Auto : Ein Kessel Buntes

Der neue Captur ist der frechere Clio: ein Kompakt-SUV mit dem Zeug zum Erfolgsmodell.

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Gestatten wir uns eine Träne im Knopfloch: Der kleine Wind ist von uns gegangen. Wind? Den kannten nur die Wenigsten; ein skuriles, aber durchaus witziges Cabrio auf Basis des Twingo. Bereits im Juni haben die Franzosen heimlich, still und leise die Produktion eingestellt. Den Part des bunten Auffallers übernimmt stattdessen num ein kleiner SUV, der Captur. Er steht als Ableger des Clio auch auf der IAA in Frankfurt.

Was Modelle wie der Opel Mokka und der Nissan Juke vorgemacht haben, soll nun auch Renault ein Stück vom Trend-Kuchen sichern: Ein handliches Auto in rustikaler Optik, mit erhöhter Sitzposition und zu bezahlbarem Preis. Beim Captur sind damit 15 290 Euro aufwärts gemeint. Dafür gibt es zwar keinen Allrad, aber ein ungewöhnliches Design mit einigen aha-tauglichen Detaillösungen. Nehmen wir die abnehm- und damit waschbaren Sitzbezüge – frech und nützlich. Oder die ausziehbare, kühlfähige Schublade statt Handschuhfach – praktisch für große Wasserrflaschen. Nicht ganz neu, aber deswegen nicht minder gescheit ist die verschiebbare Rückbank: Ein Segen für die hinteren Gäste an Bord.

Außen gefallen die ausgewogenen Proportionen und die zweifarbige Lackierung, die gerade in der Kombination orange-weiß geeigent scheint, etwas Sommerfrische in den Herbst zu retten. Drinen dagegen wirkt das Design des Captur allzu kess – nach unserem Geschmack jedenfalls müssten sich Linien und Kreise nicht auch noch übers Lenkrad ergießen. Immerhin, das viele Hartplastik wird so ganz geschickt überspielt und vertreibt jeden Hauch des Biederen. Der griffgünstig platzierte Touchscreen passt ins moderne Bild. Die Serien-Lautsprecher klingen erstaunlich gut. Und der Aufpreis für Bluetooth und Navi hält sich mit 900 Euro in noch vertretbaren Grenzen.

Für den kleinen Charmeur sind drei Motoren verfügbar. Empfehlenswert ist in jedem Falle der 90 PS starke Diesel. Nur, wer den Kaufvertrag unterschrieben hat, kann sich angesichts der Laufruhe sicher sein, dass es sich hier wirklich um einen Selbstzünder handelt. Auf Benzinerseite steht neben einem Dreizylinder mit 90 PS ein weiterer Turbomotor mit 120 PS zur Wahl – kein Heißsporn, eher ein kultivierter Zeitgenosse, der nach Drehzahlen giert.

Für frankophile Kompaktwagen- Freunde ist der Captur eine interessante Alternative zur üblichen Hausmannskost. Auf vier Metern Länge hat Renault ein ansehnliches Auto gebastelt, mit dem man sich auf der nächsten Geburtstagsparty eines jedenfalls nicht nachsagen lassen muss: Wie langweilig. Eric Metzler

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