Ein-Liter-Auto : Invasion der Supersparer

VW und General Motors haben Autos angekündigt, die nur einen Liter Benzin je 100 Kilometer verbrauchen sollen. Zumindest in einem der Fälle hat die Sache allerdings einen Haken.

VW und General Motors haben in dieser Woche angekündigt, in den kommenden Jahren Autos zu präsentieren, die nur noch rund einen Liter Treibstoff benötigen, um 100 Kilometer weit zu fahren. Mit zwei völlig unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten wollen die beiden Autobauer das große Ziel erreichen.

Wie die Braunschweiger Zeitung berichtete und VW inzwischen bestätigte, setzen die Wolfsburger weiter auf einen konventionellen Verbrennungsantrieb. Genauer, auf einen per Kompressor oder Turbolader aufgeladenen Dieselmotor mit zwei Zylindern, für den man Leistungswerte zwischen 30 und 45 PS ankündigt.

Zu Temperament und Sparsamkeit sollen dem kommenden Ein-Liter-Mobil geringes Gewicht und eine windschnittige Karosserie verhelfen. Ein Rahmen aus Aluminium und Magnesium, Titan für die Radnaben und sogar Radlagerkugeln aus Keramik – jedes Einzelteilchen soll seinen Anteil dazu beitragen, dass das VW-Gefährt nur rund 350 Kilogramm auf die Waage bringt. Mehr als zwei Sitzplätze passen allerdings nicht in das Leichtgefährt. Im September soll es als Studie auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt gezeigt werden, ein Serienstart ist um 2013 herum geplant.

Allerdings wird das Wolfsburger Konzept von Ankündigungen aus Detroit zu einem reinen Behelfsmobil degradiert. Denn General Motors will sein Ein-Liter-Auto schon im kommenden Jahr auf die Straße bringen: Als Chevrolet Volt, eine ausgewachsene Familienkutsche mit Platzverhältnissen, wie man sie auch von anderen Autos kennt. Opel will das Modell ein Jahr später unter dem Namen "Ampera" auf den Markt bringen.

Dem "Volt" soll eine Mischung aus Elektro- und Benzinantrieb zur Mitgliedschaft im Ein-Liter-Club verhelfen. 230 Meilen pro Gallone Verbrauch kündigte GM-Chef Fritz Henderson für den Wagen im Stadtverkehr an, was exakt einem Liter pro 100 Kilometer entspricht. Dabei stützte sich Henderson auf einen Test nach dem Fahrzyklus, der in den USA zur Zulassung eines Fahrzeugmodells absolviert werden muss.

Allerdings gäbe es da noch ein paar Details anzumerken, die Henderson bei seiner Ankündigung verschwieg. Im Detail funktioniert der "Volt" nämlich so: Angetrieben wird der Wagen von einem Elektromotor, der seinerseits von einer Batterie mit Strom versorgt wird. Ist die prall gefüllt, reicht die Energie für gut 60 Kilometer elektrisches Fahren.

Soll es danach noch weitergehen, ohne dass man eine Ladepause einlegen will, dann kommt ein sogenannter "Range Extender" ins Spiel. Das ist ein Benzinmotor, der als Generator benutzt wird, um die Batterie parallel zum Fahren zu laden. Die Ein-Liter-Rechnung für den "Volt" sieht vor, dass erst einmal die gefüllte Batterie leer gefahren werden muss. Mit Benzin wird nur noch das bewältigt, was zu den vollen 100 Kilometern fehlt. "Ein Liter, plus der Strom", müsste die Aussage also korrekterweise lauten.

Für Berufspendler und andere Kurzstreckenfahrer hat der "Volt" trotzdem Charme. Wer an einem Stück nur so weit fährt, dass der Batterieinhalt reicht, und danach an Steckdose oder Stromtankstelle wieder aufladen kann, dürfte gegenüber einem Wagen mit Verbrennungsmotor ernsthaft Geld sparen. Denn Strom ist deutlich günstiger zu haben als das Äquivalent in Benzin oder Diesel. Über die CO-Bilanz des Wagens lässt sich dagegen pauschal nichts sagen. Denn auch im elektrischen Betrieb ist der Wagen in der Regel dafür verantwortlich, dass CO entsteht: Der Strom fürs Fahren wird im Kraftwerk erzeugt. Ohne Kohlendioxid geht das nur dann, wenn alternative Energien oder Atomkraft genutzt werden.

Und sicher ist: Auf langen Strecken schmilzt der Vorteil des Wagens gegenüber konventionell angetriebenen Modellen dahin. Denn wenn die Batterie leer ist, muss der "Range Extender" ran – bis zu 1000 Kilometer Reichweite mit 55 Litern Tankinhalt gibt General Motors für den "Volt" an. Das wären 5,5 Liter Verbrauch je 100 Kilometer, ganz nett, aber auch nicht überragend sparsam.

Übrigens hat VW schon einmal ein Ein-Liter-Auto präsentiert. Im Jahr 2002 war das. Der heutige Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piech absolvierte mit der aerodynamisch optimierten Flunder sogar medienwirksam die Fahrt vom Werk in Wolfsburg zur Hauptversammlung in Hamburg. Auf 0,89 Liter Verbrauch brachte Piech den Wagen damals. Viel Gepäck konnte er allerdings nicht mitnehmen.

Quelle: ZEIT ONLINE, 13.8.2009 - 15:52 Uhr

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