Elektro-Mini : Lautlos in L. A.

In Kalifornien fuhr Gouverneur Schwarzenegger diese Woche den ersten Elektro-Mini – wir auch.

Henrik Mortsiefer[z.Zt. Los Angeles]

Auffallen kann man mit einem Mini auf deutschen Straßen schon lange nicht mehr. Der Deutschen liebster Kleinwagen, so scheint es, wird ein (teurer) Volkswagen. In Kalifornien sieht die Sache anders aus – vor allem, wenn der Mini elektrisch läuft. BMW hat am Mittwoch den Mini E auf der Los Angeles Auto Show erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Im nächsten Jahr soll er auch in Berlin 50 ausgewählten Kunden in einem Pilotprojekt zur Verfügung gestellt werden. 50 weitere testen das Elektroauto in London, 500 sollen es in Los Angeles und New York sein.

Bei der Probefahrt im sonnigen L. A. erweist sich der Elektro-Mini als aufregende Weiterentwicklung des Spaßmobils aus dem Münchener BMW-Konzern.

Vertraut und zugleich doch ganz

anders: Von außen sieht man dem Mini nicht an, dass er mit modernsten Lithiumionen-Batterien im Gepäck unterwegs ist. Allenfalls der nicht vorhandene Auspuff macht stutzig. Verändert hat man dagegen den Innenraum des Mini: Aus dem Viersitzer ist (zumindest im Pilotfahrzeug) ein Zweisitzer geworden. Die 5088 Batteriezellen, die man aus Laptops und Handys kennt, beanspruchen viel Platz. Die Rückbank musste deshalb für den voluminösen Energiespeicher weichen. Bis zur Serienreife frühestens 2010 erhofft sich BMW eine komfortablere, weil kompaktere Lösung.

Ein ganz neues Fahrgefühl zeigt sich nach dem Start. Denn auf Dynamik muss man beim elektrischen Mini-Fahren nicht verzichten. Der 204 PS starke Motor mit einem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmetern bringt den relativ schweren Kleinwagen (1465 Kilo) beeindruckend in Schwung. Fahrer des schwerfälligen 90-PS-Minis mit herkömmlichem Motor, der 135 Kilo weniger als das Elektromodell wiegt, dürften sich über den Antritt des Mini E wundern. In 8,5 Sekunden hat er 100 Stundenkilometer erreicht, bei 152 km/h macht die Motorelektronik Schluss. „Das Pilotfahrzeug soll so sicher wie irgend möglich sein“, sagt Friedrich Eichinger als BMW-Vorstand für die Entwicklung von Konzern und Marken. Der Hersteller will kein Risiko eingehen. Deshalb reichen bei einigen Testfahrten in L. A. auch ein paar heftigere Erschütterungen auf schlechten Straßen, um den Elektro-Mini zum System absturz zu bringen. Nach einer halben Stunde spendiert die Sicherung wieder Saft – es kann lautlos weitergehen.

Im Stadtverkehr spricht der Mini E spontan und kraftvoll an – ohne einen Ton von sich zu geben. Ein Surren vielleicht und das Rollen der Räder. Sonst nichts. Mit viel Fantasie erinnert man sich beim Bremsen an das Geräusch einer langsamer werdenden S-Bahn. Völlig geräuschlos meldet sich der Mini E auch nach einer Zündschlüsselumdrehung. Ist der Wagen tatsächlich an? Ein Blick auf das Instrument, das beim herkömmlichen Mini die Drehzahl misst, gibt Aufschluss. Die Anzeige für den Ladezustand misst in Prozent, wie viel Strom noch in der Kiste auf dem Rücksitz steckt. Im Mini-typischen Zentralinstrument zeigen zusätzliche LED-Leuchten laufend an, wie viel Strom den Akkus entnommen wird. Oder andersherum: Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen. Die LEDs blinken grün. Um bis zu 20 Prozent erweitert sich die Reichweite des elektrischen Minis, wenn genügend Bremsenergie gewonnen wird. Und das geht schnell, denn das Auto bremst, sobald man den Fuß vom Gaspedal nimmt. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil das sonst übliche Ausrollen des Wagens nur möglich ist, wenn das Gaspedal langsam zurückgenommen wird. 200 bis 250 Kilometer weit soll der Mini E kommen, je nach Fahrweise. Danach muss das Auto an die Steckdose. Mithilfe eines Schnellladegerätes soll die Batterie dann in zwei Stunden wieder voll sein.

Zu Preisen und voraussichtlicher Marktreife wollte sich BMW in Los Angeles nicht äußern. „Wir sammeln zunächst das Kunden-Feedback“, sagte BMW-Vorstandsmitglied Eichinger. „Zügig“ solle bei einer positiven Resonanz dann über die Serienfertigung entschieden werden.

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