• Volkswagen-Abgasskandal: Welche Modelle von Audi, Seat und Skoda sind vom Defeat Device manipuliert?

Diesel-Gate: VW Abgasskandal weitet sich aus : Audi, Seat und Skoda im Visier

Der Abgasskandal bei Volkswagen weitet sich aus. Sprecher haben nun bestätigt, dass auch zahlreiche Diesel-Motoren von Audi betroffen sind. Gleiches gilt für für Seat und Skoda. Unter den Verantwortlichen für die technische Entwicklung früher und heute rollen derweil die Köpfe.

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TDI wird von einer Erfolgsgeschichte zum Mega-Desaster bei VW. Der Abgasskandal bei Volkswagen DieselGate erreicht nun auch mit voller Wucht die Tochtermarken der Wolfsburger. Bei Audi sind weltweit wohl 2,1 Millionen Autos betroffen. Foto: REUTERS/Neil Hall
TDI wird von einer Erfolgsgeschichte zum Mega-Desaster bei VW. Der Abgasskandal bei Volkswagen DieselGate erreicht nun auch mit...Foto: REUTERS/Neil Hall

Stück für Stück wird klarer, welche Ausmaße der Abgasskandal bei Volkswagen wirklich hat. Und vor allem wie stark selbst die Konzerntöchter betroffen sind. VW gab zu, dass weltweit elf Millionen Automobile betroffen sein dürften. Eine gigantische Zahl, die sich aber schnell erklärt. Denn der betroffene Motoren-Typ EA 189 ist ein Weltmotor, der nicht nur bei VW eingesetzt wird. Der sogenannte Konzernmotor wird auch bei den Töchtern Audi, Skoda und Seat verbaut. Audi bestätigte nun, dass alleine bei den Ingolstädtern 2,1 Millionen Modelle weltweit betroffen sind. In Deutschland soll es sich um 577.000 Pkw des Unternehmens handeln. Der Großteil der betroffenen Diesel-Pkw stamme aus Westeuropa. Es handle sich um die Modelle A1, A3, A4, A6, Q3, Q5 und auch TT.
Dadurch dürften viele Autofahrer betroffen sein, die noch gar nichts davon ahnen. Der Diesel-Motor Typ EA 189 ist in zwei Hubraum-Varianten mit einem Volumen von 1,6 und 2,0 Litern verfügbar. Damit stellt er das Gros der Diesel-Antriebe im Volkswagenkonzern und so gut wie alle Vierzylinder-Diesel im Konzern. Nach den bisher vorliegenden Informationen sind alle Motoren seit 2008 betroffen, die noch nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Die Motorengeneration, die bereits die Euro-Norm 6 erfüllt soll laut Volkswagen nicht mit der fragwürdigen Software unterwegs sein.

Mehrere Top-Manager von Audi, Porsche und Volkswagen beurlaubt

Die Verantwortlichen für die technische Entwicklung in der Zeit, in der wohl die Software "Defeat Device" entwickelt und zum Einsatz gebracht wurde, erwischte es letzte Woche auf ihren aktuellen Positionen. Der ehemalige VW-Manager Wolfgang Hatz war mittlerweile Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Porsche. Vergangene Woche wurde er beurlaubt. Hatz verantwortete von 2001 bis 2009 die Motorenentwicklung bei Audi und ab 2007 auch in Personalunion bei Volkswagen. Damit trug zu der Zeit die Verantwortung, in der wohl die fragwürdige Software "Defeat Device" entwickelt wurde.

Beurlaubt: Der derzeitige Entwicklungsvorstand von Audi und frühere Chefentwickler von Volkswagen, Ulrich Hackenberg, wurde als einer der Verantwortlichen für das Desaster mit der betrügerischen Steuerungssoftware von VW-Konzern matt gesetzt. Foto: REUTERS
Beurlaubt: Der derzeitige Entwicklungsvorstand von Audi und frühere Chefentwickler von Volkswagen, Ulrich Hackenberg, wurde als...Foto: REUTERS

Der derzeitige Vorstand für technische Entwicklung der Audi AG, Ulrich Hackenberg, wurde ebenfalls beurlaubt. In seinen Verantwortungsbereich fällt vor allem die Entwicklung des "Modularen Querbaukstens", wor die betroffenen Vierzylinder-Diesel eine maßgebliche Rolle spielen. Ab Anfang 2007 war Hackenberg Markenvorstand bei Volkswagen für den Bereich Entwicklung. Seit Mitte 2013 war Hackenberg Vorstandsmitglied bei Audi und gleichzeitig für die markenübergreifende Entwicklung verantwortlich. Hackenberg galt zudem insgeheim schon als ausgemachter Nachfolger des bisherigen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler. Auch der derzeitige Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer wurde vergangene Woche beurlaubt.

Fast die gesamte VW-Modellpalette betroffen

Der Diesel mit zwei Litern Hubraum gilt im VW-Konzern als Allzweckwaffe. Seit der Ablösung des 1,9 Liter großen Selbstzünders Mitte des letzten Jahrzehnts ist dieser Antrieb bei vielen Modellen von VW und seinen Töchtern erste Wahl. Durch die Direkteinspritzung und Turboaufladung gilt das Aggregat als besonders sparsam. Bei einem VW Golf wird der Normverbrauch beispielsweise mit 4,1 Liter für 100 Kilometer angegeben. Im Lichte des Abgasskandals stehen derzeit selbst diese Verbrauchswerte in Frage.

Wolfgang Hatz, bis letzte Woche Entwicklungsvorstand bei Porsche, auf der IAA bei der Präsentation der Zuffenhausener auf dem Konzernabend von Volkswagen. Hatz könnte als einer der Verantwortlichen hinter der betrügerischen Software im VW-Abgasskandal stecken. Foto: REUTERS/Kai Pfaffenbach
Wolfgang Hatz, bis letzte Woche Entwicklungsvorstand bei Porsche, auf der IAA bei der Präsentation der Zuffenhausener auf dem...Foto: REUTERS/Kai Pfaffenbach

Als gesichert gilt bislang, weil von Volkswagen bereits zugegeben, dass eine Software namens "Defeat Device" in den Modellen mit dem Diesel-Motor Typ EA 189 vorhanden ist. VW selbst betont zwar, dass die Software keine Auswirkungen auf Fahrleistungen, Verbrauch oder Emissionen habe. Unklar ist aber bislang, wie dann die in den USA festgestellten erhöhten Stickstoffoxid-Emissionen im normalen Fahrbetrieb zustande kamen, während die Motoren im Prüfzyklus die Abgasvorschriften erfüllten. Die Software "Defeat Device" erkennt jedenfalls, wenn eine Prüfstandssituation gegeben ist. Das erfolgt über eine Kombination verschiedener Werte. So wird zum Beispiel die Gaspedalstellung mit dem gleichbleibenden Lenkwinkel oder Werten vom ESP zusammengefügt. Erkennt die Software ein bestimmtes, für einen Prüfzyklus typisches Muster, so schaltet sie in den "Clean Modus". Dabei werden Einspritzzeitpunkt, Luftmenge und der Takt der Verbrennung angepasst um bessere Emissionswerte zu erzielen. Bei diesen Einstellungen sinkt die Leistung und eventuell steigen auch die Verbrauchswerte an. Leistung ist aber auf dem Prüfstand kaum gefordert und bei einer Abgasprüfung werden in der Regel nicht gleichzeitig auch Verbrauchswerte ermittelt.

Deutlich strengere Stickstoffoxid-Grenzwerte in den USA

Die Emissionswerte in den USA für Stickstoffoxide sind in den USA deutlich strenger als in Europa. Mit der im letzten Jahr eingeführten Abgasnorm Euro 6 liegen die maximal zulässigen Emissionen bei 80 mg/km. Dieser Wert gilt in den meisten Bundesstaaten der USA schon länger. In Kalifornien ist dagegen sogar nur ein Maximum von 40 mg/km erlaubt. Diese Werte sind selbst für Euro-6-konforme Diesel kaum zu schaffen. Daher sind die hochverdichtenden Diesel in den USA eher selten, da schwierig anzupassen. Denn dort stehen die Stickstoffoxide im Fokus der Abgaswerte. In Europa werden diese Emissionen generell laxer gehandhabt, dafür werden CO2-Emissionen stärker geahndet. In diesem Punkt sind Diesel-Motoren gegenüber Benzinern im Vorteil, die deutlich mehr verbrauchen und damit mehr CO2 emittieren.

Gewaltiger Schaden: Der Abgasskandal bei Volkswagen könnte die Diesel-Technik als solche auf lange Sicht substanziell beschädigen. Foto: dpa
Gewaltiger Schaden: Der Abgasskandal bei Volkswagen könnte die Diesel-Technik als solche auf lange Sicht substanziell beschädigen.Foto: dpa

Für viele Verbraucher stellt sich jetzt die Frage, ob auch sie ein Auto mit erhöhten Stickstoffoxid-Emissionen haben. Christian Buric vom ADAC rät dazu die kommenden Entwicklungen abzuwarten: "Die Kunden sollten die Entwicklungen der kommenden Tagen abwarten. Sollte sich aber der Verdacht erhärten, dass auch in Deutschland verkaufte Fahrzeuge diese Software an Bord haben, dann sollten sie sich beim Hersteller oder über den Händler erkundigen, ob auch ihr Fahrzeug betroffen ist." Ansprüche auf Schadenersatz seien allerdings in Deutschland weitaus schwieriger zu realisieren als in den USA. Offen bleibt zunächst die Frage, wie mit einem möglichen Wertverlust der Fahrzeuge umgegangen werden könnte. Ob der eventuell auch in Deutschland einzuklagen wäre wird sich erst in fernerer Zukunft zeigen.

Fast alle Modelle von VW, Seat, Skoda und viele von Audi betroffen

Seit der Einführung des Motors Typ EA 189 im Jahr 2008 wird der Motor ständig in einer evolutionären Entwicklung weiter verfeinert. In der aktuellen Baureihe steht der Antrieb in drei Leistungsstufen mit 110, 150 und 184 PS zur Verfügung. Betroffen seien lauf VW aber nur die Vorgänger-Varianten des Antriebs, die nur Euro-Norm 5 und folgende erfüllten. Vor allem aber wird er von den Konzerntöchtern so nahezu unverändert übernommen. Sehr wahrscheinlich also, dass die Software für die Steuerung der Abgasnachbehandlung, die den Skandal in den USA auslöste, auch in Modellen der Marken Seat, Skoda und sogar Audi verbaut ist.

Bei Volkswagen ist fast die gesamte Modellpalette betroffen. Nur der kleine VW Up, der VW Polo und die beiden großen VW Phaeton und VW Touareg werden nicht mit dem 2.0 TDI oder der Variante mit geringerem Hubraum angeboten. Ähnlich sieht es bei Seat aus. Alle Modelle oberhalb des Seat Ibiza haben den Motor Typ EA 189 im Angebot. Gleiches gilt für Skoda, wo nur für den Fabia keine Motoren vom Typ EA 189 angeboten werden. Bei Audi gibt es besagte Motoren vor allem in den Baureihen A1, A3 und A4.Aber auch der Audi A6 wird mit dem 2.0 TDI angeboten.

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