Auto : Du bist mir schon ’ne Marke

Ein Dodge? Ein Chrysler? Ein Fiat? Der neue Freemont ist irgendwie alles – und das nicht mal zum Nachteil großer Familien

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Nein, sie haben es zum Glück nicht getan! Einfach anderes Logo dran und fertig ist das neue Modell. Badge-Engineering sagt der Fachmann zu diesem Trick, wenn baugleiche Autos unter verschiedenen Markennamen angeboten werden. Nein, die Fiat-Leute haben bei ihrem ersten Gemeinschaftsprodukt mit Chrysler, wo sie seit Juli die Aktienmehrheit halten, den schwierigeren Weg gewählt.

Innerhalb nur eines Jahres zauberten die Italiener aus dem lässigen Ami namens Dodge Journey den Fiat Freemont – mit einer Qualität, die auch Europäern Respekt abnötigt. Eigentlich ist nur noch die Grundform gleich: neue Front, andere Heckleuchten mit geänderten Stoßfängern, aber alte Kantigkeit. Eine durchaus spannende Mischung. zwischen SUV und Van. Wer die Türen öffnet und den alten Journey noch im Hinterkopf hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die traurige Plastiklandschaft des Ami ist einem adretten Interieur mit europäischem Anstrich gewichen. Der hinterschäumte genarbte Kunststoff fasst sich gut an; die Instrumente sind gut ablesbar; das Garmin-Navigationsgerät schnell. Naja, die Plastikblenden im Alu-Look fallen eher unter die Rubrik Geschmackssache...

In den großen Sitzen fühlt man sich wohl, leider lässt sich die Lehne nur über eine ungenaue Ratsche verstellen. Die Sitze in Reihe zwei und drei steigen an wie im Theater, was die Sicht verbessert. In Reihe zwei mit verschiebbaren Sitzen lässt es sich gut aushalten; als praktisch für Kinder erweisen sich die ausklappbaren Sitzkissen auf den Außenplätzen. Der Zustieg zur dritten Reihe ist zwar gut, aber unter die Vordersitze passen nur Kinderschuhe. Das Gestühl klappt problemlos um; die Ladefläche ist eben; bis zu 32 Umbaumöglichkeiten gibt es. Ebenso 20 Ablagemöglichkeiten. Wir haben nicht alle ausprobiert. Der Kofferraum des immerhin 4,89 Meter langen Freemont bietet minimal 136 Liter (für das wirklich nur Nötigste) bis zu 1461 Liter. Zum Vergleich: Der 48 Zentimeter kürzere VW Tiguan (695 bis 1985 Liter) kann wesentlich mehr einladen.

Am meisten überrascht haben uns Federung und Geräuschdämmung. Kein Vergleich zum blechern klingenden und staksig federnden Dodge; der Freemont erfreut mit gutem Fahr- und Reisekomfort. Recht sanft rollt er ab, selbst dann noch, wenn die imposanten 19-Zoll-Räder montiert sind. Klappern? Das haben die Italiener dem Ami gründlich ausgetrieben. Nur die Lenkung könnte noch präziser agieren.

Sehr gut arbeiten die beiden hauseigenen Dieselmotoren im Verbund mit der leichtgängigen, exakten Sechsgangschaltung. Den Zweilliter-Multijet-Diesel mit acht Einspritzungen pro Arbeitstakt offeriert Fiat hier in zwei Versionen: mit 140 und 170 PS. Wir sind beide gefahren und meinen: der kleine reicht, denn der Fiat-Van ist ein Gleiter. Kraftvoll zieht der Vierzylinder los (350 Nm bei 1750 Touren), bleibt dabei angenehm leise. Interessant: Der stärkere Diesel gibt sich lauter. Fiat nennt einen Verbrauch von 6,4 Litern Diesel; wir kamen laut Bordcomputer auf ordentliche 7,4 Liter pro 100 Kilometer. Maximales Tempo? 180 km/h beim kleinen; 195 km/h beim großen Diesel. Das sollte doch reichen.

Die Produktionswege des Journey sind extrem lang. Laut Fiat soll sich diese Kreuzfahrt der besonderen Art aber rechnen: Die in Italien gebauten Dieselmotoren schippern über den Atlantik, werden im mexikanischen Chrysler-Werk Toluca eingebaut, um dann erneut per Schiff nach Europa zurück zu gelangen. Die Preise des Italo-Amis jedenfalls sind angesichts des Gebotenen mehr als konkurrenzfähig. 25 990 Euro kostet die Basisversion mit 140 PS. Und die hat bereits eine gute Drei-Zonen-Klimaautomatik, CD-Radio mit sechs Lautsprechern, ESP, Berganfahrhilfe, vier elektrische Fensterheber, Tempomat, Alarmanlage und 17-Zoll-Aluräder an Bord. Was will man mehr? Den stärkeren Diesel bietet Fiat nur in der besseren Version Urban an – unter anderem mit hinteren Parksensoren, elektrisch verstellbaren Sitzen. Preis ab 28 790 Euro.

Zum Schluss noch ein guter Ausblick. Wenn am 10. September der Fiat Freemont auch in Deutschland starten wird, dürfen sich schnell Entschlossene auf einen Frühbucherrabatt freuen. Zwar nennt Fiat zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine konkreten Zahlen, doch dass dieser Einstieg unter 25 000 Euro beginnen wird, lässt man schon mal durchblicken. Fragen Sie Ihren Händler nach den konkreten Konditionen.

Übrigens: Im Herbst folgt noch eine Allradversion, die serienmäßig ein Doppelkupplungsgetriebe erhält. Dann wird sie womöglich auch mehr an den Haken nehmen dürfen. Bis jetzt darf der schwere Brocken (1,9 Tonnen leer) lediglich dürftige 1100 Kilo ziehen. Und zu guter Letzt noch eine schlechte Nachricht für Raucher: Anders als bei den meisten Herstellern lässt sich Fiat Aschenbecher und Zigarettenanzünder mit 80 Euro teuer bezahlen.

Rainer Ruthe

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