Auto : Die Reise im Wohnzimmer

Viele Knöpfe und Schalter – ein Familienurlaub mit dem Grand Voyager

Wow! Im Wohnzimmer wollte ich schon immer mal zur Ostsee fahren. Mit dem Grand Voyager, dem Van von Chrysler, wird das zur Wirklichkeit. Ein Raumgefühl der Extraklasse stellt sich ein, wenn man auf den bequemen Plätzen mit Armlehne Platz nimmt und mit wohlwollendem Blick in die Runde schaut, um sein neues Reich in Besitz zu nehmen. Sieben Sitze und ein trotzdem akzeptabler Stauraum erzeugen Lust auf großes Reisen. Zumal sich die Sitze in einzigartiger Einfachheit in den Boden versenken lassen, so dass sich der Voyager in Windeseile vom Personen- in einen Lastentransporter verwandelt.

Die vielen Knöpfe, Schalter und Hebelchen an Armaturenbrett, Decke und Türen verwundern im ersten Moment. Aber das wird sich schon erschließen, denkt man sich dann. Die Begeisterung der Tochter über die vielen elektrischen Funktionen und teilweise erstaunlichen Kleinigkeiten kennt jedenfalls keine Grenze. Nur die Frau lässt mit heruntergezogenen Mundwinkeln den Satz fallen: „Wo viel Elektrik ist, kann auch viel kaputtgehen!“ Immerhin ist die zusätzliche Sicherheit durch die elektrischen Schiebetüren nicht zu verachten. Ein Kinderarm kann nicht eingeklemmt werden, da die Türen beim geringstem Widerstand wieder in ihre Ausgangsposition zurückfahren.

Also: Ab geht’s! Allerdings weicht jetzt die anfängliche Begeisterung: Den 2,8-Liter-CRD-Turbodiesel mit seinen immerhin 150 PS hat man sich spritziger vorgestellt – und leiser! Das Brummen und Nageln ist ständiger Begleiter, und man denkt, dass moderne Diesel doch eigentlich weniger Geräusche produzieren könnten. Dazu sind die Bremsen sehr weich. Man muss schon mit aller Kraft treten, um eine Vollbremsung zu schaffen – das Gewicht des Wohnzimmers schiebt doch ganz schön.

Aber da waren ja noch die Knöpfe. Zwar versucht man weiterhin, ihre Funktion zu ergründen, doch das gestaltet sich in manchen Fällen nicht besonders einfach. Vor allem, wenn man sich vorgenommen hat, auf die Bedienungsanleitung aus Zeitgründen zu verzichten. Und so passiert es dann eben, dass man es nicht schafft, innerhalb einer Woche die Lautstärke der angenehmen, aber viel zu leisen Stimme der Navigations-Else zu verändern. Dafür fehlen Kleinigkeiten wie der Haltegriff für den Beifahrer an der Decke – wie ein befreundeter Mitfahrer bemängelt.

Der Schock kommt dann am Ende der Reise, beim Ausrechnen des Verbrauchs: 11,2 Liter Diesel für 100 Kilometer. Eindeutig sehr viel, befindet die Familie und bemerkt dann geschlossen, dass man ja eigentlich auch nicht mit dem Wohnzimmer verreisen sollte. caro

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