Die neue Mercedes A-Klasse : Auffallen um jeden Preis

In einer Woche hat der neue Golf Weltpremiere – aber vorher fragen wir uns, ob die neue A-Klasse endlich ein ernstzunehmender Konkurrent sein wird.

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A wie Aha-Effekt. Von vanartiger Größe keine Spur mehr: Die A-Klasse ist nun flach geschnitten. Mercedes will mit einem radikalen Design-Schnitt endlich junge Kunden gewinnen.
A wie Aha-Effekt. Von vanartiger Größe keine Spur mehr: Die A-Klasse ist nun flach geschnitten. Mercedes will mit einem radikalen...Foto: Promo

Es ist schon verrückt. Da altert die Gesellschaft in unserem Land, und doch will jeder jung und dynamisch sein. Auch Mercedes. Die Hauptforderung im Lastenheft für die neue A-Klasse, die Mitte September auf den Markt kommt, war eindeutig: Bloß weg mit dem Rentner-Image! Auf keinen Fall mehr A wie Altenpflege, sondern A wie alles anders. Oder A wie Angriff. Mercedes hat die Modellreihe mit dem höchsten Altersdurchschnitt seiner Kunden deshalb einer gnadenlosen Verjüngungskur unterzogen.

Schon das Einsteigen bei neuen A wird zum Aha-Erlebnis: Reinfallen in den tief montierten Sitz, fast wie bei einem Sportwagen. 18 Zentimeter tiefer als bei der bisherigen A-Klasse. Eine andere Welt. Die neue A-Klasse ist 41,2 Zentimeter länger als die alte; zwei Zentimeter breiter, aber 15,7 Zentimeter flacher. Die kleinen Fensterflächen vermitteln das Gefühl, gut behütet zu sein, fast fühlt man sich eingemauert. Die alte A-Klasse war luftiger, großzügiger. Nun müssen Größere, die den Fond entern wollen, vorsorglich den Kopf einziehen. Die abfallende Dachlinie verkleinert den Türausschnitt arg. Die neue A-Klasse ist kein kleiner Van mehr; eher ein Kompakt-Coupé mit vier Türen.

Form geht jetzt vor Funktion, auch hinten. Da haben die Knie zwar ausreichend Platz. Doch bei der Innenbreite fehlen gegenüber Audi A3 und BMW Einser gut vier Zentimeter. Zudem wandte Mercedes einen Trick an, den auch andere Hersteller in dieser Klasse praktizieren: Die Schenkelauflage der Rückbank geriet bewusst kurz, um mehr Beinfreiheit zu suggerieren. Und das Heck? Es kommt – anders als die ausdrucksstarke Front sowie die diskussionswürdigen, aber unverwechselbaren Seiten – verwechselbar daher. Irgendwie asiatisch; oder so wie das vom Citroén DS3. Die ungeteilten Heckleuchten schränken die Ladebreite gegenüber Audi A3 und BMW Einser ein. Dahinter verbirgt sich beim A ein Kofferraum von 341 Litern, der hinter dem der Konkurrenten zurückbleibt (Audi A3 mit 365 Liter, BMW Einser mit 360 Liter und neuer VW Golf VII gar mit 405 Litern).

Video: Die Zukunft der Mercedes A-Klasse

Und vorn? Vieles im Innenraum ist auf den Aha-Effekt ausgelegt; griffige Kunststoffe, effektvoller Chromschmuck, runde Lüftungsdüsen nach dem Vorbild des teuren Mercedes SLS. In der A-Klasse fehlen denen allerdings die rastenden Druckpunkte als Ausdruck höchster mechanischer Präzision wie im neuen Audi A3 oder im Golf VII. Auffällig reckt sich der freistehende Bildschirm des aufpreispflichtigen Infotainmentsystems (ab 3153 Euro) in das Blickfeld: Er erinnert nicht von ungefähr an das iPad von Apple. Für insgesamt 310 Euro bekommt der Fahrer folgerichtig einen speziellen Halter für das iPhone sowie eine App von Mercedes, mit der sich zig Dienste nutzen lassen. Die Anbindung an Handys mit Android-System soll Anfang 2013 folgen.

Kleinere Schwächen bei der Innenausstattung: tagsüber schlecht ablesbare Instrumente und – Lederimitate.
Kleinere Schwächen bei der Innenausstattung: tagsüber schlecht ablesbare Instrumente und – Lederimitate.Foto: promo

Mercedes bietet für die A-Klasse drei Ausstattungslinien zwischen 298 und 2392 Euro Aufpreis an, die es allen Recht machen sollen. Style für die hippen, Urban für die coolen und AMG Sport für die extrovertierten. Ein elektronisch geregeltes Dämpfersystem, das sich optimal Fahrstil und Fahrbahn anpasst, bietet Mercedes anders als Audi, BMW und VW nicht an. Der A-Kunde muss also vor dem Kauf wählen zwischen Normal- und Sportfahrwerk. Letzteres ist einfach nur hart; das macht so keinen Spaß. Kleinere Schwächen am Rande: Die silberfarbenen Instrumente lassen sich bei Tage schlecht ablesen. Und die gut geformten Sportsitze tragen Bezüge aus „Ledernachbildung“. Bei anderen Herstellern gibt es echtes Leder zu diesem Preis.

Zum Marktstart bieten die Schwaben erst einmal zwei Diesel und drei Benziner an – allesamt moderne, turboaufgeladene Direkteinspritzer mit Start-Stopp-Automatik (außer 250 Sport, der erst zum Jahresende lieferbar sein wird). Das Leistungsspektrum reicht von 109 PS für den (von Renault stammenden) 1,5-Liter Diesel bis zu 211 PS für den hauseigenen Klasse-Benziner mit serienmäßiger Siebengang-Doppelkupplungsautomatik. Die günstigen Basismotoren sind der Benziner mit 122 PS ab 23 979 Euro sowie der Diesel mit 109 PS ab 26 478 Euro.

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