Ehrgeiziger Fünf-Jahres-Plan : Volvo will Absatz verdoppeln

Der schwedische Autohersteller Volvo gibt ambitionierte Wachstumsziele bekannt, die durchaus gewagt scheinen. Warum es trotzdem klappen könnte...

Günther Fischer
Volvo will neu durchstarten: Der Händler wird dabei zum umfassenden Mobilitätsdienstleister und rückt ins Zentrum der neuen Volvo Wachstumsstrategie.
Volvo will neu durchstarten: Der Händler wird dabei zum umfassenden Mobilitätsdienstleister und rückt ins Zentrum der neuen Volvo...Foto: promo

Zufall oder Absicht? Kaum ist Volvo in den Besitz des chinesischen Automobilherstellers Geely übergegangen, schon werden Fünf-Jahres-Pläne gemacht. Im Jahr 2020, so meint der seit einem Jahr amtierende Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch, sollen fast doppelt so viele Volvos verkauft werden wie noch im Jahr 2015, das gerade erst begonnen hat. Weltweit und natürlich auch in Deutschland.

Immerhin gibt es ein paar Anzeichen und Zahlen dafür, dass das ehrgeizige Vorhaben tatsächlich gelingen könnte. 2014 verkaufte die Volvo Car Group insgesamt 465.866 Fahrzeuge – ein Verkaufsrekord, getrieben von guten Ergebnissen in Westeuropa (plus 11,4 Prozent) und, natürlich, China (plus 32,8 Prozent). Gelingt die Verdoppelung auf mehr als 800.000 Einheiten (Nutzfahrzeuge wie Lkws nicht mitgerechnet), wäre 2020 jedes zehnte verkaufte Premiumfahrzeug ein Volvo.

Volvo setzt auf Qualität statt Quantität

Deutschland müsse, so Bauch, seinen Teil dazu natürlich beitragen. Zwar ging das Jahr 2014 mit exakt 31.919 verkauften Volvos (plus 16 Prozent) erfolgreich zu Ende, auch konnte der Marktanteil von 0,9 auf 1,1 Prozent ausgebaut werden (4,6 Prozent Anteil im Premiumsegment, in dem sich Volvo sieht), aber das wird in Zukunft natürlich nicht mehr reichen. Bauch: „Bis 2020 steht auch für die deutsche Organisation eine Verdopplung des Marktanteils auf zwei Prozent im Plan. Wir visieren im nächsten Schritt rund 1,2 Prozent an.“ Das klingt erst einmal fast bescheiden, dennoch wird Volvo Deutschland um einiges stärker wachsen müssen, wenn das Planziel von rund 60.000 Stück erreicht werden soll.

Das Erstaunliche am Wachstumswunsch ist, dass die Zahl der Volvo-Händler dafür keinesfalls steigen wird. Stattdessen soll ein ganzes Bündel von Maßnahmen beim stärkeren Verkauf helfen. So wird Volvo zum Beispiel ein zentral gesteuertes Gebrauchtwagenmanagement einführen. Bisher war es doch eher dem Zufall überlassen, ob und wo man seinen Wunschvolvo gebraucht findet. Der Online-Vertrieb wird ebenfalls ausgebaut. Er soll dem Handel aber keine Konkurrenz machen, sondern einfach nur zusätzliche Absatzmöglichkeiten eröffnen. Auch hinter den Kulissen, sprich: in den Werkstätten, ändert sich vieles: Da auch ihre Zahl gleich bleibt, in Zukunft aber wohl einige Fahrzeuge mehr auf sie zukommen, werden intern viele Abläufe umstrukturiert und beschleunigt.

Im Januar 2015 ist zudem das Projekt „Schwedenflotte. Mobilität von Volvo“ gestartet. Es ist der Einstieg ins professionelle Vermietgeschäft. Der Unterschied zu herkömmlichen Autovermietern: Volvo baut dafür keine eigene Flotte auf. Wieder sind es die Händler, die daran teilnehmen und auf Wunsch des schwedischen Herstellers zu umfassenden Mobilitätsdienstleistern werden sollen. Geschäftsführer Bauch: „Der jeweilige Volvo-Händler wird mit der von uns zur Verfügung gestellten Technik in seinem Gebiet flexibel auf alle Mobilitätswünsche der Kunden reagieren können – egal, ob es sich um Carsharing, Kurz- oder Langzeitmiete handelt.“ Der gewollte und erwünschte Nebeneffekt: Bestehende Volvo-Kunden können bei der Stange gehalten werden, Menschen, die vielleicht zum ersten Mal einen Volvo mieten, hat man ein wenig am Haken...

Natürlich sollen auch neue Modelle und neue Technik zum weiteren Wachstum beitragen. Gerade eben hat Volvo sein Premium-SUV XC90 vorgestellt. Es war längere Zeit nicht mehr zu haben und früher ziemlich erfolgreich. Kein Wunder also, dass sich Volvo wieder einiges erhofft – und diese Hoffnungen scheinen bestätigt zu werden: 4400 Stück sollen 2015 verkauft werden, aber schon jetzt, Mitte Februar, liegen mehr als 2000 Bestellungen vor.

Ebenfalls ambitioniert: Das Anti-Sterbe-Versprechen

Auf der technischen Seite treibt Volvo fast schon traditionell die Entwicklungen von Sicherheits-Features und den Ausbau seiner Drive-E-Motorenfamilie weiter voran. Vom Downsizing – alle Motoren der Drive-E-Familie verfügen über vier Zylinder und zwei Liter Hubraum – erhofft sich Volvo geringere Verbräuche und damit niedrigere Emissionen. Zuletzt wurde der neue T6-Benziner als Topmotor der Reihe präsentiert. Er wird serienmäßig mit einem Achtgang-Automatikgetriebe gekoppelt und leistet dank Turbo- und Kompressoraufladung 225 kW/306 PS. Der von Volvo versprochene und angesichts der Leistung durchaus ambitionierte Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern auf 100 Kilometern konnte bei einer ersten Ausfahrt in einem XC60-Modell aber nicht annähernd erreicht werden: Er pendelte sich zwischen zehn und elf Litern ein – was eindeutig zu viel ist. Im Diesel-verliebten Deutschland wird der T6 aber ohnehin keine große Rolle spielen.

Der Weg in die Zukunft: Der schwedische Konzern setzt auf Sicherheit und eigene Motoren. Aber auch auf Visionen, denn ab 2020 soll kein Mensch mehr in einem neuen Volvo sterben
Der Weg in die Zukunft: Der schwedische Konzern setzt auf Sicherheit und eigene Motoren. Aber auch auf Visionen, denn ab 2020 soll...Foto: promo

Neben allen wirtschaftlichen Zielen hat Volvo aber noch eine ganz andere Vision: Ab 2020 soll in einem neuen Volvo kein Mensch mehr sterben oder ernsthaft verletzt werden. Das wollen sicher auch andere Premiumhersteller – doch so offen ausgesprochen hat es bisher keiner. Da ist man dann durchaus geneigt, der neuen Art der schwedisch-chinesischen Planwirtschaft Glück zu wünschen.

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