E-Golf von Volkswagen : Unterm Blech schlägt’s Öko

Volkswagen bringt mit dem E-Golf und dem hybrid-getriebenen Golf GTE zwei umweltfreundliche und attraktive Modelle.

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Ein ganz normaler Golf, wenn einem nicht von hinten der fehlende Auspuff und der E-Golf-Schriftzug auffällt.
Ein ganz normaler Golf, wenn einem nicht von hinten der fehlende Auspuff und der E-Golf-Schriftzug auffällt.Foto: Promo

Nur der blaue Streifen quer vor dem – nicht vorhandenen Kühler – und in der Unterkante der LED-Scheinwerfer, man lässt erkennen, dass in diesem Golf ein elektrisches Herz schlägt. Das merken nur Kenner. Ein ganz normaler Golf eben, wenn einem nicht von hinten der fehlende Auspuff und der E-Golf-Schriftzug auffällt. Das ist durchaus gewollt von den Marken-Strategen bei Volkswagen. Schließlich will nicht jeder gleich als ausgemachter Ökofreak erkennbar sein, wie mit dem froschmäßig-spartanischen Nissan Leaf oder dem expressiven BMW i3.

Die entscheidende Veränderung findet deswegen verborgen unterm Blech statt. Das größte Plus der zweiten Generation des E-Golfs ist die deutlich vergrößerte Reichweite. Die neue Generation der Lithium-Ionen-Batterie bringt nämlich rund 50 Prozent mehr Power. Das merkt man. Die E-Maschine liefert nun respektable 136 PS und bringt ein stattliches Drehmoment von 290 Newtonmeter auf die Räder – und zwar direkt vom Start weg, weil der E-Motor diese Kraft drehzahlunabhängig leistet. Ergebnis: in 9,6 Sekunden beschleunigt der Wagen auf Tempo 100. Bliebe es im Wageninnern nicht so ungewohnt ruhig, könnte man bei derart rasantem Anzug glauben, einen Verbrennungsmotor unter der Haube zu haben.

Der E-Golf zeigt durchgängig in allen Fahrsituationen eine hohe Agilität, auch beim Überholen auf der Landstraße bietet das elektrische Kraftwerk zusammen mit der Ein-Gang-Automatik eine überzeugende Performance.

Der E-Golf kostet in der Grundversion 35.900 Euro; der Golf GTE startet bei 36.900 Euro.
Der E-Golf kostet in der Grundversion 35.900 Euro; der Golf GTE startet bei 36.900 Euro.Foto: Promo

VW verspricht Reichweite von 300 Kilometern an

Ärgerlich ist freilich, wie VW das Plus an Power verkauft. Großspurig wird eine Reichweite von 300 Kilometern statt der bisherigen 190 Kilometer versprochen – gemessen im „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ). Was genau genommen eine Mogelpackung ist; nicht unbedingt geeignet, das Vertrauen in die umweltfreundliche Technologie zu erhöhen. Denn eigentlich repräsentiert die NEFZ-Reichweite eine reine Laborsituation. Werden alle realen Fahrsituationen berücksichtigt, was schwurbelig „kundenrelevantes Jahresmittel“ genannt wird, liegt die Reichweite bei rund 200 Kilometer, bis die Batterie wieder aufgeladen werden muss.

Dabei hat der E-Golf solch Zahlenmogelei nicht nötig. Schließlich fahren vier von fünf Autofahrern täglich weniger als 50 Kilometer, sagt uns die Statistik des Bundesverkehrsministeriums. Wenn da nicht die persönliche Sorge wäre, dass der elektromobilen Kiste dann doch der Strom ausgehen könnte, wenn es mal etwas weiter hinaus geht – am Wochenende etwa auf Familienausflug.

Wer freilich beschleunigunsintensiv durch die Gegend fährt, bei dem bleibt es nicht bei der von Volkswagen angegebenen Durchschnittsstromverbrauch von 12,7 Kilowattstunden. Bei der Testfahrt wurde jedenfalls ein Wert von 16,2 Kilowattstunden erreicht – was die NEFZ-Reichweite ziemlich schnell nach unten reduziert. Derart temperamentvoll zeigt sich der E-Golf freilich nur im Normal-Modus. Wählbar sind daneben auch die Modi Eco und Eco-Plus. Vor allem beim letzterer Einstellung leidet aber die Freude am Fahren ziemlich. Der leer 1615 Kilo schwere E-Golf erweist sich dann als ziemlich behäbig. Selbst mit tief durchgetretenen Gaspedal ist die Beschleunigung im zügigen Stadtverkehr unbefriedigend.

Neues Radio-, Navigations- und Infotainmentsystem mit Gestensteuerung

Der Eco-Plus-Modus ist daher tatsächlich eher eine Art Nottaste, wenn es mal knapp wird mit der Batterie-Reichweite. Wird der Modus aktiviert, schalten sich nämlich automatisch alle anderen elektrischen Verbraucher aus – von der Klimaanlage bis zur Heizung. Was im Winter keine Freude ist. Damit die Heizung im Winter nicht zu viel Energie - und damit Reichweite – frisst, hat VW mit einer Wärmepumpe eine pfiffige Idee entwickelt: Genutzt wird die Wärme der Antriebs und der Außenluft.
Daneben aber zeigt sich der E-Golf wie alle Modelle der neuen Golf-Generation zwischen dem serienmäßigen LED-Frontlicht und den Voll-LED-Schlussleuchten bestens aufgelegt.

Die Ausstattung enthält zahlreiche Assistenzsysteme wie City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung.
Die Ausstattung enthält zahlreiche Assistenzsysteme wie City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung.Foto: Promo

Dazu kommen im gut ausgestatteten E-Golf serienmäßig ein neues Radio-, Navigations- und Infotainmentsystem mit Gestensteuerung, das ebenfalls serienmäßige digitale Active Info Display sowie zahlreiche Assistenzsysteme wie City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung, ein neuer selbstbremsender Stauassistent.

Der aufgeräumt wirkende Innenraum glänzt mit guter Verarbeitung und geschmackvoller Gestaltung, bei dem auch die straffen Sitze überzeugen. Auch auf der hinteren Bank gibt es viel Kopffreiheit selbst für größere Mitfahrer. Vor dem lederbezogenes Multifunktionslenkrad sitzt ein übersichtliches, vollelektronisches Display mit zwei Rundinstrumenten. Wer will, kann sich dazwischen noch die Navigationsfunktion einspiegeln lassen. Das ist praktisch, weil es den Blick zur Mittelkonsole erspart, wo ein neun Zoll großes Display für alle Infos und elektronischen Dienste platziert ist.

Vor dem lederbezogenes Multifunktionslenkrad sitzt ein übersichtliches, vollelektronisches Display mit zwei Rundinstrumenten.
Vor dem lederbezogenes Multifunktionslenkrad sitzt ein übersichtliches, vollelektronisches Display mit zwei Rundinstrumenten.Foto: Promo

Für eine Familie mit viel Gepäck wird der Kofferraum kaum reichen

Der Kofferraum ist dagegen kein Raumwunder; wer mit der Familie und viel Gepäck hat, dem werden die 340 Liter Fassungsvermögen kaum reichen. Wird die Rückbank umgeklappt, sind es dann 1200 Liter Packraum.

Ein flottes Elektromobil also, dass es gut mit dem teureren BMW i3 aufnehmen kann. Wem die rein elektrische Version aber doch zu wenig ist, um auch sorgenfrei längere Strecken übers Land zurückzulegen, hat mit dem Golf GTE eine Alternative. Der Hybrid hat eine Batterie-Reichweite von 50 Kilometern, danach schaltet sich der Verbrennungsmotor ein. Beim Start kommt immer erst einmal der schadstofffreie E-Motor zum Einsatz. Der Fahrer kann aber per Knopfdruck auch auf den Verbrennungsmotor wechseln, etwa, um sich die Batteriebetrieb für den Stadtverkehr aufzusparen. Effizienter fahren soll man auch durch die Nutzung der Streckendaten.

Ab Mitte Mai, so kündigt Volkswagen an, wird dann bei eingegebener Fahrstrecke per Satellit für maximale Reichweite der Verbrauchsmix proaktiv optimiert – dann wechselt das Fahrzeug automatisch in den Verbrennungsmodus, wenn etwa ein steiler Berganstieg bevorsteht, während beim herunterfahren wieder auf Batteriebetrieb geschaltet wird.

In der Praxis schnurrt die elektrische Reichweite freilich bei scharfer Fahrt, etwa auf der Autobahn, doch schnell zusammen. Nach 35 Kilometern muss dann bereits der Verbrenner einspringen. Der E-Motor ist mit 110 PS zudem spürbar schwächer als das elektrische Aggregat im E-Golf und nicht so agil. Dafür sichert aber der 150 PS starke Verbrennungsmotor ein komfortables Vorankommen.

E-Golf kostet in der Grundversion 35.900 Euro

Um zweifelnden Kunden doch zum umsteigen auf den Stromer zu bewegen, hat VW eine clevere Idee im Angebot. In den ersten zwei Jahren hat jeder Käufer kostenlos für bis zu 30 Tagen einen Anspruch auf einen Leihwagen und bis zu 4000 Kilometer Reichweite: Damit auch die große Urlaubsreise nicht scheitert.

Der E-Golf kostet in der Grundversion 35.900 Euro; der Golf GTE startet bei 36.900 Euro. Berücksichtigt man jeweils die Förderprämie von 4000 Euro, dann ist die neue Version des umweltbewussten und emissionsfreien E-Golfs bei weit besserer Ausstattung nahezu preisgleich mit dem Diesel-getriebenen Golf GTD. Man könnte es nach dem Debakel bei Volkswagen um gefälschte Diesel-Abgaswerte fast wie feine Ironie verstehen. Die richtige Herausforderung für den e-Golf aber kommt in diesem Frühjahr von Opel. Der Ampera soll eine NEFZ-Reichweite von 500 Kilometer besitzen – ein Preis wird noch nicht genannt, er soll aber um die 35.000 Euro liegen.

Die E-Maschine liefert respektable 136 PS und ein stattliches Drehmoment von 290 Newtonmeter auf die Räder.
Die E-Maschine liefert respektable 136 PS und ein stattliches Drehmoment von 290 Newtonmeter auf die Räder.Foto: Promo


 

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