Auto : Drei in Reihe

BMW-ZUKUNFTSIDEE Wie die Münchener ihr Motoren-Programm umbauen.

Fritz Steinparzer ist stolz. Der „Hauptabteilungsleiter Entwicklung Ottomotoren“ steht vor einem roten Einser, in dem der wichtigste Prototyp der Motorenbauer werkelt – und eine Premiere: ein Dreizylinder-Benziner. Drei Zylinder, das klang noch vor kurzem nach Fünfziger Jahre, irgendwo zwischen schlapp und rappelnd.

Inzwischen arbeiten zwar bei einigen Herstellern wieder solche Motoren. Aber nicht mit dem Anspruch auf sportlichen Führungskraft bis in die Premium-Mittelklasse. Der Dreizylinder mit 1,5-Liter-Benziner und 180 PS soll genau das aber leisten. – als Urvater einer komplett neuen Reihenmotor-Familie von Benzinern und Dieseln. Von der Papierform hat er allemal das Zeug dazu: Schon in der Basis-Variante weist der Benziner im Testmotor rund 180 PS auf – und ein Drehmoment von 270 Newtonmetern, das bereits ganz früh zur Verfügung stehen soll. Beifall für den kleinen Benziner ist nach einer flotten Fahrt über einen abgesteckten Kurs auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck angebracht. Der Dreier im Einser begeistert in Kombination mit der Achtgangautomatik: zackiges Ansprechverhalten und Durchzug quasi ab dem Start.

Der Dreizylinder-Diesel wird ähnliche Leistungswerte haben. Pro 0,5-Liter Hubraum sollten 100 Newtonmeter drin sein. Warum eigentlich 0,5 Liter pro Zylinder? Kleiner, wie etwa bei Ford, hätte der Motor zwar weniger Massenkräfte – der Dreizylinder im Prototyp schüttelt sich im Stand denn schon ein wenig mehr als ein Ecoboost im Focus. Aber er klingt dafür auch kerniger. „Ganz nah am Sechszylinder“, ist Steinparzer hörbar stolz. Und das ohne akustische Tricks, wie sie manche Wettbewerber einsetzen.

Der Dreizylinder – sozusagen mal zwei – wird auch Basis des nächsten Sechszylinders sein, der 2016 auf den Markt kommt. Einen Vierzylinder mit dann logischerweise zwei Liter Hubraum wird es ebenfalls geben, er geht wie der Dreizylinder ab 2014 als Benziner und Diesel an den Start. Im Mini, Einser und Dreier wird der 1,5-Liter-Dreizylinder künftig der Standard, in den meisten Hybridmotoren der übliche Helfer für das Elektroaggregat. Im Fünfer, Siebener oder den SUV wird es eher auf die Vier- und Sechszylinder der gleichen Motorengeneration hinauslaufen. Und natürlich bleiben die V8-Motoren im Programm. Ob die neuen Reihenmotoren auch bereits in bestehende Modelle eingebaut werden, ist noch nicht klar – aber wir prophezeien: wahrscheinlich.

Bis zu 40 Prozent aller Bauteile sind übrigens in der gesamten Motorenfamilie gleich, und fast alle Diesel wie Benziner können vom selben Band rollen – je nach Nachfrage lässt sich so die Fertigung blitzschnell anpassen. Auch die Einbaubedingungen aller Motoren sind ähnlich, alle Anschlussstellen – etwa für das Getriebe – absolut identisch. Das macht Fertigung und Wartung einfacher. Der Motor kann quer oder längs, vorn oder im Heck werkeln. Wichtig für den Einsatz im Mini, Dreier oder als Hybrid-Helfer etwa in künftigen Fünfern.

Das technische Beiwerk der neuen Reihenmotoren folgt der BMW-Architektur. Es bleibt also bei den sogenannten Twinpower-Turbos. BMW versteht darunter bei Ottomotoren die Kombination aus Direkteinspritzung, voll variabler Ventilsteuerung und Turbo. Beim Diesel ist es die variable Lader-Geometrie, Common-Rail-Einspritzung und bis zu drei Turbos pro Motor. Im Dreizylinder werden es aber höchstens mal zwei sein.

Die Effizienz durch variables Öffnen und Schließen der Ventile zu steigern, hält Steinparzer übrigens für wesentlich besser als die Zylinderabschaltung, mit der etwa VW im neuen Golf zu sparen sucht. „Das hat viel höhere Potenziale, weil die Konkurrenten einen Zylinder eben nur an- oder abschalten können“, so der Entwickler. BMW dagegen könne die Leistung, die aus den einzelnen Töpfen kommt, je nach Nachfrage quasi wie eine Glühbirne dimmen – und so unter jeder Bedingung den optimalen Wirkungsgrad in jedem Zylinder gewährleisten. Umso wichtiger, wenn nur drei davon an Bord sind. sppr

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben