Die vierte VW Generation eines Dauerbrenners : Noch mehr Caddy für den Daddy

Im Juni ist es soweit: Volkswagen bringt die vierte Generation des beliebten Kompaktvans auf den Markt. Das wurde auch langsam Zeit. Doch was ist wirklich neu am neuen Caddy?

Janine Ziemann
Das Sondermodell Generation Four gibt es nur zur Markteinführung. Mit schicken Extras und mehr Komfort möchte VW die Stellung des Caddy als günstigen SUV-Ersatz weiter ausbauen.
Das Sondermodell Generation Four gibt es nur zur Markteinführung. Mit schicken Extras und mehr Komfort möchte VW die Stellung des...Foto: promo

Fast zwölf Jahre ist es her, seit die letzte Caddy-Generation das Licht der Welt erblickt hat. Eine lange Verschnaufpause, vor allem für einen Bestseller. Denn die Erfolgsgeschichte des kleinen Raumwunders lässt sich sehen: Das Vorgängermodell wurde rund 1,5 Millionen Mal verkauft. Noch immer rollen täglich 720 des beliebten Stadtlieferwagens im polnischen VW-Werk vom Band. Mit knapp 150 000 Caddys konnte der Konzern seinen Absatz im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent steigern. Ein Fünftel davon ging nach Deutschland, wo der Caddy sein Segment mit 25 Prozent Marktanteil klar anführt. Damit hat sich das praktische Multitalent den zweiten Platz auf der Rangliste der VW Nutzfahrzeuge gesichert, gleich hinter dem Bulli-Nachfolger Transporter. Höchste Zeit also, eine Neuauflage in Angriff zu nehmen.

Neuer Caddy mit alter Plattform

Trotz aller Erfolgszahlen konnte man sich bei der Premiere in polnischen Poznan ein Schmunzeln nicht verkneifen angesichts der Tatsache, dass sich in der alteingesessenen Caddy-Wiege fast 450 Kunden, Journalisten und Geschäftspartner eingefunden hatten, um der kleinen Lieferbüchse die erste Aufwartung zu machen. Immerhin ist Volkswagen größter Arbeitgeber der Region und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. In den kommenden zwei Jahren soll die gesamte Nutzfahrzeugpalette erneuert werden. Und schließlich ließ die lange Vorlaufzeit auch viel Raum für Spekulationen. Doch was ist nun wirklich neu am Caddy, was ist nur Facelift und wofür steht die vierte Generation?

Glattere Flächen und schärfere Kanten: Die Pkw-Variante des neuen Caddy möchte das Nutzfahrzeug-Image absteifen. Große Fenster sorgen für viel Überblick im Stadtverkehr.
Glattere Flächen und schärfere Kanten: Die Pkw-Variante des neuen Caddy möchte das Nutzfahrzeug-Image absteifen. Große Fenster...Foto: promo

Diese Fragen sind etwas kniffelig zu beantworten. Fakt ist: VW hat den Caddy nicht neu erfunden. In der vierten Generation steckt das alte PQ35-Chassis des Vorgängers, wenn auch in weiterentwickelter Form. Allen Erwartungen zum Trotz stammen nur wenige Bauteile, wie etwa die Bremse, vom modularen Querbaukasten, der 2012 vorgestellt wurde und eigentlich schon konzernweit eingeführt sein sollte. Der Kostendruck war wohl zu hoch. Damit behält der Caddy seine starre Hinterachse und die Blattfedern, das Fahrwerk soll laut Hersteller jedoch neu abgestimmt worden sein. Man darf gespannt sein, wie sich dies auf das bisher eher holprige und schwammige Fahrverhalten im voll besetzten oder beladenen Wagen auswirkt.

Neues Design soll Daddys locken

Viel getan hat sich hingegen bei der Optik. Das reduzierte, kantigere Design mit neuer Front und geschärftem Heck verleiht dem Liefervan mehr Schneid und Charakter. Der kleine Caddy ist erwachsen geworden.

Auch die Innenausstattung wurde aufgepeppt. Zwar besticht das Cockpit nach wie vor durch robusten Hartplastikcharme, doch die Armaturen wirken eleganter und das Infotainmentsystem entspricht endlich den Anforderungen unserer Zeit. Das Kofferraumvolumen beträgt nach wie vor gewaltige 3030 Liter, jedoch lässt sich neuerdings der Beifahrersitz umklappen, sodass man auch sperrige Gegenstände bis 2,6 Meter Länge verstauen kann. Bei 900 Kilo Zuladung lassen sich da schon einige Ikea-Schränke unterbringen.

Das Cockpit des Einstiegsmodells ist immer noch robust und schlicht gehalten, aber wenn man etwas tiefer in die Tasche greifen kann oder will, erinnert das Interieur kaum noch an ein Nutzfahrzeug.
Das Cockpit des Einstiegsmodells ist immer noch robust und schlicht gehalten, aber wenn man etwas tiefer in die Tasche greifen...Foto: promo

Die Pkw-Version hat außerdem eine hochwertigere Innenverkleidung, einen Klapptisch und komfortablere Sitze bekommen. Das Nutzfahrzeug-Image hat die vierte Generation damit ein Stück mehr abgestreift. Seine Stellung als VW-Bus-Ersatz für den preisbewussten Familienpapa dürfte der Caddy damit wohl behaupten können.

Einstiegsmodell günstiger als Vorgänger

Auch in Sachen Sparsamkeit und Variabilität hat sich einiges getan. Nach wie vor wird zwischen dem robusten Nutzfahrzeug (Kastenwagen oder Kombi) und dem wertigeren Kompaktvan für den privaten Einsatz unterschieden. Jedoch wurde das Ausstattungsangebot massiv erweitert und modernisiert. Das Pendant zum ehemaligen Einstiegsmodell Startline heißt nun Conceptline. In der ausstattungsbereinigten Version mit dem neuen 84 PS starken TSI-Einstiegsmotor ist dieser sogar günstiger als sein Vorgänger. Der Grundpreis für die Pkw-Variante beträgt 18 243 Euro brutto, für den Kastenwagen muss man mindestens 17 594 Euro investieren.

Quadratisch, praktisch, neu: Spiegelglatte Seiten, reduzierte Riefen und ein neues Heck geben dem Caddy Kastenwagen einen modernen Touch. Nach wie vor kann man zwischen Flügeltüren oder der herkömmlichen Heckklappe wählen.
Quadratisch, praktisch, neu: Spiegelglatte Seiten, reduzierte Riefen und ein neues Heck geben dem Caddy Kastenwagen einen modernen...Foto: promo

Allerdings dürfte es so manches Familienoberhaupt in den Fingern jucken beim Anblick der komfortablen Extras, die der Caddy Trendline, Comfortline oder sogar Highline zu bieten hat. Serienmäßig sind bei allen Pkw-Modellen zwei Isofix-Kindersitzhalterungen ein Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, eine Multikollisionsbremse, ein Assistent zur Umfeldbeobachtung mit City-Notbremsfunktion, sowie Kopf- und Seitenairbags mit an Bord. Gegen Aufpreis bekommt man einen Fernlichtassistent, eine automatische Distanzregelung (ACC) und eine Multifunktionsanzeige mit Müdigkeitserkennung.

Neue Motoren versprechen deutlich weniger Sprit

So viele Fahrassistenz- und Sicherheitsfeatures sind bei einem Nutzfahrzeug schon beachtlich. Aber auch unter der Motorhaube war man fleißig. Eine neue Generation von EU6-Motoren verspricht mehr Fahrspaß bei bis zu 28 Prozent weniger Verbrauch. Insgesamt werden vier Diesel-Motoren von 75 PS bis 150 PS angeboten, wobei die sparsamste Variante erstmalig unter die Vier-Liter-Grenze gerutscht ist. Bei den Benzinern gibt es die Wahl zwischen verschiedenen Drei- und Vierzylindern mit einer Leistung von 84 PS bis 125 PS. Der Nachfolger des VW Caddy EcoFuel verbraucht 1,7 Kilogramm weniger als bisher. Er wurde auf Erdgas umgestellt und kommt jetzt auf sparsame 4,1 Kilogramm pro 100 Kilometer. Diese Norm-Werte können sich erst mal sehen lassen.

Sitzen wie im Kino: Die Sitzhöhe der einzelnen Reihen nimmt nach vorne hin ab. So hat man auch aus der letzten Reihe eine gute Sicht. Die beiden äußeren Sitze der Rücksitzbank sind mit Isofix-Kindersitzhalterungen ausgestattet.
Sitzen wie im Kino: Die Sitzhöhe der einzelnen Reihen nimmt nach vorne hin ab. So hat man auch aus der letzten Reihe eine gute...Foto: promo

Was ist es also, Facelift oder „Next Generation“? Wohl von beidem ein bisschen. Nach dem Motto „viel Nutzen für wenig Geld" hat sich die Fahrzeugschmiede auf ihre Stärken besonnen, die den Caddy seit 1987 zum Dauerbrenner gemacht haben. Zusammen mit einem frischen Look und vielen Extras hat sich der praktische Kastenwagen zu einer komfortablen Familienkutsche gemausert. Man bekommt jetzt noch mehr Caddy für sein Geld. Nicht nur als Handwerker, sondern vor allem als Daddy.

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