Auto : Ein Hauch von James Dean

Porsche vergleicht den Boxster ’09 mit Legenden der Marke. Nächste Woche kommt er auf die Straße

Kai Kolwitz

Dieser Wagen ist verdächtig. Oder wie soll man das sonst nennen, wenn es ein Hersteller in diesen Tagen wagt, eine 310-PS-Maschine in ein Auto zu schrauben, das maximal zwei Personen von A nach B befördern kann? Und der Motor sitzt hinter den Vordersitzen. In der Mitte. Oh Mann, damit wäre der Wochenendeinkauf im Boxster auch gestorben. Fast überflüssig zu erwähnen, dass bei Preisen von minimal 46 000 Euro die Abwrackprämie wirkungslos verpufft.

Versuchen wir trotzdem mal, etwas Nettes über Porsches runderneuerten Kleinsten zu sagen. Da wäre zum ersten: Im Zuge der Erneuerung des Antriebsstrangs ist nicht nur die Leistung gewachsen, sondern auch der Verbrauch um gut zehn Prozent gesunken. Mit unter neun Litern lässt sich der Boxster jetzt 100 Kilometer weit fahren – zumindest dann, wenn man den EU-Zyklus und nicht den Alltag als Maßstab nimmt. Das ist zwar immer noch keine Konkurrenz für einen Nissan Micra, aber angesichts des Gebotenen schon mal ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Und, zweites Argument: Der Boxster macht weiterhin saumäßig viel Spaß. Entschuldigung.

Interessanterweise haben beide Aspekte sogar einiges miteinander zu tun: Denn dank einiger elektronischer Komponenten ist der Zweisitzer zwar nicht gerade ein Auto mit zwei völlig unterschiedlichen Charakteren. Aber anderthalb sind es schon. Denn sparsamer macht ihn neben viel Detailarbeit vor allem das Doppelkupplungsgetriebe PDK, das im Zuge der Überarbeitung auch im Boxster zu haben ist: Sieben Fahrstufen, kleine Gangabstände im unteren Geschwindigkeitsbereich, dazu ein lang ausgelegter siebter Gang – das sorgt dafür, dass der Boxster nah an der für den Verbrauch besten Drehzahl unterwegs ist.

Zumindest dann, wenn man das will. Sollte das ausnahmsweise mal nicht der Fall sein, dann kommt Komponente zwei ins Spiel, der „Sport“-Knopf in der Mittelkonsole. In der Praxis sorgt all das dafür, dass sich ein Boxster des neuen Modelljahres im Berufsverkehr, sagen wir, gegen 17 Uhr auf der Leipziger Straße, lammfromm benimmt: Das PDK schaltet früh hoch, der Wagen macht keinen Radau, Vortrieb ist genug da, aber sehr entspannt dargeboten – und nur ein diffuses Gefühl und die kleinen Atempausen, bis der Wagen aufs Gas reagiert, sagen, dass da eventuell noch mehr drin wäre.

Dass diese Ahnung nicht ganz falsch war, merkt man, wenn man die Taste drückt. Denn jetzt dreht der Wagen die Gänge höher aus, reagiert spontan aufs Gas und bringt dadurch all das zur Geltung, weswegen man sich überhaupt einen Porsche kauft: Die direkte, variabel übersetzte Lenkung, mit der sich der Boxster so chirurgisch präzise in die Kurven zirkeln lässt. Das Fahrwerk, das zusammen mit der durch den Mittelmotor erreichten ausbalancierten Gewichtsverteilung den Grenzbereich in Kurven so hoch setzt, dass den Fahrer in der Regel schon weit vorher der Mut verlässt. Dazu der Sound des Sechszylinder-Boxers, garniert mit einer guten Dosis Ansauggeräusch. Schön ist das. Es ginge sogar noch etwas mehr von allem im Sport-Plus-Modus. Aber dann geht der Boxster dermaßen brutal auf Drehzahl und Beschleunigung, dass die Auslegung eher etwas für den Rundkurs ist.

Optisch sind die Veränderungen dagegen porsche-typisch zwar merkbar, aber dezent ausgefallen: größere Lufteinlässe vorn, LED-Positionslichter, breitere Spur, andere Rückleuchten und Frontscheinwerfer – mit Anklängen an Porsches Rennvergangenheit – insgesamt wirkt der Boxster damit maskuliner, ohne dass man genau sagen könnte, warum. Dafür ist die Liste der geänderten technischen Details ein Beleg für die Überlebensfähigkeit schwäbischer Tüftelei. Nur als Beispiele: größere Bremsscheiben für den Normal-Boxster und, damit sie passen, auch andere Felgen, das Fahrwerk so geändert, dass hinten der Reifendruck gesenkt werden kann und der Wagen komfortabler abrollt. Andere Motorlager, die den Wagen steifer machen, die aus dem 911 bekannte Direkteinspritzung für den Boxster S. Vorbefüllung der Bremsanlage – das ließe sich ausdehnen und zeigt, dass Marketing für Porsche zwar nicht bedeutungslos ist, dass man aber trotzdem keine Ingenieure auf die Straße setzt. Der Hang zur permanenten Detailverbesserung kann einem die Stuttgarter sehr sympathisch machen.

Und noch weitere Vorteile bietet der Boxster in Zeiten gestiegenen Umweltbewusstseins. Zum einen sind seine beiden Kofferräume so klein, dass man automatisch weniger mit ihm fährt (siehe Wochenendeinkauf). Und zweitens ist er so flach, dass man ihn gut verstecken kann, damit ihn nicht die falschen Leute sehen. Hinter einem Cayenne zum Beispiel.

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