Auto : e wie endlich

2011 starten die ersten Elektroautos in größerer Serie, aber auch neue Verbrenner: Eine Vorschau auf die wichtigsten Neuheiten

Stefan Woltereck

Das neue Jahr wird für die Auto-Szene ein besonders interessantes: Erstmals seit über hundert Jahren kommt nicht nur neu geformtes Blech in die Schaufenster, sondern dazu eine revolutionäre neue Antriebsquelle. War es um das Jahr 1900 der Verbrennungsmotor, der dem damals populären Elektroantrieb den Garaus machte, so kommt heute das Elektroauto wieder. Einige Pioniere gibt es bereits, so den amerikanischen Tesla-Sportwagen und den Karabag 500, den auf Elektroantrieb umgerüsteten Fiat 500. Dazu feiern die ersten Großserienmodelle noch im ausgehenden Jahr Premiere – Citroen C-Zero, Peugeot iOn, Mitsubishi i-MIEV (siehe Kasten). In den nächsten Monaten bringt unter anderem Renault den Kangoo ZE und den Fluence, Nissan den Leaf, Opel den Ampera.

Vom beginnenden Elektro-Zeitalter zu sprechen, ist dennoch verfrüht. Noch sind die bei uns angepeilten Verkaufszahlen winzig, bei Citroen, Peugeot und Mitsubishi je 1000 im ganzen Jahr. Noch sind die Preise so hoch, dass Batterieantrieb für Normalfahrer keine Alternative ist: Rund 36 000 Euro oder 500 Euro Leasingrate pro Monat für einen Dreieinhalbmeter-Kleinwagen – dreimal so viel, wie für ein ähnliches Auto mit konventionellem Antrieb anzulegen ist. Und noch sind die Reichweiten niedrig und die Ladezeiten lang. 150 Kilometer werden für das (weitgehend baugleiche) Trio C-Zero, iOn, i-MIEV versprochen. Bei Steigungen, mit Licht und Heizung sind es vielleicht nur halb so viele. Dann muss das Elektromobil an die Steckdose – sechs Stunden lang für volle Ladung, eine halbe Stunde für 80 Prozent an einem Kraftstrom-Anschluss.

Immerhin: Der Anfang ist gemacht. Der Elektroantrieb steht vor einer großen Zukunft. Schon bald mit längerer Reichweite, höheren Fahrleistungen, niedrigeren Preisen. Bis 2020 rechnet die Bundesregierung mit einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen, Optimisten peilen ein Mehrfaches an. Neben reinem Batterieantrieb stehen auch Hybrid-Modelle zur Wahl. Sie rollen immerhin zwei, drei Kilometer weit elektrisch – und in ihrer „plug-in“-Version mit größerem Akku und Lademöglichkeit an der Steckdose sogar 20 oder 30 Kilometer.

„Zero Emission“ gilt für Elektroautos freilich nur mit regenerativ erzeugtem Strom aus Wasser- und Windkraft, aus Erdwärme, Biogas, Solarzellen. Der übliche Strom entsteht aus Kohle, Erdgas, Kernkraft. Wasser, Wind- und Solaranlagen sind mit wachsenden, aber noch kleinen Anteilen dabei. Mit diesem Mix wird das CO2 aus dem Auspuff nur in den Kraftwerksschornstein verlagert. Ein Kleinstwagen wie der kommende Elektro-Smart emittiert damit etwa 70 g pro Kilometer: Das kann ein moderner Dieselmotor fast genau so gut.

Auch der Verbrennungsmotor bietet Potenzial zur Weiterentwicklung. Er wird noch viele Jahre die erste Geige im Antrieb von Personen- und erst recht von Lastwagen spielen. Das Gros der Neuerscheinungen setzt denn auch im neuen Jahr auf den Otto – nach der überwundenen Krise auch selbstbewusst mit üppiger Leistung. So etwa Audi beim RS 3 (ab April) mit 195 kW/265 und BMW mit dem 1er-M-Coupé (Sommer) mit 257 kW/350 PS. Wichtiger bei Audi ist der neue A6 ebenfalls im Frühjahr. Die Konzernmutter VW präsentiert im Januar den neuen Jetta, im Sommer das Golf-Cabrio und im Herbst den kleinen Up als Lupo-Nachfolger.

Bei Opel wird der Corsa im Frühjahr optisch runderneuert, dazu erscheinen im Herbst ein größerer Zafira und der elektrische Ampera. Ford bringt im Frühjahr den neuen Focus und im Sommer sparsame Dreizylinder in Ka und Fiesta. Dreizylinder erscheinen auch bei Citroen, Peugeot und BMW. Mercedes-Benz erneuert den CLS und den SLK, im Herbst dazu die B-Klasse. Peugeot startet den 508 in der Mittelklasse, dazu den 3008 Hybrid mit Diesel- plus Elektromotor.

Toyota bringt mit dem Verso S einen neuen Wettbewerber zum Opel Meriva, Lexus den kompakten CT 200h mit der Hybrid-Technik aus dem Toyota Prius. Nissan präsentiert außer dem Elektro-Leaf einen sehr sparsamen Dreizylinder-Kompressormotor im neuen Micra: Wenig Verbrauch und geringe Emissionen werden auch künftig ganz wichtige Kriterien beim Autokauf bleiben.

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