Auto : Einfach konkurrenzlos

Aus dem 1er-Coupé wird nun die 2er-Baureihe. Mit dem M235i krönt BMW die neuen Coupés mit einem fast perfekten Kompaktsportler.

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Sie erinnern sich sicherlich. Vor drei Jahren hatte es die Bundeskanzlerin geschafft, eine Wahl zu gewinnen, die sie wohl lieber verloren hätte: Merkel siegte beim Unwort des Jahres mit ihrem Begriff „alternativlos“, der von ihr im Zusammenhang mit der Griechenlandhilfe gebraucht wurde. Die Marketingmannschaft von BMW dürfte sicher an diesen Moment gedacht haben, als sie den Begriff „konkurrenzlos“ für ein neues Modell wählte, das Mitte März auf den Markt kommen wird. Es ist das Topmodell der Zweierreihe. 2er? Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Münchner Zahlenspiele gehen weiter. Aus 1 mach nun 2. Aus 3 dann 4. Und vorher bereits aus 5 mach 6. Jeweils etwas größer, exklusiver, emotionaler – und natürlich teurer. Der Preisunterschied vom mittlerweile eingestellten Einser-Coupé zum künftigen Zweier-Coupé beträgt gut 3000 Euro.

Clever gemacht. Dafür bekommt man aber auch einiges geboten. Der Neue ist mit seinen 4,43 Metern sieben Zentimeter länger als der Vorgänger und gar elf Zentimeter länger als der aktuelle Einser. Dazu hat er drei Zentimeter mehr Radstand und eine um vier Zentimeter vergrößerte Spurbreite. Er steht einfach satter auf der Straße und hat zudem den Babyblick des Vorgängers abgelegt. Trotz der gewachsenen Maße wurde das 2er-Coupé gegenüber dem 1er-Coupé nicht schwerer. So hat der schon bekannte, famose und für den Einsatz im Zweier nochmals optimierte aufgeladene Reihensechszylinder mit seinen nun 326 PS und 450 Newtonmetern Drehmoment leichtes Spiel mit dem 1545 Kilogramm schweren Kompaktcoupé.

Innen findet man BMW pur, heißt fahrerorientiertes Armaturenbrett, Sportsitze sowie eine optimale Sitzposition. Los geht es. Der aufgeladene Reihensechser, wahrscheinlich das beste Triebwerk seiner Klasse, grummelt dumpf vor sich hin, meldet sich dann hörbar, aber nicht nervend, als er per Gaspedal zur Arbeit aufgefordert wird. Und das neue M235iCoupé spielt prächtig mit. Geradeaus schnell fahren, das kann jeder mit einem richtig gut konstruierten Auto. Doch der M235i lebt erst richtig auf, wenn er Biegungen jeder Art durcheilen darf. Dazu adeln ihn, es mag abgegriffen klingen, Glanzleistungen deutscher Ingenieurskunst wie eine ideale Achslastverteilung von 50:50, eine sorgsam abgestimmte elektromechanische Sportlenkung, die ein Muster an Präzision ist, ein Sportfahrwerk, das seinen Namen verdient – und ein Antriebsstrang, der zum derzeit Besten gehört, was man kaufen kann.

Hallo, wo ist die nächste Kurve?! Das Fahrverhalten ist nahezu idiotensicher; selbst im Sport-Plus-Modus, in dem der elektronische Schleuderschutz deaktiviert ist, wacht im Hintergrund das DSC weiter, um im Fall der Fälle blitzschnell einzugreifen. Auch die elektronische Differentialsperre bleibt aktiv, um beim Herausbeschleunigen aus Kurven das durchdrehende Antriebsrad abzubremsen und so die Kraft auf das andere zu leiten. Und der Fahrkomfort? Der geht mit den optionalen elektronisch geregelten Dämpfern trotz des strammen Sportfahrwerks noch in Ordnung. Eine Sänfte kann und will dieser Sportler gar nicht sein.

46 000 Euro für ein zweitüriges Coupé? Eine ganze Stange Geld. Dafür bekäme man auch einen ausgewachsenen Fünfer-BMW. Und doch lohnt sich diese Ausgabe für alle, die genügend auf der Seite und viel Sinn fürs Auto haben. Denn dieser Top-2er ist einzigartig, aber nicht artig. Quasi ein M3 im Miniformat mit den Fahrleistungen eines Porsche Cayman S. Auch wenn diese beiden Autos nicht direkt vergleichbar sind; eines haben sie gemeinsam: Sie sind Fahrmaschinen, mit denen nicht nur Könner ihren Spaß haben sollten. Und plötzlich trifft das Unerwartete zu: Dieses bayrische zweitürige Coupé sticht den zweitürigen Sportler aus: Mit 326 PS ein PS stärker als der Cayman S, mit der Zeit von 4,8 Sekunden für den Sprint von Null bis Tempo 100 einen Wimpernschlag (0,1 Sekunden) schneller, mit einem größeren Kofferraum (390 Liter) als der VW Golf VII. Der des Cayman ist nicht der Rede wert. Und mit vier Sitzplätzen: vorn so luftig wie im Dreier und hinten noch so, dass zwei mittelgroße Erwachsene leidlich untergebracht sind. Beim Porsche müssten sie mit dem Zug fahren.

Und zum guten Schluss ist das BMW M235i-Coupé, das gegenüber dem Porsche Cayman S ohne Ohrenschmerzen langstreckentauglich ist, auch noch 20 000 Euro günstiger als dieser. Ganz zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Freunde eines gepflegten sportlichen Hinterradantriebs. Während der Einser-Schrägheck beim Modellwechsel in zwei Jahren von Hinterrad- auf Frontantrieb umgestellt wird, bleibt dem nächsten Zweier eine solche Kastration erspart. Schmunzelnd ließ der Projektleiter des 2er durchblicken, dass bei diesem Sportcoupé auch künftig am dynamischen Heckantrieb festgehalten werde. Und für alle, die sich beim flotten Fahren noch den Wind ungefiltert um die Nase wehen lassen möchten: Dem geschlossenen Zweier wird binnen Jahresfrist noch ein 2er-Cabrio folgen. Erste Prototypen sind bereits gesichtet worden.

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