Eleganter Neustart : Renault Laguna Grandtour: Anspruchsdenken

Der Vorgänger-Franzose war anfällig. Mit dem neuen Laguna Grandtour will Renault unter die besten Drei des Segments fahren.

Stefan Robert Weissenborn
Renault Laguna
Vorsicht, scharfe Kanten. Der Renault Laguna Grandtour. -Foto: Promo

Ein Typ des Anstoßes war er ja nie. Seine Sache waren nicht die eigenwilligen Formen und gezackten Linien der Aventimes, Méganes und Vel Satisse dieser mobilen Welt. Keine treppenförmige Karosse gab es, keine Rückleuchten wie Kronjuwelen, keine Heckscheiben wie Steilküsten. Er machte die Designrevolution bei Renault zum Auftakt des Jahrtausends schlicht nicht mit. Und mit der Neuauflage ist er sich so gesehen treu geblieben, der Laguna. Was für die seit Mitte Oktober verfügbare Limousine gilt, gilt auch für den Kombi, der am 19. Januar zu den Händlern kommen wird.

Wenn der Neuaufguss des Grandtour sogar konturierter wirkt als sein Vorgänger, dann markiert das fast schon Mut, nun, da der neue Konservativismus der Formensprache bei Renault ausgebrochen ist (siehe Twingo). Und Anspruch: Man will vorfahren unter die besten drei im Segment. Und da C-Klasse-Kombi und A4 Avant ohnehin nicht das Wasser gereicht werden kann, wie Produktmanager Marc Osseux einräumt, will man sich folglich vor Konkurrenten setzen wie Ford Mondeo Turnier, Opel Vectra und Toyota Avensis Kombi. Flucht nach vorn ist also die Devise bei Renault. Denn es gibt einiges gutzumachen nach dem Vorgänger-Laguna, der durch schlechte Platzierungen in den Pannenstatistiken auf sich aufmerksam machte. „Beim Laguna II wurde alles schöngeredet“, räumt Osseux ein, um direkt anzufügen: „Und nun stimmt alles.“

Bei einer Inaugenscheinnahme ist diese Einschätzung erst einmal nicht zu widerlegen. Spontan hinreißen lassen würde man sich zu ihr aber auch nicht. Das Urteil fällt eher so aus: Der Grandtour bleibt dezent im Hintergrund. Er durchbricht nicht die klassenübliche Formensprache, die irgendwo zwischen vertrauenserweckend-familientauglich und aggressiv-sportlich oszilliert. Ebenso unspektakulär fährt er sich auch. Das solide Fahrwerk steht dem ambitionierten Fahrer nicht im Weg, dem Sonntagsfahrer gönnt es genügend Komfort. Die Lenkung passt sich der Geschwindigkeit an und spricht für französische Verhältnisse erfreulich direkt an. Gleiches gilt für die Bremse, die automatisch den vollen Bremsdruck aufbaut, wenn das System den Notfall wittert. Das tut es immer dann, wenn der Piloten vor dem Bremsen abrupt vom Gas gegangen ist, was auf ein plötzlich aufgetauchtes Hindernis hindeutet. Weniger geschmeidig harmonieren die Schaltkomponenten. Vor allem der sechste Gang findet seine lange Gasse nur ohne Murren, wenn er mit bestimmtem Seitendruck auf den Hebel dazu gezwungen wird. Empfohlen wird das Schalten von einer Anzeige im Cockpit, wenn spritsparenderes Fortkommen möglich ist. Eine Start-Stop-Automatik soll jedoch erst 2009 verfügbar sein.

In Sachen Vortrieb möchte man nicht so recht zu einem kleineren Motor als zu dem 2,0-Liter-Benziner mit 140 PS greifen. Und als das Triebwerk der Wahl erscheint der 150-PS-Selbstzünder (Drehmoment: 340 Newtonmeter), den Renault in weiser Voraussicht als Volumenmodell nennt.

Apropos Volumen: Bei 508 Litern Staumenge können im Kofferraum zwar 46 Milchtüten mehr als in der Limousine transportiert werden, damit fasst er aber weniger als die gesamte Konkurrenz. Zum Ausgleich sind die Seitenwände eben, wie auch die zwei Meter lange Ladefläche, wenn die Rücksitze per schnellem Handgriff umgelegt worden sind. So muss keine Nische des maximal 1593 Liter fassenden Gepäckabteils ungenutzt bleiben. Verpackungsfreaks können dazu noch für 400 Euro das „Storage“-Paket mit Sicherheitsnetzen, Gepäckraumunterteilungen und separat zu öffnendem Heckfenster ordern.

Mehr Platz als in der Limousine haben auch die Insassen, dank Längenwachstum um neun Zentimeter auf 4,80 Meter und den leicht gestreckten Radstand. Der Komfort im Fond wird lediglich an den Füßen beschnitten. Auch ohne hohen Spann bleibt unter den Vordersitzen kaum Platz. Ein Manko, das als solches erkannt und mit dem im Oktober kommenden Laguna Coupé behoben sein soll. Ein weiteres Minus sind die zumindest im getesteten Wagen auffallenden Windgeräusche an der Heckpartie. Die macht sich ansonsten vor allem durch einen recht langen Karosserieüberhang beim Rangieren bemerkbar. Ein Parkassistent würde 400 Euro Aufpreis kosten.

Tadellos ist wie in der bis auf das Heck baugleichen Limousine die Verarbeitung, praktisch sind die 12-Volt-Steckdosen in Mittelkonsole und Fond.

Möglichst sicheres Fahren sollen die Standards ABS, ESP, Bremskraftverteiler und sechs Airbags garantieren. Seinen Anspruch in dieser Hinsicht belegt der Laguna Grand Tour ebenso wie die Limousine auch beim Euro NCAP-Test. Er heimste wie schon der Vorgänger die Höchstwertung von fünf Punkten ein. Eine klare Botschaft. Zu den anvisierten Verkaufszahlen möchte Renault bisher aber noch keine Angaben machen. In dieser Hinsicht hat den französischen Hersteller der Mut verlassen.

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