Ducati Monster : Monsters neue Kleider

Nach 15 Jahren hat Ducati seinen Allrounder überarbeitet – und den Charakter dabei erhalten.

Thilo Kozik

Alles neu – und trotzdem so wie man es kennt: Ducatis Designer-Crew hat eine völlig neue Monster hingezaubert, ohne auch nur ein Jota am erfolgreichen Konzept des Motorrades zu ändern. Die 2008er Auflage ist auf den ersten Blick als Monster erkennbar, nur noch gedrungener, muskulöser.

Und feiner im Detail: Das beginnt beim Rundscheinwerfer, der unglaublich flach ausgeführt sein kann, weil die üblichen Halterungen fehlen – ein mittig über die Front verlaufender Ring gibt dem Ganzen Halt. Unter der Tankattrappe verbirgt sich die größere Airbox, um den neuen Motor schmiegt sich ein Hybridrahmen aus Gitterrohrgeflecht, das hinten an Aluguss-Profile grenzt. Neu sind auch die massive Zweiarmschwinge und das hochgezogene Schalldämpfer-Duo. Ein LED-Hecklicht und -Blinker sorgen für den Abschluss nach hinten, überall finden sich appetitliche Details.

So deutlich die Veränderungen gegenüber der alten Monster im Detail auch ausfallen, das Gesamtwerk ähnelt der Ursprungsidee von Genius Miguel Angel Galluzzi, dem Vater der ersten M 900 von 1993. Aus gutem Grund: Schließlich hat sich die Monster bis zum heutigen Tage 200000fach verkauft. Diese Beliebtheit resultiert aus der Omnipotenz des damals einzigartigen Konzepts eines sportlichen Naked Bikes, das alle Motorradfahrer glücklich macht – mit der Monster kommen sportlich Ambitionierte auf ihre Kosten, ebenso aber Wochenendgenießer, City-Surfer oder Café Racer.

Das alles ermöglicht auch die neue M696, nur noch ein wenig besser. Neue Zylinderköpfe mit größeren Ventilen, schärferen, gleitgelagerten Nockenwellen und modifizierten Brennräumen sowie optimierten Strömungsverhältnissen bescheren dem klassisch-luftgekühlten Zweiventil-Desmo-Twin einen Leistungszuwachs von sieben auf 74 PS. Das maximale Drehmoment stieg auf 69 Newtonmeter.

Die neue Einspritzanlage arbeitet fast immer unauffällig und effektiv. Nur aus dem sanften Schiebebetrieb heraus klappt das Gasanlegen nicht ohne deutlichen Ruck. Trotz zweier Lambdasonden ergibt sich ein spürbares Konstantfahrruckeln bis etwa 4 000 U/min. Dafür geht der 696-Motor schon ab 2500 Touren gut ans Gas, es stört kein Ruckeln und Zuckeln mehr wie bei früheren Desmo-Twins. Der 90-Grad-V dreht munter nach oben bis zum Drehzahlbegrenzer. Über den ganzen Drehzahlbereich herrscht Druck, mit deutlich einsetzendem „Broap-Faktor“ ab 6000 Umdrehungen: Ein deftiges Ansauggeräusch eskortiert den einsetzenden Drehmomentschub, der bis etwa 9000 Touren anhält. Die sportliche Motorcharakteristik verlangt für flottes Düsen aber nach fleißiger Schaltarbeit, die Kupplung ist federleicht bedienbar. Wenig verbessert zeigt sich allerdings das Sechsganggetriebe, das sich nach wie vor nur knatschig und trittfest schalten lässt.

Mit sportlich vorgeneigtem Körper greift der Pilot nun an einen höher platzierten Lenker, genießt niedrigere Rasten und ein schmales Polster. Hinten sitzt es sich nicht unbequem, aber kompakt, so dass von langen Touren zu zweit eher abzuraten ist. Die Körpervorlage eignet sich dafür hervorragend zum Kurvenräubern und bringt Gewicht auf das Vorderrad. Durch die breite Lenkstange biegt die Monster ohne Aufwand in die Kurven. Ihre leichtfüßige Handlichkeit verdankt sie auch dem schmalen 160er Reifen hinten: Kein lästiges Aufstellmoment beim Überfahren von Bodenwellen und Bremsen in Schräglage beeinträchtigt den Fahrgenuss. Vorn greifen mächtige, radial montierte Vierkolben-Festsättel auf die 320er Scheiben. Deren Vortriebsvernichtung fällt effektiv aus. Hinten ergibt sich eine unterstützende Wirkung mit eher mauer Dosierbarkeit. Am Gabeljoch prangt derweil ein sportives Digital-Instrument, Die Drehzahl wird auf einer LCD-Leiste dargestellt, während der Tacho etwas untergeht. Vom linken Lenkerende können praktische Infos wie Restreichweite oder Umgebungstemperatur abgerufen werden.

Warum Ducati mit dieser ersten echten Überarbeitung der Monster 15 Jahre gewartet hat und die 695 im alten Design sicherheitshalber parallel im Programm verbleibt, ist nur mit den schlechten Erfahrungen mit umwälzenden Designänderungen bei beliebten Modellen erklärbar. Doch die neue Monster-Brut dürfte Ducati keine Kopfschmerzen bereiten.

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