Elektro-Kleinwagen in L.A. : BMW zeigt seriennahe i3-Studie

Schon seit mehreren Jahren wird über das kompakte Elektroauto aus München geredet. Jetzt endlich deckt BMW auf der L.A. Autoshow die Karten auf: So oder annähernd so schickt BMW sein Elektroauto i3 nächstes Jahr in Serie.

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Auch ohne den nicht benötigten Lufteinlass vorne ist der i3 Concept noch als BMW zu erkennen.
Auch ohne den nicht benötigten Lufteinlass vorne ist der i3 Concept noch als BMW zu erkennen.Foto: Hersteller

Gaaanz langsam schiebt sich der Vorhang auf. Seit Monaten geht das schon so. Und es dauert noch fast ein Jahr, bis man alles sehen, kaufen, fahren kann. Doch immerhin: In Los Angeles zeigt BMW eine seriennahen Version des i3: Das erste Elektroauto eines deutschen Premiumherstellers, von dem man beileibe nicht mehr sagen kann, es handele sich um einen Alibi-Versuch oder um eine hoffnungslose Spielerei.

Die Philosophie hinterm i

Der Blick auf den Viersitzer lohnt dreifach. Erstens, weil die Bayern den Spieß konsequent umgedreht haben. Der i3 wurde von Grund auf als Stromer gedacht und entwickelt - Konkurrenten nehmen einen Verbrenner und stülpen die e-Technik nachträglich drüber. Zweitens ist Leichtbau bei diesem Modell keine Hier-und-da-Taktik, sondern durchgängiges Konstruktionsprinzip. Die Fahrgastzelle besteht aus CFK, einem carbonfaserverstärktem Kunststoff; der Grundrahmen und alle Fahrzeugteile, die Antrieb, Fahrwerk und Batterie aufnehmen, aus Alu. Drittens schließlich lebt der i3 eine Formensprache und eine Detailliebe, die begeistert.

iPad statt Rundinstrumente

Die Rundumsicht ist beim i3 grandios. Im Heck fehlen sogar die C-Säulen.
Die Rundumsicht ist beim i3 grandios. Im Heck fehlen sogar die C-Säulen.Foto: Hersteller

So im Innern: Bislang sind Elektroautos entweder zweckdienlich gestaltet oder krude verspielt. Im i3 dagegen öffnet sich eine luftige Welt ohne Mitteltunnel, aber mit schwebenden Trägern im Cockpit. Statt klassischen Rundinstrumenten gibt es einen ipad-ähnlichen Monitor; ein zweites Exemplar zeigt Navi- und Audioinformationen. Grandios ist die Rundumsicht: Weil das Dach hinten selbsttragend ist, wurde die C-Säule gestrichen und durch Glasflächen ersetzt. Schaut futuristisch aus, ist aber trotzdem praktisch. Gleiches gilt fürs Heck: Die LED-Rückleuchten sieht man nur, wenn sie eingeschaltet sind. Sie sind flächenbündig und rahmenlos in die Fahrzeughaut integriert. Auch vorne ist alles glatt - schließlich braucht ein Elektroauto keinen Lufteinlass. Dennoch: Die Front ist unverkennbar BMW. Von der Seitenlinie kann man das nicht sagen, was an einem eigenwilligen Knick liegt, mit dem die hinteren Fensterflächen beginnen.

Optional mit Range Extender

Die Art und Weise, wie Chefdesigner Adrian van Hooydonk den i3 in L.A. auf der Bühne streichelt, lässt vermuten, dass die Fotos den i3 tatsächlich ziemlich genau so zeigen, wie er Ende nächsten Jahres in Serie gehen wird. Technisch steht das Gerüst ohnehin: Der kompakte Elektromotor leistet 125 kW/170 PS; zusammen mit Elektronik und einstufigem Getriebe sitzt er über der Hinterachse, deren Räder er antreibt. Wie wir von Probierfahrten im Kleinserien-Einser Active E wissen; sind mehr als 145 km/h nicht drin; die Batterien reichen verlässlich für rund 160 Kilometer. Da eine derart beschränkte Reichweite für viele potenzielle Käufer die größte Hürde zu sein scheint, wird BMW für den i3 wohl optional einen Range Extender anbieten - jedenfalls deuten darauf unsere Hintergrundgespräche am Rande der Messe hin. Das Prinzip: Ist die Batterie leer, generiert ein Verbrennungsmotor bei laufender Fahrt Strom, sodass der Wagen weiter elektrisch vorankommt.

Die Heckleuchten sind nur im eingeschalteten Zustand zu sehen. Offen bleibt allerdings, was der i3 wohl in etwa kosten wird.
Die Heckleuchten sind nur im eingeschalteten Zustand zu sehen. Offen bleibt allerdings, was der i3 wohl in etwa kosten wird.Foto: Hersteller

Eine Antwort auf die Fragen aller Fragen gab es in Kalifornien übrigens noch nicht. Was wird der i3 kosten? Soweit wir es vermocht haben, hinter den Vorhang zu schauen, der sich erst über die nächsten Monate völlig aufziehen wird, halten wir diese Wette: 39 980 Euro. Hauptsache, vorn steht eine Drei.

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