Auto : Eine Segellegende wird 100

Der Windjammer „Eye of the Wind“ trug in 100 Jahren schon viele Namen - und viele Crews

Stefan Gerhard
Selber mitsegeln? Die „Eye of the Wind“ wird heute für Gruppen- und Themenreisen eingesetzt. Unter www.eyeofthewind.net finden Interessenten Informationen. Foto: promo
Selber mitsegeln? Die „Eye of the Wind“ wird heute für Gruppen- und Themenreisen eingesetzt. Unter www.eyeofthewind.net finden...

Vor 100 Jahren lief in Brake an der Unterweser der Toppsegelschoner „Friedrich“ auf der Lühring-Werft vom Stapel. Zwölf Jahre später wurde das Schiff nach Schweden verkauft und durchquerte dort unter dem Namen „Merry“ als Frachtschiff die Ost- und Nordsee. Manche Quellen nennen auch „Sam“ und „Rose-Marie“ als weitere Schiffsnamen.

Im Laufe seiner 50-jährigen Dienstzeit wurde der Schoner schrittweise zum Motorschiff umgerüstet. Als „Merry“ eigentlich einem ruhigen Lebensabend als Postschiff entgegenging, lösten sich diese Pläne 1969 in Rauch auf. Ein vom Maschinenraum ausgehender Brand vernichtete Deckshäuser und Holzdeck.

Vier Jahre später: Einige Segelschiffliebhaber berührte das Schicksal des Schiffs so sehr, dass diese 1973 mit umfangreichen Umbaumaßnahmen zur Brigg begannen. Auf die Komplettsanierung folgte die Taufe des Zweimasters auf den neuen Namen „Eye of the Wind“ – und gleich darauf eine Umrundung des Globus. Die Weltreise mit Stationen in Australien, der Südsee und einer Rundung des berüchtigten Kap Hoorn war 1978 kaum beendet, da wurde dem Großsegler die Ehre zuteil, als Flaggschiff die „Operation Drake“ anzuführen. An der rund zweijährigen Expeditionsreise auf den Spuren des Seefahrers Sir Francis Drake nahmen etappenweise mehr als 400 Crewmitglieder teil.

Auch auf den Filmsets von Hollywood-Filmproduktionen kreuzte der Großsegler mehrmals auf. Wie im Zivilleben trotzte die „Eye of the Wind“ auch vor der Kamera heftigen Stürmen, strandete, brannte aus und sank. Zu sehen war das Schiff unter anderem im Abenteuerstreifen „Die Blaue Lagune“ (1980) und dem Piratenfilm „Savage Island“ (1983).

Bis zur Jahrtausendwende war der Großsegler als Segelschulschiff auf den Weltmeeren und bei Tall-Ship-Regatten unterwegs. Da die letzte Renovierung bereits 27 Jahre zurücklag, beschloss der dänische Unternehmer, der die Brigg 2000 als Privatyacht übernahm, das Segelschiff mit modernster Technik und Elektronik auszustatten. Die sechs Doppelkabinen des sieben Meter breiten Schiffs bekamen Aircondition und Bäder, dazu Teakholz und Messing, wohin das Auge unter Deck blickt. Um den historischen Charakter zu bewahren, ging man bei der Umrüstung behutsam vor. Auf ein Bediensystem für die Segel wurde bewusst verzichtet: So werden die Segel mit einer Gesamtfläche von rund 750 Quadratmeter bis heute nur durch Muskelkraft gesetzt und eingeholt.

Am 1. April 2009 übernahm eine Merchinger Firma das Schiff, das seitdem ganzjährig für Events, Gruppen- und Themenreisen eingesetzt wird. Die erfahrene Crew weist die Gäste in den Segelbetrieb ein, so dass diese selbst mit Hand anlegen dürfen – nicht müssen.

Am 30. April 2011, zum 100. Geburtstag, führte die „Eye of the Wind“ als Flaggschiff die Parade der Großsegler bei der Eröffnung der Bremerhavener Kaiserschleuse an. Beim Hamburger Hafengeburtstag, während der Kieler Woche und der Hanse Sail Rostock war der Großsegler ebenfalls zu sehen. Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs geht es von den Kanarischen Inseln aus über den Atlantik in die Karibik – diesmal auf den Spuren von Christoph Kolumbus. Mitsegler können bis Ende März 2012 in ein- bis zweiwöchigen Segeltörns an Bord gehen. Von Martinique aus werden die Leeward Islands, Antillen, Grenadinen und Virgin Islands angelaufen. Danach geht es unter vollen Segeln über die Bahamas und die Azoren zurück in die heimische Nordsee.

Mit ihrem vergleichsweise geringen Tiefgang stehen dem Großsegler auch Ankerplätze und Badebuchten offen, die von modernen Kreuzfahrtschiffen nicht angelaufen werden können. Ein Lob dem Alter. Stefan Gerhard

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar