Auto : Doping ab Werk

Volvo und Polestar bieten legales Chip-Tuning an – aber warum nicht für den schweren XC 90?

von

Nur eine winzige blaue Plakette weist am Heck auf die Neuerung hin. So als hätten die Schweden ein schlechtes Gewissen, ihr Doping ab Werk öffentlich zu machen. Der Hintergrund: Volvo, der mittlerweile in chinesischem Besitz befindliche schwedische Autobauer und die einheimische Firma Polestar Racing, die bereits seit 15 Jahren im Tourenwagenrennsport zusammenarbeiten, bieten jetzt für zivile Autos eine so genannte „Leistungsoptimierung“ an. Im Grunde genommen handelt es sich um Chip-Tuning; zunächst für alle D5-Turbodiesel sowie T6-Turbobenziner der Baureihen S60, V60, V70, S70, XC60 und XC70.

Der 2,4 Liter große Fünfzylinder-Turbodiesel erstarkt von 215 auf 230 PS; das Drehmoment wächst auf 470 Newtonmeter. Der 3,2 Liter große Sechszylinder-Turbobenziner legt um 25 PS von 304 auf 329 PS zu. Jeder Volvo-Händler installiert die Software; die Originaldaten des Motorsteuergeräts werden aber nicht überschrieben. Deshalb kann alles unkompliziert auch wieder entfernt werden. Der Preis beträgt 1199 Euro , inklusive Einbau sowie TÜV-Abnahme. Die Werksgarantie bleibt voll erhalten. Volvo und Polestar bieten dieses Doping nicht nur für Neuwagen an, sondern auch für bis zu sechs Jahre alte Modelle.

Wir sind den hiesigen Verkaufsrenner der Schweden gefahren, den XC60 (mit normalem 215-PS-D5-Diesel und Allrad ab 40430 Euro; das Basismodell mit 163-PS-Diesel-PS und Frontantrieb gibt es ab 35 770 Euro). Das 230-PS-Auto lässt sich engagiert bewegen, was man allerdings auch voraussetzen sollte. Nein, es wird nicht gleich zum bösen Rennwagen im zivilen Anzug, eher zum sehr gut motorisierten Tourenwagen für die große Reise, der auch mal kann, wenn er soll. Aber meistens will man ja nicht.

Deshalb wundern wir uns, warum diese Leistungsoptimierung vorerst auf die stärksten Triebwerke in den teureren Modellen beschränkt wird. Man wolle, so Volvos Erklärung, erst einmal die Kundenreaktionen abwarten. Na ja. Eine weitere Ungereimtheit: Ausgerechnet dem dicksten Brocken des 2012er Modelljahrganges, dem XC90, verwehren die Schweden dieses elektronische Doping.

Dabei könnte das 2,2-Tonnen-Allrad-SUV ein paar muntere Zusatz-PS gut gebrauchen. Der hier eingesetzte 200 PS starke und mit einer Sechsgangautomatik gekoppelte Fünfzylinder-Turbodiesel ist – gemessen an der deutschen Konkurrenz – nämlich lethargisch und durstig. Hinzu kommt, dass der Oldie im Volvo-Programm (ab 39 900 Euro mit 163 PS und Frontantrieb), der bereits sein zehnjähriges Jubiläum feiert, noch zwei Jahre in Würde altern muss, bis 2014 der völlig neu konstruierte Nachfolger startet. Besitzer älterer XC90-Modelle von Baujahr 2006 bis einschließlich 2011 hingegen können für den hier eingebauten 185-PS-Diesel das Chiptunig ordern; um 20 auf 205 PS. Das verstehe, wer will. Rainer Ruthe

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben