Dodge Journey : Ein Tag mit Van Diesel

Muskulös und bullig kommt der Dodge Journey daher. Aber tief in seinem Innern ist der Macho ein Familienfreund

Fatina Keilani

So, mein rot glänzendes Blech-Schnuckelchen, jetzt wollen wir mal aufbrechen in die große Freiheit. Es geht nach Brandenburg, dort wollen wir nicht bloß grillen, sondern ein echt amerikanisches Barbecue veranstalten. Und was das Tollste ist: Mutti darf auch mit, ohne die Kinder, und am Lenkrad des Testwagens. Schließlich soll der neue Dodge Journey nicht nur ein Sport- und Spaßfahrzeug sein, sondern auch als Familienkutsche taugen.Und um das zu testen, muss ein Experte ran – Mutti.

„Grab life by the Horns“, so lautet der Werbespruch der Automarke mit dem Widderkopf, pack das Leben bei den Hörnern. Massenhaft Leben soll in die Kiste reinpassen, dank bis zu drei Sitzreihen für bis zu sieben Personen. Alle Sitze mit Ausnahme des Fahrersitzes lassen sich umklappen, so entsteht eine große, sehr flexible Ladefläche von mehr als drei Metern Länge. Wer damit zu Ikea fährt, hat keine Stauraumprobleme mehr.

Aber angenommen, man will weiter weg als nur zum Möbelhaus oder ins Umland. Dafür gibt es unter den Fußmatten vor der zweiten Sitzreihe zwei wasserdichte Kühlfächer für je zwölf Getränkedosen. Und unter dem Beifahrersitz erlaubt ein Geheimfach das Verschwindenlassen von Wertsachen. „Darin können Sie auch Zigaretten schmuggeln“, erklärt launig der Marketingmann von Dodge. „Den Trick kennen die Grenzer noch nicht.“ Ha, ha. Weitere Gimmicks sind das Kühlfach für zwei Getränkedosen im Handschuhfach und bei manchen Modellen die Kofferraumbeleuchtung, die als Taschenlampe herausnehmbar ist.

Dann los. Das Auto fährt wie eine Sänfte. Auf der Autobahn drücke ich auf die Tube und erwarte, in den Sitz gepresst zu werden – aber nö, so richtig beschleunigungsstark ist er als Diesel nicht. In der Kurve verhält er sich dafür einwandfrei, kein Aufweichen bei scharfem Zickzack. Und er bremst erstklassig.

Das Getriebe soll neu sein, viel mehr wurde dazu nicht gesagt. Es ist von Getrag, da ist ein Bekannter Ingenieur. Ich rufe ihn an. „Schon mal was von einem Doppelkupplungsgetriebe gehört?“ frage ich. „Na sicher, das bauen wir, der Vorteil ist, dass du bei Automatik keine Zugkraftunterbrechung hast, wenn du beschleunigst. Ist dir das etwa nicht aufgefallen?“ Stimmt, jetzt wo er es sagt: Der übliche kleine Ruck fällt weg, der Wagen zieht unterbrechungslos nach vorne. Nur eben nicht gerade wie eine Rakete. „Mann, was erwartest du bei 140 PS?“, sagt mein Bekannter.

Doch dann das: Nach 30 Kilometern auf einer brandenburgischen Allee leuchten plötzlich mehrere Warnlämpchen. Ich gebe Gas – nichts. Ich fahre rechts ran, der Wagen rollt zwischen zwei Bäumen aus. Alle Zündversuche bleiben vergebens. Der erste Dodge-Techniker kann das Problem nicht lösen, bis der Ersatzwagen da ist, vergehen zwei Stunden. „Muss ein Marderbiss sein“, heißt es. „Genau das Gleiche hatten wir vorgestern schon mal.“ Muss ja ein schmackhaftes Kabel sein, das sie da verbaut haben. „Sicher werden sie euch was vom Marder erzählen, um euch zu beruhigen, dass es nichts mit der Technik des Autos zu tun hat“, sagt mein Bekannter.

Da wir nun schon mal am Straßenrand liegen und nichts zu tun haben, schaue ich mir das Auto genauer an. Geworben wird mit einem „Kinderbetreuungssitz“. Der Begriff ist jedoch eher albern, denn damit ist bloß gemeint, dass man den Sitz hinter dem Beifahrer etwas nach vorne schieben kann. So kommt der Fahrer besser an ein Kind heran. Mehr als zwei Kinder darf man aber keinesfalls haben, wenn man sich für dieses Auto entscheidet, denn drei Kindersitze passen nicht auf die Rückbank. Natürlich könnte man auch noch Kinder in die ansonsten eingeklappte dritte Reihe setzen, oder Opi und Omi, aber das kann dann nur ein Ausflug werden und kein Urlaub, denn dahinter ist dann kein nennenswerter Platz mehr für Gepäck. Die beiden hinteren Plätze haben dennoch Vorteile. Man muss sie nicht, wie in meinem Ford Galaxy, ein- und ausbauen, sondern versenkt sie einfach im Ladeboden. Dann hat man halbwegs Platz für Gepäck.

Insgesamt wendet sich Dodge mit diesem Auto aber eher nicht an Mutti, sondern an männliche Fahrer mit „mittlerem Bildungsniveau“, wie es bei Dodge heißt. Das bullige Design des Wagens mit Kotflügeln und eingebautem Spoiler dürfte ihnen gefallen. Außerdem hat der große Bruder Chrysler nur noch den Grand Voyager und nicht mehr den kleineren Normal-Voyager im Angebot, und wem der Große zu groß ist, der kann sich nun für den Dodge Journey entscheiden. Der tritt in der Konkurrenz gegen Autos wie Renault Espace und Ford S-Max an und ist auf jeden Fall billiger. Gebaut wird er übrigens in Mexiko.

Ein Öko ist er aber nicht gerade. Je nach Modell stößt er zwischen 172 und 209 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Es gibt Diesel und Benziner, keine Hybridvarianten. Der Verbrauch soll zwischen sechseinhalb und neun Litern liegen; der Benziner mit 170 PS kann innerorts auch zwölf Liter schlucken. Wir sind übrigens als Letzte von allen am Treffpunkt angekommen. Das Barbecue war längst vorbei. Und Barbecue bedeutet ja doch nichts anderes als Grillen.

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