Dann hat man ein ordentliches Auto. Allerdings kostet der Kleinstwagen nun 11.500 Euro.

Für die Topversion Exklusive werden 12.900 Euro fällig – inklusive Spurhalteassistent, Lederlenkrad mit Fernbedienung, Klimaautomatik, beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber für alle vier Türen, Nebelscheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht, beheizbare Außenspiegel und 15 Zoll große Aluräder. Opels derzeit Kleinster hat etwas Großes zu bieten: Sein nur ein Liter großer Dreizylinder-Benziner, der laut Opel extra für den Karl entwickelt wurde, ist mit 75 PS der leistungsstärkste Einstiegsmotor in dem preissensiblen Segment der Kleinstwagen. Gut, auch hier wurde etwas gespart: kein Turbolader und keine Direkteinspritzung.

Aufgewecktes Kerlchen: Der stylische Adam ist ein bunter Hund in der Kleinwagen-Meute. Er fällt auf – innen und außen.
Aufgewecktes Kerlchen: Der stylische Adam ist ein bunter Hund in der Kleinwagen-Meute. Er fällt auf – innen und außen.Foto: promo

Dennoch ist der Drilling ein aufgewecktes Kerlchen, so wie der Karl ein erfrischendes Autochen ist. Gut, er ist der Pragmatiker unter den Kleinen mit dem Blitz am Grill, da geht Vernunft nun mal vor Chic. Für Letzteres ist ja der Adam da. In einem ist der kleine Karl dennoch ganz weit vorn. Noch in diesem Herbst werden für ihn das neue Intellilink-Infotainment-System sowie der persönliche Online- und Service-Assistent Opel OnStar bestellbar sein. Damit wird der Karl als das bestvernetzte und nutzerfreundlichste Fahrzeug in dieser Kleinstwagen-Klasse neue Maßstäbe setzen. Gleich, ob Apple-Nutzer oder Android-Nutzer, jeder kann sein Smartphone entweder über Apples Carplay oder Googles Android Auto auf dem ab Herbst ebenfalls optional erhältlichen sieben Zoll großen Touchscreen spiegeln. Und das Beste: Zum Navigieren ist kein zusätzliches Kartenmaterial nötig, welches teuer erworben werden muss. Hier werden entweder Karten von Apple oder Google Maps benutzt. Und das Ganze funktioniert im Karl problemlos.

Und in ein, zwei Jahren könnte ein elektrifizierter Karl auf Basis des elektrisch betriebenen Kleinstwagens Chevrolet Spark kommen. Die Technik ist bereits vorhanden. So viele Möglichkeiten, seinen passenden Kleinwagen zu finden, bietet derzeit kein anderer Hersteller. Und Firmen-Gründer Adam Opel hat außer dem Kleinwagen-Namensspender Karl noch vier weitere Söhne gehabt. Es könnten also durchaus noch Opel-Autos mit den Namen Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig auf den Markt kommen. Theoretisch zumindest.

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