Elektro-Motorrad : Die Kraft kommt aus der Steckdose

"Wir arbeiten dran" ist die Standardantwort, wenn es um Elektro-Motorräder geht. Doch ein paar kann man schon kaufen.

Heiko Haupt (dpa)

Die Themen könnten gegensätzlicher kaum sein: Beim Auto geht es im Moment vor allem um günstige Preise, niedrige Verbräuche und alternative Antriebe.

Bei den Motorrädern sieht es dagegen anders aus: Wie zu jeder Saison werden im Frühjahr gern leicht angejahrte Maschinen frei von jeglicher Umwelttechnik aus den Garagen gerollt. Und selbst bei neuen Modellen geht es oft mehr um brachiale Leistung als um Katalysatoren oder Antriebs-Alternativen. Die Hersteller sprechen zwar von entsprechenden Plänen – doch in erster Linie sind es kleine Tüftler und Unternehmen, die solche Ideen bereits in die Tat umsetzen.

   Berichte über Elektro- oder Hybrid-Antriebe bekannter Marken gibt es immer wieder. Doch in der Realität ist davon bisher wenig zu sehen. So hat Honda zwar schon in der Vergangenheit entsprechende Ideen auf zwei Räder gestellt: Es gab einen Hybrid-Roller und einen Roller mit Brennstoffzelle – allerdings nur als Studie. Eine Ankündigung hat es für die Einführung eines Elektro-Motorrades im Jahr 2010 gegeben. Derzeit beschränkt man sich allerdings auf die Aussage „Honda arbeitet an dem Thema“.

   Ähnliches verkündet Nicole Papay, Sprecherin bei der Konkurrenz: „Yamaha arbeitet daran“. Auch hier wird auf bereits präsentierte Studien verwiesen. Dazu zählen vor allem einige im Jahr 2007 auf der Motorshow in Tokio vorgestellte Prototypen: Fahrzeuge wie der Elektro-Scooter Bobby, das Brennstoffzellen-Zweirad FC-Aqel oder der minimalistische Elektro-Roller C3+. Auch denen ist bis heute eines gemein: Bei den Händlern findet sich keine Spur von ihnen – was sich vorerst wohl auch nicht ändern dürfte.  „In der Forschung und der Vorausentwicklung sind solche Motorräder auch bei uns ein Thema“, sagt zwar Rudolf-Andreas Probst, Sprecher von BMW-Motorrad. „Wir erwarten aber nicht vor 2012 oder 2013 ein kundentaugliches Fahrzeug.“ Der Grund dafür sei vor allem das immer noch ungenügende Verhältnis von Preis, Leistung und Reichweite: Die Batterie-Technik sei noch zu teuer, die Reichweiten begrenzt.

Selbst wenn sich daran nach und nach etwas ändere, glaubt Probst, dass der Verbrennungsmotor sicher noch „über viele Jahre der beherrschende Antrieb beim Motorrad bleiben wird“. Elektro-Antriebe könnten aber im urbanen Betrieb einen stärkeren Stellenwert bekommen.

   Gerade dieser „urbane Betrieb“ ist es derzeit auch, der wirklich käufliche Zweiräder hervorbringt. Verschiedene Nischenanbieter haben sich auf Roller mit Elektromotoren spezialisiert. Ausgerechnet aus den für durstige V8-Motoren oder die berühmten Harley-Davidsons bekannten USA kommt außerdem eines der wenigen komplett auf Elektro-Antrieb ausgelegten Konzepte für einen kräftigen und damit auch landstraßentauglichen Motorroller: Vectrix heißt die Marke, die seit nunmehr rund einem Jahr auch in Deutschland vertreten ist. Wurden 2008 rund 50 Exemplare des VX1 genanten „Maxi-Scooters“ zum Preis von jeweils knapp 10 000 Euro an den Mann gebracht, will man 2009 deutlich mehr erreichen. „Wir bauen gerade unser Händlernetz aus“, erklärt Sven Wedemeyer von Vectrix Deutschland. Die Zahlen von 2008 will man damit verdoppeln.

   Weitere Initiativen kommen überraschenderweise aus einem Bereich, der bislang nicht wirklich für umweltfreundliche Gedanken bekannt war: Offroad und Motocross. Gerade hier sieht man sich mit immer mehr Einschränkungen konfrontiert, die vor allem durch den deutlichen Lärm und den Abgasausstoß der Zweiräder verursacht wurden. So hat der österreichische Hersteller KTM im Herbst 2008 verkündet, dass er eine Enduro erprobe, die von einem Elektromotor angetrieben wird. Der Prototyp soll den Ankündigungen zufolge bis zur Serienreife weiterentwickelt werden – was aber nach bisherigen Einschätzungen wohl noch rund zwei Jahre dauern wird.

   Auch im Bereich der Geländemotorräder ist es ein kleines Unternehmen, das die Vorreiterrolle spielt: Die Firma heißt Quantya und stammt aus Lugano in der Schweiz. Bislang einziges Produkt ist ein Motorrad mit Elektromotor, das vor allem für den Offroad-Einsatz ausgelegt ist – für das es aber auch eine Straßenzulassung gibt. Und während die Entwickler vor allem auf den Offroad-Einsatz Wert legten, sehen die Kunden dies anders – sie ziehen die 9282 Euro teure Version mit Zulassung der mit 8794 Euro günstigeren Gelände-Version vor: In Deutschland sind 2008 insgesamt 118 Quantya an Endverbraucher verkauft worden – lediglich 2 davon als reine Gelände-Maschinen. Eine Tatsache, über die auch die großen Hersteller vielleicht einmal nachdenken sollten. 

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